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09. September 2017

Laaaaaaaangweilig!

Wenn sich im Kopf Ödnis breit macht, dann ist das doof / Langeweile ist trotzdem ganz normal.

  1. Manchmal weiß man mit seiner Zeit nichts anzufangen. Foto: Duplass (adobe.com)

Die Sommerferien sind vorbei. Sechs lange Wochen, in denen einem schon auch mal langweilig werden kann. Die Freunde alle weg, nur man selber hockt zu Hause und weiß nicht, was tun. Und als sei das nicht schon schlimm genug, schlagen auch noch dicke Regentropfen an die Fensterscheibe. Lange-
weile fühlt sich komisch an, ist aber sinnvoll.


Plötzlich ist sie da – diese Unlust, irgendwas zu unternehmen. Erwachsene machen dann gerne mal Vorschläge wie "Geh doch inlinern" oder "Klingel bei den Nachbarn". Meistens sind diese Vorschläge in dem Moment aber auch langweilig. Langeweile ist doof, richtig doof. Forscher sehen das allerdings anders. Und das nicht, weil sie vor lauter Arbeit nicht mehr wissen, wie sich Langeweile anfühlt, sondern weil sie herausgefunden haben, dass Langeweile wichtig ist. Vor allem für Kinder. Denn nur wer die Zeit dazu hat, kommt auf neue Ideen und entdeckt eigene Interessen. Das sei wichtig, sagen die Forscher.

Kinder sollten ohnehin viel mehr Zeit für sich haben. Zeit, in der sie einfach mal planlos durch den Tag schlappen können. Ohne Ziel, ohne Termin. Und ohne Erwachsenensprüche wie "Nur Langweilern ist langweilig." Langeweile fühlt sich so an, als würde da oben im Kopf gar nichts mehr passieren. Totaler Stillstand. Das stimmt aber nicht. Ein Gehirn, das eine Zeit lang Pause macht, arbeitet trotzdem und ist nach der Pause sogar leistungsfähiger als vor der Pause. Kurzes Nichtstun macht also fit im Kopf.

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Eine Forschergruppe aus den USA hat das anhand von Tests mit jungen Menschen bewiesen. Die Testteilnehmer wurden in vier Gruppen eingeteilt und hatten alle die gleiche Aufgabe zu lösen: Sie sollten sich ausdenken, was man mit einem gewöhnlichen Ziegelstein Ungewöhnliches anstellen könnte. Die erste Gruppe sollte ihre Ideen dazu aufschreiben, die zweite sollte sich ausruhen, die dritte sollte schwierige Aufgaben und die vierte viel zu leichte Aufgaben lösen. Das Ergebnis: Am besten schnitt die vierte Gruppe ab. Und das mit großem Abstand zu den anderen drei Teams. Ganz nebenbei hat die vierte Gruppe die Ziegelsteinaufgabe weiterbearbeitet. Aus Langeweile.

Richtig gut an Langeweile ist übrigens, dass sie schnell vorüber ist. Eben lag man noch auf dem Bett, glotzte an die Zimmerdecke und bohrte sich heimlich in der Nase – und schwupps, schon sitzt man vor dem Regal und zieht einen Zeichenblock hervor. Oder geht hinunter in den Hof und fängt an zu buddeln oder zu kicken.

Manchmal muss es im Kopf eben erst richtig leer sein, damit dort wieder etwas Neues passieren kann. Der Langeweile sei Dank.

Autor: Stephanie Streif