Mundart-Kolumne

AUCH DAS NOCH: "Mir sin doch eigentlig Römer"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 19. Juli 2018

Lahr

Munart-Kolumne von Gunther Lehmann wie die Römer nach Lahrgekommen sind und was von ihnen übrig geblieben ist.

"Sag mol, Onkel, kann ich dich ebs froge? So von Mann zu Mann?", sait de Klein zu mir. "Klar", sag ich, "du kannsch mich alles froge. Dofir isch e Onkel jo do." "Also, worum schwätze mir eigentlig nit idalienisch?" "Will des nit unseri Muettersproch isch un mir des nit g’lehrt hän", sag ich. "Aber Onkel, mir sin doch eigentlig Römer." "Wieso sotte mir Römer sin?" will ich wisse. "Will mir von de Römer abstamme." "Wie kommsch denn do-druf?" "Mir hän in de Schuel ganz genau erklärt kriegt, dass bi uns z’erst dRömer do gsin sin. Dert in Dinglinge isch e Bruck gsin, wo’s über d Schutter gange isch, un e Wirtshus zum Übernachte un Vespere un wo mer d Pferd het wechsle könne. Un uf dere Landesgarteschau hän-si sogar e römisch’s Hus nochbaut".

"Aber Bue", sag ich, "des isch jo schu so lang her, mit denne hän mir hit doch nix meh z’schaffe." "Un des stimmt halt nit", bohrt de Jung witer, "Gener heiße selli Dinger, wo sich vererbe. In uns sin b’stimmt noch selli Römer-Gener drin von denne Wirtslit an de Schutter-Bruck, wo us Rom gsin sin." "Ha Bue, selli Wirtslit sin viellicht gar nit us Rom gsin. Schau dr mol des riesige römische Reich an, wenn alli us Rom däte gsin sin, dann ... Menschenskind, dann ... uf jede Fall hätt zum Beispiel e Franzos au e Römer sin könne." "Onkel, lenk jetz nit ab, sag mir jetz, wie sich d Römer us Dinglinge so vermehrt hän, dass dodrus e ganzi Stadt wore isch." "Bue", sag ich, "mit so schwierige Froge bin ich s’ganz Lebe lang nit konfrondiert wore. Aber probiere kann ich´s jo. Also bass uf: Selli Dinglinger Wirtslit sin viellicht us Pompeji gsin un sin abg’haue, will de Vesuv so g’fährlig qualmt het. Aber sie sin trotzdem Römer gsin, halt mol ang’numme. Un do het emol e Fuhrwerk an de Schutterbruck g’halte mit de Ur-Inwohner druf, mit Kelte. Un die hän keltisch g’schwätzt, nit römisch. Un die Dochter von denne Kelte het’m Sohn vom Römer-Wirt g’falle un si hän g’hirode. Un schu hän sich selli Gener vermischt. Verstehsch? D Kinder sin nur noch halbi Römer gsin. Handwerker hän um d Schutterbruck Holzhiiser baut, un schu isch e kleins Dörfli entstande, Dinglinge halt. Un e paar Johr später sin vom Norde d Alemanne komme un hän d Römer verjagd. E paar devun sin aber in Dinglinge hänge bliewe un hän sich wieder verhirotet. D’Gener sin vermischelt wore. Jetz sins Römer-Kelte-Alemanne gsin. Un will immer meh Alemanne komme sin, do het schließlig s Alemannisch alles anderi verdrängt. Im Alemannische sin noch viel römischi Wörter un viel keltischi, aber du Bue, du kannsch stolz druf sin, dass de Alemannisch schwätze kannsch. Hochditsch isch erst viel später komme."

"Onkel", sait do de Klein, "un wie sin us de Alemanne dann Ditschi Lohrer wore?" "Kerli", sag ich, "von Mann zu Mann, uf selli Frog mueß ich mich erst vorbereite. Loß mer drei Dag Zit, au e Onkel kann nit alles us-em Huet zaubere."

Gunther Lehmann (Jahrgang 1936) ist Lahrer Altstadtrat, Architekt im Ruhestand und ein bekennender Alemanne. Er hat Kolumnen und Bücher im Dialekt geschrieben. 2014 ist sein Buch "Erlebte Gschichtli un Erinnerunge" erschienen.