Hohe Qualität, weniger Einsendungen

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Mi, 18. Oktober 2017

Lahr

Die Preise des Mundartwettbewerbs Lahrer Murre 2017 sind am Montagabend in der Mediathek überreicht worden.

LAHR. Hohe Qualität der Texte, aber etwas weniger Einsendungen als in den Vorjahren, das ist die Bilanz des Mundartwettbewerbes Lahrer Murre 2017. Am Montagabend hat Bürgermeister Guido Schöneboom als Schirmherr des Wettbewerbs die Preise im voll besetzten Zeitschriftensaal der Mediathek überreicht. Musikalisch passend umrahmt wurde die Preisverleihung von Trompeter und Mundart-Orginial Helmut Dold.

Stefan Pflaum, der mit Ludwig Hillenbrand und Ulrike Derndinger in der Jury die Einsendungen begutachtet hatte, lobte die Qualität der Texte, die wie im Fall von Simone Schneider bewiesen, "dass große Literatur auch in der Mundart möglich ist". Schneider wurde für ihren kurzen Prosatext "Nochberi" (Nachbarin) ausgezeichnet, in dem sie mit "großer Beobachtungsschärfe, hoher Beschreibungsdichte, Sparsamkeit und Genauigkeit" ein altes Fräulein porträtiert. Schneider war bereits 2013 mit einem zweiten Preis in der Kategorie Lyrik ausgezeichnet worden. Genau, wie Stefan Pflaum es angekündigt hatte, stellten sich bei den Zuhörern sofort Bilder im Kopf ein, als Simone Schneider ihren Text las: Man sieht sie regelrecht vor sich, die kleine, alte Frau, die aus einer einzigen Kartoffel einen "Erdäpfelsalat" für sich macht, und die vielleicht ärmlich, aber keineswegs armselig zusammen mit dem Wellensittich Hansi in ihrem winzigen Häuschen am Ende der Straße lebt.

Das Publikum konnte unschwer nachvollziehen, warum die Jury ob dieses Textes so ins Schwärmen geraten war, und auch beim ersten Preis für die Lyrik war klar: Dieses Gedicht von Beate Reiner über den "Schnee vu geschtern", den es in Reiners Wohnort Furtwangen trotz Klimaerwärmung immer noch gibt, ist etwas Besonderes. Laudator Stefan Pflaum zeigte sich begeistert vor allem von der Rhythmik des Textes und brachte dies mit einer nur auf die Silbe "da" reduzierten Gedichtlesung dem Publikum näher.

Bei den zweiten Preisen lobte Ludwig Hillenbrand Wendelinus Wurths Vater-Sohn-Geschichte "Wasserschess", bei der es vordergründig darum geht, dass der 85-jährige Vater den auch nicht mehr ganz so jungen Sohn "iibschtellt" hat, um nach seinen Anweisungen einen Kirschbaum zu schneiden, bei dem unter anderem zahlreiche Wasserschößlinge zu entfernen sind. Doch der Text ist kein Baumschnittkurs, sondern eine fein austarierte psychologische Studie über das Verhältnis von Jung und Alt. Mit Anita Vogels lautmalerischem Gedicht "Mummelsee" war in diesem Jahr auch wieder ein dezidiert sozialkritischer Text prämiert worden. Mit großer Freude an den tiefen Vokalen schafft Vogel ein humoristisches Sittengemälde des Kommerztrubels um Bollenhut, Schwarzwälder Kirsch und Kitsch, so Laudatorin Ulrike Derndinger.

Einen Sonderpreis hat die Jury dem elfjährigen Moritz Müller aus Oberkirch zuerkannt, der lässig wie ein Großer seinen Text über die Reparatur eines Brunnens in schönstem Alemannisch vortrug. Zusammen mit seinem "Baba" und dem "Oba" (Vater und Großvater) galt es, ein verrostetes Rohr zu ersetzen. Dass die "Brunnenmütterle" (Molche), die auf dem Grund des Brunnens leben, ein Hinweis auf die Qualität des Wassers seien, hat der junge Autor dabei gelernt, und das Erlebnis in einem kurzen Prosatext festgehalten. Dafür gab es viel Lob von allen Seiten und einen Fahrradcomputer.