Heilung für Händels Fernweh

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Fr, 24. März 2017

Lahr

Bernd Ruf fliegt mit der Philharmonie Baden-Baden gen Osten.

LAHR. Als einen "Coup" bezeichnete der Crossover-Spezialist Bernd Ruf am Mittwochabend in der Lahrer Stadthalle das Engagement der Band Masaa als Ersatz für das Duo Irit Dekel und Eldad Zitrin, das ursprünglich für das Konzert mit der Philharmonie Baden-Baden angekündigt war. Stattdessen stand nun "Händel in Arabia" auf dem Programm. Die Idee – Rufs Lebensthema, wenn man so will – blieb aber die gleiche: Klassische Musik, Jazz und Weltmusik sind bei ihm keine Gegensätze, sondern ergänzen sich zu einem Klangkosmos, der Kulturen verbindet.

Viele der Stücke in dem gut zweistündigen Konzert waren eigens und kurzfristig von Fabian Jooste und Benjamin Köthe arrangiert worden für diese – nach bisherigem Stand – einmalige Aufführung. Bernd Rufs "Coup" bestand allerdings nicht nur darin, die junge Band als Ersatz bekommen und mit ihnen ein gemeinsames Konzertprogramm entwickelt zu haben, sondern auch darin, dem Sinfoniekonzert-Publikum arabische Harmonien und modernen Jazz nähergebracht zu haben.

Mit der Klezmer-Komposition "Addum Enied" von Ilja Ruf war ein leichter Einstieg gegeben, und Bernd Rufs lockere Moderationen sorgten dafür, dass die entspannte Stimmung den ganzen Abend über erhalten blieb, obwohl man merken konnte, dass das Orchester auch nach langjähriger Zusammenarbeit mit Rufs unkonventionellen Ideenreichtum, seiner Experimentierfreude und den druckfrischen Noten durchaus mal zu kämpfen hatte. Andererseits war hör- und sichtbar, wie sich der improvisatorische Zugang von Masaa auf das Orchester auswirkte, und wie sehr die Musiker dieser Formation das ungewohnte Zusammenspiel mit dem großen sinfonischen Orchester genossen. So bekamen einige Arien aus den orientalisch anklingenden Händel-Opern "Xerxes" und "Julius Cäsar in Ägypten" original orientalische Klänge verpasst, und die atmosphärischen Kompositionen von Masaa wirkten mit gediegener Streicher-Unterstützung zuweilen regelrecht klassisch.

Besonders faszinierten die Überblendungen, die unter anderem in den Duetten von Mezzosopranistin Anke Sieloff und dem herausragend agierenden Masaa-Sänger Rabih Lahoud geradezu zelebriert wurden. Bernd Ruf leitet das Orchester tänzerisch, mit sichtlicher Freude am Projekt. Marcus Rust, der an der Trompete und vor allem am Flügelhorn brillierte, zeichnete auch für einige der Kompositionen verantwortlich. Vor etwa einem Jahr hatte er in Lahr mit dem Duo Zia in der Kirche St. Peter und Paul das Publikum bereits begeistert – ein Klang und eine Herangehensweise an Musik mit hohem Wiedererkennungswert. Pianist Clemens Pötzsch und Schlagzeuger Demian Kappenstein waren genauso innovativ und universalverständlich in ihrer Klangsprache. Händel pur gab es an diesem Abend nur ganz selten zu hören. Sogar in den sehr flott gespielten Klassik-Hit "Königin von Saba" schmuggelte Bernd Ruf eine orientalische Darbuka als Rhythmusgeber ein. Klassik? Jazz? Weltmusik? Eigentlich egal. Großer Applaus und eine begeisternde Zugabe.