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10. Oktober 2017

Leserbriefe

  1. Schildkröte macht einen Spaziergang. Foto: dpa

LANGSAMER BEGLEITER
Tiere sind Lebewesen wie wir
Zur Schildkröten-Glosse im "Urteilsplatz"am Samstag, 7. Oktober:

Ihr Artikel mag ja sprachlich ganz witzig daherkommen. Inhaltlich stellt er jedoch eine Beleidigung für alle verantwortungsbewussten Tierhalter/innen dar, die größtenteils sehr wohl darauf achten, dass eben kein Tierkot auf öffentlichen Flächen herumliegt, dass keine Menschen vor Tieren davonlaufen müssen, dass in Kitas, Schulen und Pflegeheimen der sozial überaus förderliche Besuch von Streichel-Tieren durchgeführt werden kann, dass verwahrloste und misshandelte Tiere im Tierheim Lahr einen Platz finden können.

Hundekot muss vom Tierhalter entfernt werden, die Einrichtung einer empfindlichen Geldstrafe bei Missachtung dieser Regel halte ich für sehr sinnvoll. Überall im Stadtgebiet hängen hierfür Tütenhalter. Hunde müssen im Stadtgebiet an der Leine geführt werden, auch dies ist eine sehr gute Regelung von Seiten der Stadt Lahr. So kann es nicht geschehen, dass ein Tier auf einen Menschen, egal welchen Alters, einfach "losgeht", der Halter hat es ja per Leine unter Kontrolle.

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Das Fehlverhalten eines Tieres geht stets vom vorherigen Fehlverhalten seines Menschen aus. Ängstlichen Kindern wird zudem leider nicht mehr beigebracht, mit – egal welchen – Tieren verantwortungsvoll und einfühlend umzugehen, dies ist ein Fehlverhalten der Eltern. Hier gilt es, aufzuklären und zu bilden. Eine Glosse hilft hier keinesfalls weiter.

Tiere sind Lebewesen wie wir, sie haben wie wir ein Recht, auf dieser Welt zu leben. Der Mensch hat die tierischen Lebensräume durch seine maßlose Ausbreitung und Landschaftsausbeutung verdorben, hat Tiere "domestiziert", ernährt sich von ihnen, hält sie in Massen, führt nach wie vor grausame Experimente an ihnen durch, rottet sie aus, verniedlicht und verhätschelt sie und so weiter. Sämtliche Missstände, die durch unsere Tierhaltung entstanden sind, hat alleine der Mensch zu verantworten. Leider ist dies immer noch ein Tabuthema.

Erlauben Sie mir an dieser Stelle eine persönliche Frage: Wie sieht Ihr eigener ökologischer Fußabdruck aus? Wie viel Kot haben Sie schon per Wasserspülung in der Kanalisation verschwinden lassen, wie oft haben Sie heimlich an eine Hausecke gepinkelt, an der tagsüber Kinder spielen, wie oft fahren Sie Auto und pusten Abgase in unsere Luft, und wie sieht’s mit Ihrem restlichen Konsumverhalten? Fleischesser? Lederklamotten? Oder waren Sie vielleicht auch nur ein einziges Mal ehrenamtlich in einem Pflegeheim, um alten, hilfsbedürftigen Menschen mittels eines streichelfreundlichen Haustiers ein bisschen Freude zu bereiten? Was bringen Sie Ihren (zukünftigen?) Kindern bei: Angst vor Hund und Katz, Tauben verjagen, überfahren und zertreten, und dafür lieber zu Weihnachten eine Schildkröte geschenkt bekommen, die kann man ja bei Bedarf im Kühlschrank entsorgen und muss keinerlei Verantwortung für die Haltung dieses Tiers übernehmen? Arme Schildkröte.

Viola de Galgóczy

Autor: Viola de Galgóczy