Dorothee Fleck

Diese Frau aus Steinen hat Afrika auf dem Fahrrad umrundet – alleine

Babette Staiger

Von Babette Staiger

Fr, 05. Oktober 2018 um 11:30 Uhr

Steinen

Mehr als zwei Jahre lang war Dorothee Fleck mit dem Fahrrad unterwegs. Über ihre Afrika-Umrundung hat sie nun ein Buch geschrieben.

Zwei Weltreisen und jetzt eine gut zweijährige Afrikaumrundung hat die Ex-Steinenerin Dorothee Fleck geschafft. Ihr neues Buch zur Kontinenterkundung auf dem Drahtesel wird am 10. Oktober erscheinen, im November stellt Fleck es in Steinen vor. Mittlerweile lebt die Radreisende in Lahr.

Unabhängigkeit

Zu reisen, das ist für die 55-Jährige kein Privileg, mit dem man im gutbürgerlichen Freundeskreis ein bisschen angeben kann. Unterwegs zu sein auf dem Fahrrad, das ist eine Lebensweise, die sie seit gut zehn Jahren einfach angenommen hat. Kindheit und Jugend verbrachte Fleck mit drei Geschwistern bei Stuttgart. "Es gab kein Zweitauto für meine Mutter", illlustriert sie diese Zeit. Ergo: Das Rad war das Vehikel zur Unabhängigkeit. Eine interessante Karriere hat sie zudem hingelegt: Ein Lehramtsstudium in den Fächern Mathematik und Musik. Der Studienwechsel zur Informatik bescherte Fleck einige interessante Jobs im Bereich Informations-Projektmanagement, in Kehl, Straßburg und bei einem großen internationalen Pharmakonzern in Basel. Damals lebte Fleck viele Jahre in Steinen – zur Arbeit ging es regelmäßig mit dem Rad. "Ich hatte aber für das Wesentliche keine Zeit", sagt sie zu dieser Karriere, auf die manche eher neidisch wären. Gut verdient habe sie zwar, aber die 17 Kilometer zur Arbeitsstelle per Rad und die langen Radurlaube, die sie "Auszeiten" nennt, reichten ihr wohl nicht. Ihr war immer klar: Es gibt kein richtiges Leben außer auf dem Fahrradsattel. Inzwischen ist sie von ihrer Afrikaumrundung zurück und wirkt wie eine Sonntagsausflüglerin in Funktionskleidung. "Ich bin zurück in einem Land, in dem Finanzbeamte kaum glauben können, mit wie wenig Geld und Gütern ich auskommen kann", sagt sie und erklärt, wie irreal es anmutet, nach jahrelangem Nomadenleben in unsere sogenannte Normalität zurückzukehren.

Widersprüche

"In afrikanischen Städten und Dörfern ist es meistens immer laut. Die Menschen sind ständig aktiv, und Privatsphäre hat für sie eigentlich kaum Bedeutung", erzählt sie. Trotzdem: Nach einem Radurlaub auf Madagaskar wollte sie sich den ganzen Kontinent anschauen. Und sich vielleicht auch beweisen, dass das geht, auf dem Fahrrad, allein, als Frau. Das sind denn auch die Stichworte ihres Buchtitels: "Als Frau alleine mit dem Fahrrad rund um Afrika". Schnörkellos das Adjektiv, das zu Flecks Auftreten, zu ihrem Gesprächs- wie auch zu ihrem Schreibstil in ihrem Blog passt. Ihre logbuchartigen Einträge lassen immer wieder durchscheinen, was sie an diesem Kontinent fasziniert: Im Königreich Lesotho begegnet sie einem jungen Mann, der beschlossen hat, eine Fahrradwerkstatt für Kinder zu eröffnen. Ein Streetworker ohne Mandat, der den Kindern beim Fahrradschrauben wichtige Werte vermittelt. Es gebe eben auch dieses Afrika, mit gastfreundlichen und solidarischen Menschen in den Dorfgemeinschaften. "Da sind sie eigentlich auch gut aufgehoben", meint Fleck. Der Kontinent stehe für sie deshalb vor allem für menschliche Wärme. Andererseits gebe es gerade in den Städten und Dörfern viel Schmutz, kaum Infrastruktur und viel Korruption.

Fragwürdiges  Paradies

"Deutschland ist in der Vorstellung der Menschen in Afrika schlicht das Paradies." Für Fleck ein tragisches Missverständnis, das Schlepper, aber auch die Familien nicht auflösen wollen. Meist legen alle zusammen, damit einer ihrer jungen Männer auswandern kann. Einem solchen Auswanderer sei sie im Sudan in dessen Familie begegnet. Sozusagen auf Heimaturlaub, hätten ihn die jungen Leute im Dorf regelrecht gefeiert. "Als er dann aber seine Freundin aus Leipzig am Telefon gehabt hat, ist er sehr ernst geworden", sagt sie. Er sei in Deutschland nicht glücklich, habe er Fleck gestanden, aber das könne er seinen Leuten einfach nicht erzählen. In Deutschland fehle es an menschlicher Wärme. Das sei wohl der größte Unterschied zu Afrika, meint sie. "Und damit werden viele Auswanderer auch nicht fertig." 

Absteigen

Ob Dorothee Fleck sich jetzt nicht auch erst wieder mit ihrer Heimat anfreunden muss? Die Frage lässt sie offen. "Nach einer Weile will man halt auch ein Zuhause, die eigenen vier Wände, und nicht nur ein Zimmer, wo man seine Sachen jahrelang unterstellt", gibt sie zu. Gleichzeitig spricht Fleck immer wieder von der unglaublichen Freiheit, die ihr der reisende Lebensstil ermöglicht. Wie kann ein richtiges Leben also ohne Fahrrad, im etwas unterkühlten Deutschland für Dorothee Fleck aussehen? Dafür zu sorgen, dass ihre Welt- und Lebenserfahrung hier auf fruchtbaren Boden fällt, wird vielleicht eine Herausforderung sein, die sich nicht in gefahrenen Kilometern messen lässt.
Termin

Dorothee Fleck wird ihr neues Buch am Freitag, 9. November 2018, 20 Uhr, in der Aula des Meret-Oppenheim-Schulzentrums in Steinen vorstellen.
Das Buch gibt es im Internet : dorothee-fleck.com; sowie https://womenscyclingguide.com