"Eine gewisse emotionale Zurückhaltung ist hilfreich"

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Mi, 17. Januar 2018

Lahr

BZ-INTERVIEW mit Rolf Huhn, der mit der Fabel vom kleinen Knoti ein Buch (nicht nur) für seine beiden Pflegekinder geschrieben hat.

LAHR. "Die Fabel vom kleinen Knoti" heißt das Kinderbuch, das Rolf Huhn für seine beiden Pflegekinder Pascal und Ronja geschrieben hat. Ende 2017 ist das Buch erschienen. Unsere Mitarbeiterin Juliana Eiland-Jung fragte nach, warum der Maschinenbautechniker zum Kinderbuchautor wurde.

BZ: Herr Huhn, gibt es nicht genügend Bücher, in denen Pflegekinder ihre Lebenswelt widergespiegelt finden?

Huhn: Bei den Bilderbüchern gab es einiges. Doch dann kam unser Sohn Pascal in die Schule und wollte selbst lesen. Und da fand ich dann kaum noch Geschichten, die seine Erfahrung als Pflegekind widerspiegeln. Am besten ist mir davon noch der Findefuchs von Irina Korschunow in Erinnerung, ein wirklich tolles Buch.

BZ: Aber es gibt doch so viele Bücher über das Thema. Was hat Ihnen an denen nicht gefallen?

Huhn: Es gibt viele Sachbücher oder solche, die das ganze Thema sehr problematisieren. Ich wollte aber ein Buch, das sich als leichte Lektüre eignet, das nicht erklärt, sondern die Kinder anregt, sich diese besondere Familienform selbst zu erarbeiten. Dazu können sie dann das Gespräch mit den Eltern suchen, aber sie müssen es nicht. Und sie können im eigenen Tempo mit der Geschichte umgehen und bekommen nicht gleich Erklärungen mitgeliefert.

BZ: Wie stark sind ihre Erfahrungen als Pflegevater in das Buch eingeflossen?

Huhn: Das, was ich mir in den Jahren vorher erarbeitet habe im Umgang mit unseren Kindern und ihren Herkunftsfamilien war es ja gerade, was ich auch den Kindern näherbringen wollte. Dass eine gewisse emotionale Zurückhaltung in diesem sensiblen Feld dafür sorgt, die schwierigen Begegnungen zu für alle Seiten stressfreien Momenten zu machen. Ich gebe zu, dass das ein ungewöhnlicher Ansatz ist, der auch nicht unbedingt der Lehrmeinung entspricht. Aber bei uns funktioniert es, und an dieser Erfahrung wollte ich andere teilhaben lassen: Die Erwachsenen mit Vorträgen bei Pflegeelternkursen, die Kinder mit dem Buch.

BZ: Was ist das Besondere an Ihrem Ansatz?

Huhn: Es ist vor allem für die Mütter oft emotional schwer, den Kontakt zwischen Herkunfts- und Pflegefamilie zu pflegen. Und für die Kinder ist es auch nicht leicht, den leiblichen Eltern zu begegnen. Für uns geht es darum, ihnen dabei zu helfen, ihren eigenen Weg und ihre eigene Sicht auf diese außergewöhnliche Familie finden zu lassen. Ich habe gemerkt, dass es guttut, das alles möglichst sachlich anzugehen, ohne große Vor- und Nachbereitung, ohne zu viel zu erwarten – von keiner Seite. Wir treffen uns mittlerweile mit den jeweiligen Herkunftseltern unserer Kinder auf eigene Absprache ohne Mitwirkung des Jugendamts, aber immer auf neutralem Grund, auf einem Spielplatz oder im Café zum Beispiel. Und ich bin immer dabei, in Sicht- und Hörweite, aber mische mich nicht ein. Und so macht es Vater Dachs eben auch in der Geschichte.

BZ: Haben Sie einen Verlag für das Buch gesucht?

Huhn: Nein, ich hatte das Buch schon selbst in einer ganz einfachen Version für unsere Kinder gedruckt und wollte es dann möglichst einfach auch anderen Pflegefamilien zugänglich machen. Und ich hatte genaue Vorstellungen, was die Illustrationen betrifft, die ja jetzt von meiner Frau stammen. Insofern ist das Buch wirklich ein echtes Familienprojekt geworden.

Rolf Huhn: Die Fabel vom kleinen Knoti. Verlag tredition, 8,99 Euro. Erhältlich im Buchhandel. http://www.knoti-buch.de