Einen Tag ohne Fleisch

Nikola Vogt

Von Nikola Vogt

Fr, 17. Mai 2013

Lahr

Stadt und Naturschutzbund starten den Veggietag an vier Schulen und weiteren Einrichtungen.

LAHR. Im Laufe seines Lebens isst jeder Deutsche durchschnittlich 1094 Tiere – ohne Fische und Meereslebewesen. Jeder Lahrer vielleicht bald nicht mehr: Die Stadt hat jetzt das Pr

ojekt Veggietag gestartet. Künftig soll an einem Tag in der Woche rein vegetarisch gegessen werden. An der Aktion nehmen vier Pilotschulen sowie einige andere Lahrer Einrichtungen teil. Sie kennen fünf gute Gründe für den Fleischverzicht.

Was den Fleischkonsum angeht, ist sich Bürgermeister Guido Schöneboom sicher, dass es so wie bisher nicht weiter gehen kann. "Wir gehen daran kaputt", so Schöneboom. Als sich im vergangenen Jahr eine Arbeitsgruppe des Lahrer Naturschutzbundes (Nabu) mit der Bitte um einen Veggietag an die Stadtverwaltung wandte, stieß sie auf offene Ohren. In einer Arbeitsgruppe wurde der Veggietag gemeinsam vorbereitet und nun in den Schulmensen der Schutterlindenbergschule, der Friedrichschule, der Otto-Hahn-Realschule sowie des Scheffelgymnasiums umgesetzt. Einmal in der Woche wird dort rein vegetarisch gegessen.

Der Veggietag ist keine Lahrer Erfindung. Die Initiative geht auf einen Appell des Vorsitzenden des Weltklimarats und des Ex-Beatles Paul McCartney zurück. Gemeinsam riefen sie 2009 weltweit dazu auf, zum Schutze des Klimas an einem Tag in der Woche fleischfrei zu essen. Deutschlandweit haben sich bisher mehr als 30 Städte und Landkreise, darunter auch Freiburg, sowie einige Großbetriebe der Aktion angeschlossen. In Lahr nehmen außer der Schulen auch das Hotel Restaurant Grüner Baum in Burgheim, das Gasthaus Zum Löwen in Ichenheim, die Mediathek, die Buchhandlung Schwab sowie die Volkshochschule teil – mit vegetarischen Gerichten, thematischen Buchpräsentationen oder Kochkursen.

Gerhard Siefert vom Lahrer Nabu nennt fünf Hauptgründe, die den Veggietag nötig machten. Zuerst den Gesichtspunkt Klimaschutz und Ökologie: "Die Fleischproduktion und die damit einhergehende Feldernutzung ist für fast ein Fünftel der weltweiten Treibhaus-Emissionen verantwortlich", so Siefert. Durch den steigenden Futtermittelbedarf für die Tiere wurden allein in Südamerika in den vergangenen 40 Jahren rund 40 Prozent des Regenwaldes hauptsächlich der Tierwirtschaft geopfert. Auch erwähnt er den enormen Wasserverbrauch bei der Fleischerzeugung: Für die Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch werden rund 15 500 Liter Wasser benötigt.

Als nächsten Grund für den Veggietag nennt Siefert die Gesundheit. "Jeder Bundesbürger isst im Schnitt mehr als 1,2 Kilogramm Fleisch pro Woche, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hält maximal 300 bis 600 Gramm für empfehlenswert." Auch der Tierschutz spielt für viele Vegetarier eine wichtige Rolle. Siefert schneidet die Problematik mit Beispielen wie der Haltung auf engstem Raum oder der tausende Kilometer langen Transportwege der Tiere an. Weiter könnte mit der vegetarischen Ernährung gegen den Welthunger angegangen werden. "80 Prozent der hungernden Kinder leben in Ländern, die einen Nahrungsmittelüberschuss produzieren. Sie bleiben hungrig, denn das Getreide bekommen unsere Nutztiere", sagt Gerhard Siefert. Als letzten Grund führt er das vegetarische Essen als Genuss ein, das heute viel mehr als nur eine Beilage sei.

Diesen Punkt greift auch eine Schülerin des Scheffel-Gymnasiums auf. "Ich finde es wichtig, dass das vegetarische Essen in unserer Mensa auch nett präsentiert wird. Da darf es dann nicht nur Tofu-Burger und Soja-Würstchen geben." Schulsprecherin Nina Wiesler hält es für sinnvoll, auch im Unterricht auf den Veggietag einzugehen.

Die Stadt unter der Schirmherrschaft von Wolfgang G. Müller und ihre Projektpartner Nabu und Vegetarierbund möchten den Veggietag künftig auch auf die anderen Schulen in Lahr und den Stadtteilen, die Seniorenheime und Pflegeeinrichtungen, weitere Gaststätten und Restaurants sowie hiesige Firmenkantinen ausweiten.