Die geräuschlosen Flugkünstler

Bettina Schaller

Von Bettina Schaller

Di, 29. August 2017

Lahr

Aus Anlass der Nacht der Fledermäuse hat der Naturschutzbund über das Leben und den Lebensraum der Säugetiere informiert.

LAHR. Bernd Ihle, Fledermausspezialist des Lahrer Naturschutzbunds, hat die europäische Nacht der Fledermäuse dazu genutzt, um Freunden der nachtaktiven Säugetiere das Leben und den Lebensraum der Fledermäuse näherzubringen. Anschließend ging es an den Hohbergsee, um den Jagdflug der faszinierenden Flugakrobaten zu beobachten.

Die Schönen der Nacht zu Gesicht zu bekommen, ist gar nicht so einfach. Bernd Ihle hat deshalb Fledermausdetektoren mitgebracht, die signalisieren, dass ein Abendsegler im Anflug ist. Laute im Ultraschallbereich senden die Flugakrobaten durch Mund oder Nase aus, wenn sie auf Beutefang sind. Für den Menschen macht der Frequenzverstärker diese Laute hörbar. Doch bis es auf den Beobachtungsposten am Hohbergsee geht, gibt es vom Fledermausspezialisten erst einmal die Theorie. Dabei ging es auch um folgende Fragen: Was sind Fledermäuse? Wie leben sie und warum sind sie gefährdet?

Fledermäuse bleiben dem Menschen wegen ihrer nächtlichen Lebensweise eher verborgen. Ihr geräuschloser Flug und ihre Fähigkeit, sich bei Dunkelheit zu orientieren, haben die kleinen Flugkünstler mit Dämonen und Zauberei in Verbindung gebracht. "Unsere Fledermäuse saugen aber kein Blut", betont Bernd Ihle. Die fliegenden Säugetiere seien Insektenfresser und haben mehr mit dem Menschen gemeinsam als mit einer Maus. Splitterfasernackt kommen sie auf die Welt, werden von ihren Müttern gesäugt und nur abgenommen und abgelegt, wenn die Mamas die Wochenstubenquartiere – wo Fledermausmütter mit ihrem Nachwuchs leben – zum Jagdflug verlassen müssen. Bei Regen allerdings gehen sie nicht auf die Jagd. Dann ist bei Jung- und Muttertieren eine Hungerkur angesagt.

In Baden-Württemberg gelten 23 Fledermausarten laut Ihle als heimisch, 30 europaweit und 700 weltweit. Während die Fledermäuse in der Region Insekten fressen, ernähren sich ihre Artgenossen in Spanien von Fischen, Vögeln und Amphibien. Je nachdem haben sie das Gewicht eines Zuckerwürfels, die größeren Tiere bis zu 60 Gramm. Heimische Fledermäuse haben spitze scharfe Zähne, um die Chininpanzer der Insekten knacken zu können. Der Fledermausspezialist warnte vor dem Biss einer Fledermaus, denn die Tiere könnten Tollwut übertragen. Deshalb werden beim Säubern der Fledermauskästen Lederhandschuhe getragen.

Ab September suchen die Fledermäuse ihre Winterquartiere auf, die sie erst im März wieder verlassen. Und wo schlafen sie? In Frage kommen Bergwerke, dicke Bäume, große Keller, Dachböden oder Kirchtürme. "Hauptsache feucht und frostfrei", erklärt Ihle. Fledermäuse bekommen ein Junges, im Ausnahmefall zwei. Die Laute, die die kleinen Säugetiere von sich geben, kann man durchaus hören. "Wenn 300 Fledermausmuttertiere und ihre Jungen die Wochenstube bezogen haben, kann es ganz schön laut zugehen", so Ihle.

Der Fledermausspezialist werde häufig von Menschen gerufen, bei denen sich Fledermäuse eingenistet haben. Trockene, glänzende kleine Kotkügelchen, die wie Asche zerstauben, seien ein sicheres Zeichen dafür. Was kann man tun, wenn man eine Fledermaus findet? "Die Fledermaus in der Nähe des Quartiers absetzen und schauen, ob die Mutter den Nachwuchs abholt", rät Ihle. Was man sonst noch für Fledermäuse tun könne? Einen Garten anlegen und dabei darauf achten, dass die Pflanzen Insekten anlocken, die zur Lieblingsspeise der Nachtjäger gehören. Zudem könne man ein fledermausfreundliches Haus schaffen. Denn die heimischen Fledermäuse leiden an Wohnungsnot.

Weitere Infos unter http://www.nabu-lahr.de