Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

17. Mai 2013

Einen Tag ohne Fleisch

Stadt und Naturschutzbund starten den Veggietag an vier Schulen und weiteren Einrichtungen.

  1. Besonders im Herbst eine leckere vegetarische Alternative: eine Kürbissuppe. Foto: Fotolia/Kathleen Rekowski

  2. Foto: xy

LAHR. Im Laufe seines Lebens isst jeder Deutsche durchschnittlich 1094 Tiere – ohne Fische und Meereslebewesen. Jeder Lahrer vielleicht bald nicht mehr: Die Stadt hat jetzt das Projekt Veggietag gestartet. Künftig soll an einem Tag in der Woche rein vegetarisch gegessen werden. An der Aktion nehmen vier Pilotschulen sowie einige andere Lahrer Einrichtungen teil. Sie kennen fünf gute Gründe für den Fleischverzicht.

Was den Fleischkonsum angeht, ist sich Bürgermeister Guido Schöneboom sicher, dass es so wie bisher nicht weiter gehen kann. "Wir gehen daran kaputt", so Schöneboom. Als sich im vergangenen Jahr eine Arbeitsgruppe des Lahrer Naturschutzbundes (Nabu) mit der Bitte um einen Veggietag an die Stadtverwaltung wandte, stieß sie auf offene Ohren. In einer Arbeitsgruppe wurde der Veggietag gemeinsam vorbereitet und nun in den Schulmensen der Schutterlindenbergschule, der Friedrichschule, der Otto-Hahn-Realschule sowie des Scheffelgymnasiums umgesetzt. Einmal in der Woche wird dort rein vegetarisch gegessen.

Der Veggietag ist keine Lahrer Erfindung. Die Initiative geht auf einen Appell des Vorsitzenden des Weltklimarats und des Ex-Beatles Paul McCartney zurück. Gemeinsam riefen sie 2009 weltweit dazu auf, zum Schutze des Klimas an einem Tag in der Woche fleischfrei zu essen. Deutschlandweit haben sich bisher mehr als 30 Städte und Landkreise, darunter auch Freiburg, sowie einige Großbetriebe der Aktion angeschlossen. In Lahr nehmen außer der Schulen auch das Hotel Restaurant Grüner Baum in Burgheim, das Gasthaus Zum Löwen in Ichenheim, die Mediathek, die Buchhandlung Schwab sowie die Volkshochschule teil – mit vegetarischen Gerichten, thematischen Buchpräsentationen oder Kochkursen.

Werbung


Gerhard Siefert vom Lahrer Nabu nennt fünf Hauptgründe, die den Veggietag nötig machten. Zuerst den Gesichtspunkt Klimaschutz und Ökologie: "Die Fleischproduktion und die damit einhergehende Feldernutzung ist für fast ein Fünftel der weltweiten Treibhaus-Emissionen verantwortlich", so Siefert. Durch den steigenden Futtermittelbedarf für die Tiere wurden allein in Südamerika in den vergangenen 40 Jahren rund 40 Prozent des Regenwaldes hauptsächlich der Tierwirtschaft geopfert. Auch erwähnt er den enormen Wasserverbrauch bei der Fleischerzeugung: Für die Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch werden rund 15 500 Liter Wasser benötigt.

Als nächsten Grund für den Veggietag nennt Siefert die Gesundheit. "Jeder Bundesbürger isst im Schnitt mehr als 1,2 Kilogramm Fleisch pro Woche, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hält maximal 300 bis 600 Gramm für empfehlenswert." Auch der Tierschutz spielt für viele Vegetarier eine wichtige Rolle. Siefert schneidet die Problematik mit Beispielen wie der Haltung auf engstem Raum oder der tausende Kilometer langen Transportwege der Tiere an. Weiter könnte mit der vegetarischen Ernährung gegen den Welthunger angegangen werden. "80 Prozent der hungernden Kinder leben in Ländern, die einen Nahrungsmittelüberschuss produzieren. Sie bleiben hungrig, denn das Getreide bekommen unsere Nutztiere", sagt Gerhard Siefert. Als letzten Grund führt er das vegetarische Essen als Genuss ein, das heute viel mehr als nur eine Beilage sei.

Diesen Punkt greift auch eine Schülerin des Scheffel-Gymnasiums auf. "Ich finde es wichtig, dass das vegetarische Essen in unserer Mensa auch nett präsentiert wird. Da darf es dann nicht nur Tofu-Burger und Soja-Würstchen geben." Schulsprecherin Nina Wiesler hält es für sinnvoll, auch im Unterricht auf den Veggietag einzugehen.

Die Stadt unter der Schirmherrschaft von Wolfgang G. Müller und ihre Projektpartner Nabu und Vegetarierbund möchten den Veggietag künftig auch auf die anderen Schulen in Lahr und den Stadtteilen, die Seniorenheime und Pflegeeinrichtungen, weitere Gaststätten und Restaurants sowie hiesige Firmenkantinen ausweiten.

VEGETARISCHER REZEPTVORSCHLAG: Gnocchi mit Tomaten und Ruccola (2 bis 3 Personen)

Zutaten: 500 g gekochte Kartoffeln, 150 g Mehl, 1 ganzes Ei, ½ Zwiebel ca. 60 g, 250 g Kirschtomaten, 125 g Ruccola, 1 Knoblauchzehe, Salz, Pfeffer und Olivenöl, frische Kräuter nach Belieben
Zubereitung: Die gekochten Kartoffeln durch die Kartoffelpresse drücken, anschließend mit Mehl und dem Ei zu einem Teig kneten. Den Teig dann in kleine Kügelchen formen. Ihre spezielle Form erhalten Gnocchi, wenn man die Kugeln zwischen zwei Gabeln formt. Danach werden sie in Salzwasser vier Minuten gekocht und in reichlich kaltem Wasser abgeschreckt. Die Zwiebeln und den Knoblauch in feine Würfel schneiden sowie die Kirschtomaten halbieren. Zwiebeln, Knoblauch und Tomaten im Olivenöl anbraten, möglichst die Gnocchi separat in Olivenöl leicht anbraten, damit eine leichte Bräunung entsteht. So erhalten sie noch Röstaromen. Anschließend die Zwiebeln, Knoblauch und Tomaten mit den gebratenen Gnocchi mischen und mit Salz, Pfeffer und Kräutern abschmecken. Zum Schluss den Ruccola dazugeben, vom Herd nehmen und die Gnocchi sind fertig. Als Beilage gibt es Salat.  

Autor: bz

Autor: Nikola Vogt