Schlaue Schüler

Am Lahrer Scheffel-Gymnasium werden hochbegabte Schüler unterrichtet

Felix Lieschke

Von Felix Lieschke

Di, 12. Januar 2016 um 18:09 Uhr

Lahr

Seit zehn Jahren bildet das Scheffel-Gymnasium in Lahr hochbegabte Schüler aus. Die Roboter-AG ist eines von vielen Zusatzangeboten, die es der Schule ermöglicht, den Kindern gerecht zu werden.

Es ist ein Freitagnachmittag am Scheffel-Gymnasium. Während in der großen Eingangshalle die Reinigungskräfte schon damit beschäftigt sind, die Mülleimer der Klassenräume auszuleeren, machen sich zwei Jungs noch auf den Weg in ein Klassenzimmer im dritten Stock. Vier Laptops, jede Menge Kabel, zwei Roboter, ein Miniaturfußballteppich und Andreas Kempf warten dort schon auf sie.

Jeden Freitag trifft sich hier die Roboter-AG von Andreas Kempf und Michael Rienks. Ingenieur Rienks hatte 2013 die AG gegründet, und Kempf, den technischen Informatiker, ein paar Monate später mit ins Boot geholt. "Ich fand es damals nur richtig, dass ein Hochbegabtenzug auch eine Roboter-AG hat", sagt Rienks.

Ziel für 2016: Junior-WM in Leipzig

Der Erfolg gab ihnen Recht. Bei den deutschen Meisterschaften 2014 haben die damals noch elf Schüler mit ihren fußballspielenden Robotern den dritten Platz gewonnen. Heute sind es mehr als doppelt so viele Schüler, die auf mehrere Gruppen aufgeteilt werden mussten. In diesem Jahr wollen sie bei der Junior-WM in Leipzig antreten. "Wenn es auf den Wettkampf zugeht, dann treffen sich die Schüler auch am Wochenende", sagt Andreas Kempf.

Die AG richtet sich zwar nicht speziell nur an hochbegabte Schüler, aber sie machen doch die Mehrheit der Gruppe aus, sagt Andreas Kempf. Er betreut die Elf, die beim Wettkampf antreten wird. "Ich wollte damals einfach mal etwas übers Programmieren lernen", sagt die 14-jährige Celina Paepke, das einzige Mädchen in der Gruppe.
"Das Meiste machen die Kinder mittlerweile selbst."

Andreas Kempf
Im ersten Jahr mussten die Schüler zunächst die richtige Löttechnik lernen. Jetzt sitzen sie hinter ihren Computern und programmieren die verschiedenen Operationen, die der Roboter später selbstständig ausführen soll. Wann soll er sich drehen, welche Linie darf nicht überfahren werden? Das legen sie auf ihren Laptops im Vorfeld fest. Während des Spiels dürfen sie nicht mehr eingreifen. Den Roboter aus dem ersten Turnier haben sie zwar noch, "sie wollten aber nochmal einen neuen bauen", sagt Kempf.

Diesmal haben sie ihn mit einer Kamera und einer richtigen Schusstechnik ausgestattet. Ihr Roboter kann bald selbstständig auf das Tor zielen. "Ich bin nur noch begleitend dabei, das meiste machen die Schüler mittlerweile selbst", sagt Kempf. Fast 2000 Euro hat der Prototyp gekostet. Im späteren Turnier spielen immer zwei Roboter in einer Mannschaft.

Das "c" steht für Hochbegabtenklasse

Celina Paepke geht wie die meisten anderen im Raum auch in die Klasse 9 c. Das "c" steht am Scheffel-Gymnasium für die Hochbegabtenklassen.

2006 ist der sogenannte Hochbegabtenzug an der Schule eingerichtet worden. Der Unterricht wendet sich dabei gezielt an überdurchschnittlich intelligente Kinder. Detlef Lingner, der stellvertretende Schulleiter, unterrichtet Biologie in den c-Klassen. In seinem Büro im ersten Stock türmen sich Magazine und Zeitungen in allen Ecken. Lingner gehörte mit zu den treibenden Kräften, die dafür sorgten, dass das Scheffel-Gymnasium 2006 den Zuschlag für den Hochbegabtenzug als eine der Pilotschulen im Land erhielt.

"Schnelles Merken von Fakten", "ungewöhnlich großer Wortschatz für ihr Alter" und "schnelles Durchschauen von Ursache-Wirkung-Beziehungen" – das sind einige der Merkmale, die nach Angaben des Landesbildungsservers Baden-Württemberg auf eine Hochbegabung hindeuten können. Es gebe verschiedene Formen, wie sich eine besondere Begabung bei den Kindern äußern kann, sagt Detlef Lingner.

"Bei den Hochbegabten wird vertikal unterrichtet."

Detlef Lingner, Konrektor
Um dieser Vielfalt gerecht zu werden, bietet das Scheffel-Gymnasium Zusatzangebote im mathematisch-naturwissenschaftlichen, geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen sowie im musisch-künstlerischen Bereich an. Dazu kommen extracurriculare Schulangebote, wie die Roboter-AG. "Akzeleration und Enrichment", damit wirbt die Schule, und es bedeutet: Weniger Wiederholungen des Lernstoffes, um so die Inhalte individuell vertiefen zu können. "Die Abläufe sind ganz anders", sagt Lingner. "Bei den Hochbegabten wird vertikal unterrichtet. Wenn eine Frage da ist, wird sie beantwortet, egal, ob es im Lehrplan erst ein paar Jahre später dran wäre."

Lingner deutet auf ein Plakat an der Wand, das neben seinem Schreibtisch hängt. Darauf zu sehen ist ein Insekt – eine Blattschrecke. Das Plakat ist von Dominik Werz, einem ehemaligen Schüler. Die Technik der Blattschrecke, ihre Eier in einem Blatt abzulegen, ohne es dabei zu beschädigen, war für Werz Grund genug, sich zu überlegen, wie der Mensch diesen Mechanismus für sich nutzen könnte.

Auch international erfolgreich

Sein Projekt brachte es bei einem internationalen Wettbewerb in Peking auf einen ersten Platz (die BZ berichtete). Als er daran arbeitete, stand Werz kurz vor seinem Abitur. Für Lingner ist der Hochbegabtenzug ein Erfolgskonzept. "Es ist erfreulich, was Schüler erreichen können, wenn sie nur die richtigen Impulse bekommen", freut er sich.

Mehr zum Thema: