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01. August 2017

Gegrillt – nicht gekillt

Umweltschützer luden zu einem Sommerfest mit veganem Kuchen und Grillgut.

  1. Die vegane Schwarzwälder Kirschtorte kam beim Nabu-Sommerfest gut an. Foto: Heidi Fössel

LAHR. Vegane Kuchen und veganes Grillgut – Würste, Schnitzel, Burger – gab es beim Sommerfest auf dem Gelände des Naturschutzbundes Lahr (Nabu). Die Nabu-Arbeitsgruppe MTU (Mensch, Tier, Umwelt) und der Vegetarierbund (Vebu) Region Lahr/Ettenheim hatten zum Probieren eingeladen. Sie wollten überzeugen.

"Grillen ohne killen" nennt Vebu-Sprecherin Kathrin Louzy das Motto des Tages. Erklärtes Ziel dabei sei, weitere Menschen an die rein pflanzliche Lebensweise heranzuführen. Überzeugen könne dabei nur der Geschmack.

Darum war das Kuchenbuffet ausschließlich vegan bestückt. Die vegane Schwarzwälder Kirschtorte von Manfred Roll unterscheidet sich rein äußerlich nicht von der mit Ei und Sahne hergestellten Variante. Und geschmacklich? In der Tat überzeugend. Lediglich die Sahne ist mit einer Kuhmilchsahne nicht zu vergleichen. Wer Sprühsahne aber der selbst geschlagenen den Vorzug gibt, dürfte wohl kaum einen Unterschied merken.

Manfred Roll ist in der Runde als "Superkonditor" bekannt und gesteht, dass ihn die ersten Versucherle veganen Backwerks selbst nicht überzeugt hätten. Er habe sich herausgefordert gefühlt und experimentiert. Inzwischen seien seine Kuchen und Torten legendär.

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Am Tisch sitzen auch Vegetarier, denn der Vebu versteht sich als Interessenvertretung vegetarischer und vegan lebender Menschen in Deutschland. Mit dem Sommerfest wolle man der Meinung "vegan schmeckt nicht" entgegenwirken. "Das ist eine reine Kopfsache". Traditionelle Fleisch- und Wurstesser könnten eher durch vegane Würste, Schnitzel und Burger überzeugt werden – mit traditionellen Gewürzen.

Man könne allerdings nicht von heute auf morgen zum Veganer werden, erklärt Eda Siefert, die seit sechs Jahren vegan lebt – was nur Schritt für Schritt umzusetzen gewesen sei. Den Ausschlag habe eine Begegnung mit einer Kuh auf einer Weide gegeben. "Da kam der Viehhändler mit seinem Anhänger, hat das Kalb der Mutter weggenommen und die ist laut brüllend hinterher."

Volker Sasse hat seine Apfeltasche vom Bäcker mitgebracht. Er sei Vegetarierer. Für ihn ist es eine Sache der Verantwortung gegenüber der Umwelt, den Tieren und den Menschen, die nach ihm auf diesem Planeten leben wollen. Die Massentierhaltung bedeute körperliches und psychisches Leid für Milliarden fühlender und intelligenter Lebewesen – und verursache Umweltprobleme.

Und die Alternative? Tempeh aus fermentierten, gepressten ganzen Sojabohnen, Seitan aus Weizeneiweiß oder Mehl aus Lupinensamen seien neben dem klassischen Tofu Zutaten, aus denen die Alternativen hergestellt werden.

Am Tisch haben inzwischen auch Gäste platzgenommen, die das Schweine- oder Rindersteak der veganen Variante vorziehen. So entstand eine lebhafte Diskussion, ob mit dem Einkauf beim Bauern in der Region oder im Bioladen schon ein Schritt getan sei – und ob massenhafter Sojaanbau den Regenwäldern schade.

Das Sommerfest fördere die Gemeinschaft, sagt Louzy. "Früher erlebte man als Veganer, dass man Außenseiter ist". Inzwischen sei man in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Immerhin gebe es Koch- und Backkurse an der VHS, und Restaurants hätten sich auf Vegetarier und Veganer eingestellt.

Autor: Bettina Schaller