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04. August 2017

Drei Seiten sprechen eine gemeinsame Sprache

Die Hilfsgemeinschaft für Menschen in psychischer Not bringt Betroffene, Betreuer und andere Bürger zusammen.

  1. M. Goetz-Kluth Foto: Fössel

LAHR. Der Verein Hilfsgemeinschaft für Menschen in psychischer Not Lahr, Die Brücke, macht seit seiner Gründung 1994 genau das, was der Name verspricht: Brücken bauen. Zwischen Menschen in psychischen Notlagen, ihren Angehörigen, professionell Tätigen und Bürgern, die sich für das Wohl ihrer Mitmenschen engagieren.

"Die Idee für den Verein entstand damals aus einem Mangel heraus", erklärt Initiator und Gründungsmitglied Michael Goetz-Kluth von der sozialpsychologischen Beratungsstelle. "Es hat damals ein wichtiger Baustein für eine umfassende psychologische Betreuung gefehlt: eine Tagesstätte." Da keiner der infrage kommenden großen Träger Interesse am Aufbau einer solchen Tagesstätte hatte, machte es sich Die Brücke zum Ziel, diese Versorgungslücke zu schließen. Das gelang: Eine Tagesstätte wurde aufgebaut, ausschließlich aus Spenden finanziert. Erst im Jahr 2000, als eine Finanzierung für Tagesstätten vom Land Baden-Württemberg eingeführt wurde, übernahm der Caritasverband die Führung der Tagesstätte, die bis heute besteht. Für den Verein war das kein Nachteil, so konnte er sich in den folgenden Jahren mehr seinen weiteren Schwerpunkten zuwenden, sagt Goetz-Kluth, nämlich Förderung und Entwicklung von Selbsthilfeprojekten und Öffentlichkeitsarbeit. "Eines unserer Ziel war, Betroffene und Angehörige mehr mit ins Boot zu holen, sodass die Betroffenen nicht mehr nur Patienten sind, sondern mitgestalten können."

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Vor diesem Hintergrund gründete sich das Trialogische Forum, das einen Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe zwischen Betroffenen, Angehörigen und Professionellen bietet. "Das war damals ein ganz neuer Ansatz, ein Konzept, das ich vom sozialpsychologischen Weltkongress mitgebracht hatte. Es hat mich sehr beeindruckt und tut dies heute noch." Gerade das Selbstwertgefühl der Betroffenen profitiere vom Trialog, viele fühlten sich zum ersten Mal wirklich wahr- und ernstgenommen, und das gegenseitige Verständnis wachse. "Man entwickelt sozusagen eine gemeinsame Sprache."

Diese Forum findet jeden ersten Montag im Monat statt und ist offen für Alle. Die Themen, die diskutiert werden, werden jedes Mal neu von den Teilnehmern bestimmt. Das inzwischen größte Projekt und Aushängeschild der Brücke ist jedoch das Atelier. Das Atelier ist kein kunsttherapeutisches Angebot, sondern ein offenes Atelier, in dem sich die Akteure selbst organisieren und frei entfalten können. Seit 2004 besteht dieses Angebot. Inzwischen ist es für viele zu einem festen Treffpunkt geworden. Langjährige Freundschaften sind daraus entstanden. Auch die Ergebnisse können sich sehen lassen: Sie schmücken die Wände der sozialpsychologischen Beratungsstelle, bringen das bunte Leben in die Beratungszimmer und sind auch immer wieder auf Ausstellungen zu bewundern.

"Wichtig ist aber auch die Bürgerhilfe", sagt Michael Goetz-Kluth. Der Verein versuche kontinuierlich, Ehrenamtliche zu gewinnen, die bereit sind, langfristig psychiatrisch erkrankte Menschen im Alltag zu begleiten. "Das ist ein wichtiges Projekt, und es entwickeln sich immer wieder tolle Beziehungen. In diesem Bereich herrscht viel Bedarf, da sind wir immer auf der Suche nach Unterstützung." Gerade der Kontakt zu "normalen" Menschen, also Menschen, die nicht von der professionellen sozialpsychologischen Betreuung kommen, sei immens wichtig für die Betroffenen. "Das ist genau das, was bei unserem Verein im Vordergrund stehen soll: Die menschliche Begegnung", sagt Michael Goetz-Kluth.

Info: Die Brücke, Hilfsgemeinschaft für Menschen in psychischer Not Lahr. Ca. 80 Mitglieder. Kontakt: michael.goetz-kluth@ortenaukreis.de oder unter

http://www.diebruecke-lahr.de

Autor: Hannah Fedricks Zelaya