Rüstungsgegner

Großes Lob für Lahr als Friedensstadt

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Mi, 23. Mai 2018 um 17:36 Uhr

Lahr

Der wohl prominenteste Rüstungsgegner Deutschlands, Jürgen Grässlin, war zu Gast, als der "Staffellauf für den Frieden" in Lahr Halt machte.

Zehn Läufer waren die Halbmarathonetappe von Kenzingen nach Lahr gejoggt. Andere Etappen der 1100 Kilometer langen Strecke von Oberndorf nach Berlin sind wesentlich kürzer und werden gehend zurückgelegt, es gibt aber auch eine Marathondistanz im Laufplan. Ziel ist es, medienwirksam gegen "legale und illegale Rüstungsexporte aus Deutschland" (Grässlin) aufmerksam zu machen. In Lahr hatte das Friedensforum um Klaus Schramm im Salsa-Keller des Gasthaus Zarko ein Konzert mit der HipHop-Formation Zweierpasch organisiert. Jürgen Grässlin freute sich darüber, dass nicht nur mit Reden, sondern mit Musik und guter Laune für den Frieden geworben wurde. Er erinnerte daran, dass Lahr in den 1990er Jahren durch den Hippenstiel-Imhausen-Skandal um Giftgasexporte nach Libyen bekannt geworden war, und an die Geschichte als Garnisonsstadt.

Mittlerweile sei Lahr bekannt als die Stadt, in der nicht nur die Konversion der militärisch genutzten Flächen gelungen sei, sondern auch als Stadt, in der durch öffentlichen Protest die Stimmung im Gemeinderat gedreht und die Ansiedlung der Munitionsfabrik Saltech verhindert worden sei. "Bei jedem meiner rund 180 Vorträge im Jahr nenne ich Lahr als positives Beispiel, um anderen Mut zu machen, dass Friedensaktivisten etwas bewegen können", berichtete Grässlin. Zuvor hatte er die zeitgleich in einem TV-Politmagazin ausgestrahlten Bestechungsvorwürfe an die Rüstungsfirma Heckler & Koch aus Oberndorf zusammengefasst.

Als Standort zweier großer Rüstungsfirmen bezeichnete Grässlin Oberndorf als "tödlichste Stadt Europas", die deshalb als Ausgangspunkt für den Friedens-Staffellauf gewählt worden war. Berlin als Zielort sei nicht nur als Regierungssitz ausgewählt worden, sondern vor allem auch, weil dort der Bundessicherheitsrat tagt. Grässlin kritisierte die Organisation als Sprecher der Deutschen Friedensgesellschaft hart dafür, dass diese statt nur in gesetzlich vorgesehenen Ausnahmefällen regelmäßig Waffenexporte in Drittstaaten außerhalb von der Europäischen Union und der Nato genehmigt.

Auf dem Lahrer Marktplatz hatten rund 40 Menschen, darunter der Erste Bürgermeister Guido Schöneboom, die etwas verspätet eintreffenden Friedensläufer aus Kenzingen erwartet. Zur Abendveranstaltung waren dann 70 Gäste gekommen, viele davon in politischen oder kirchlichen Friedensinitiativen engagiert. "Zweierpasch" lieferte mit prägnanten Texten – unter anderem zum Zusammenhang zwischen Waffenhandel und Fluchtursachen – und mitreißenden Rhythmen auf kleiner Bühne eine große Show ab. Mit Gastbeiträgen von Warrior Singhateh aus Gambia, Lucky Evans aus Nigeria, dem jungen Lahrer Sänger Engracio Jr. Villaver und dem Offenburger Rapper DriveBy wurde ein ganz breites Spektrum an politisch engagierter Musikkultur der Region aufgeboten.
Weitere Informationen unterwww.frieden-geht.de und unter www.friedensforum-lahr.de