Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

09. Januar 2013

Gescannt, bezahlt, gekauft

Die Lahrer IT-Werke haben ein System entwickelt, mit dem per Scan Waren gekauft werden können.

  1. Alexander Misita (links) und Geschäftsführer Ulrich Kipper in ihrer Ideenwerkstatt. Foto: Michael Gilg

LAHR. Ladenöffnungszeiten spielen für manche Kunden schon länger keine Rolle mehr: Schließlich lassen sich Bücher, CD’s, Klamotten und selbst Lebensmittel mit ein paar Klicks im Internet auch an Sonntagen oder nach Ladenschluss problemlos bestellen. Es geht aber noch schneller – und dafür hat die Lahrer Firma IT-Werke gesorgt: Ein Smartphone und ein spezieller Code reichen aus. Ein Werkstattbesuch.

Eine Mischung aus Ungeduld und der Faszination für neue Technologien hat Ulrich Kipper vor dreizehn Jahren bewogen, die Firma IT-Werke zu gründen. "Mir konnte es, beispielsweise an der Supermarkt-Kasse, nie schnell genug gehen mit dem Bezahlen", erzählt der Geschäftsführer. Das war Antrieb genug für den Agraringenieur, Anwendungen für die biometrische Erkennung im Handel und im Sicherheitsbereich zu entwickeln. Kurz gesagt: Kipper hat es möglich gemacht, dass mittlerweile in Geschäften, vor allem in Supermärkten, auch einfach per Finger-Scan bezahlt werden kann. 2009 konnte die tausendste Installation dieses Systems gefeiert werden.

Werbung


Vom Alleinbetrieb ist die Firma auf 15 Personen angewachsen. "Vom Informatiker über IT-Systemkaufmänner oder Werbeleute ist hier alles dabei", lacht Kipper. In einer ehemaligen Kaufhaus-Lagerhalle im Galgenbergweg ist auf geräumigen 1200 Quadratmetern eine Ideenwerkstatt mit Erfolg entstanden. "Im Gegensatz zu vielen Start-Up-Unternehmen arbeiten wir profitabel und haben das Geld für die Entwicklung neuer Ideen selbst verdient", berichtet er.

Vor kurzem ist nun das neueste Produkt nach einem Jahr der Entwicklung in den Markt gegangen. "Natürlich haben wir weder das Smartphone noch die QR-Codes erfunden", sagt ein gut gelaunter Kipper zur Entstehung der Idee, "aber wir haben mit unserer Firma die beiden Technologien optimal verbunden."

"Mir konnte es nie

schnell genug gehen

mit dem Bezahlen."

Ulrich Kipper
Über 50 Prozent aller Kommunikationssystem-Nutzer verfügen mittlerweile über ein Smartphone, "und wir wollten dieses Potential auch für Bezahlvorgänge nutzen", ergänzt Vertriebsleiter Alexander Misita. Für alle Spontankäufer, aber auch für Händler, dürfte ihre Idee mit dem Namen "Go4Q" tatsächlich interessant sein: Der Kunde sieht etwas Schönes, scannt den Code und kann damit die Ware unmittelbar – unabhängig vom Wochentag oder der Uhrzeit – bestellen. Die Ware wird sofort vom Händler verschickt. Hinter jedem Code steht ein Produkt, ein Suchen auf Homepages fällt also weg.

Dem Handel ermöglicht das System, Waren und Dienstleistungen an jeder geeigneten physischen oder elektronischen Oberfläche, beispielsweise Plakaten oder Bildschirmen, anzubieten. Eine Registrierung zur Teilnahme am "Go4Q"-System ist für den Händler nötig, allerdings nicht mit Kosten verbunden. Und eine Vergütung für die Lahrer Firma fällt nur beim Verkauf eines Produktes an.

Etwaigen Sicherheitsbedenken tritt Kipper entschieden entgegen: "Für die Autorisierung der Transaktionen sorgt ein persönlicher Sicherheits-Code. Die Zahlungen werden garantiert." Bisher machen acht Firmen aus Gengenbach mit, vom Metzger über einen Kuckucksuhrenhersteller bis zum Geschenkeladen. "Im nächsten halben Jahr planen wir, dass 1000 Händler, möglichst weltweit, unsere Technik nutzen", wagt Kipper einen Ausblick in die Zukunft.

Da das System erst ab 18 Jahren freigegeben ist, bestünden keine Probleme mit dem Jugendschutz, so Kipper. Auch den Vorwurf, er würde zum bedenkenlosen Konsum verführen, da (fast) alles nur einen Scan entfernt ist, lässt er nicht gelten: "Ist das moralisch verwerflich? Ich denke nicht, denn alle Kunden sind schließlich erwachsen." Zudem glaubt er, dass seine technische Neuerung zwar ein "weiterer Distributionskanal" ist, dieser die persönliche Beratung in Geschäften aber nicht ersetzen wird. "Einen Anzug wird man eher nicht spontan im Internet kaufen."

Weitere Informationen, Login sowie Registrierung unter http://www.GO4Q.mobi Die IT-Werke sind unter http://www.it-werke.com zu finden.

Autor: Michael Gilg