"Mit Mädchen im Internat fing es an"

ej

Von ej

Mi, 15. Februar 2012

Lahr

BZ-INTERVIEW mit den beiden dienstältesten Lehrern, Reiner Anstett und Günter Ringwald, über 100 Jahre CSG-Gebäude .

LAHR. Sie sind die beiden dienstältesten Lehrer am Clara-Schumann-Gymnasium: Seit über 30 Jahren unterrichtet Reiner Anstett Musik und Französisch, Günter Ringwald Mathematik, Physik und Astronomie an Lahrs kleinstem Gymnasium, dessen Gebäude in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiert. Unserer Mitarbeiterin Juliana Eiland-Jung erzählten die beiden Pädagogen, wie sehr sich das CSG im Laufe ihres Berufslebens verändert hat.

BZ: Wann genau haben Sie beide im CSG angefangen?

Anstett: Bei mir war es September 1980, aber da es am CSG kein volles Deputat für mich gab, war ich noch mit einigen Stunden an das Max-Planck-Gymnasium und später an das Scheffel-Gymnasium abgeordnet. Und Rektor Kasper warnte mich auch gleich, dass meine Stelle nicht sicher sei am damaligen Aufbaugymnasium, weil das Land über die Schließung nachdenke.

Ringwald: Ich bin im Januar 1981 an das Clara-Schumann-Gymnasium gekommen. Den Hauptteil meines Deputats unterrichtete ich am Max-Planck-Gymnasium, ich hatte zunächst nur eine Klasse am CSG. Im folgenden Sommer wechselte ich dann ganz an das Aufbaugymnasium. Die Schule war damals noch ein reines Mädchengymnasium und ich wurde Klassenlehrer in der 8. Klasse. Fast alle unserer Schülerinnen lebten im Internat und logierten in Schlafsälen, in denen nur halbhohe Unterteilungen aus Stoff für etwas Privatsphäre sorgten.

Anstett: Die Schule war in dieser Zeit ziemlich renovierungsbedürftig. Einige Gebäudeteile waren ja auch noch gar nicht zu Schulzwecken genutzt. Der ganze westliche Flügel war vermietet. Es gab dort eine Rektorenwohnung, in der aber nie der jeweilige Rektor, sondern immer Lehrer wohnten. Weitere Räume waren anderweitig genutzt – unter anderem durch das Finanzamt Lahr. Auf der Nordseite gab es die Hausmeisterwohnung. Der Bereich des heutigen Musiksaals war nicht ausgebauter Speicherraum. Die heutigen Musikübungsräume wurden zur Hausaufgabenbetreuung des Internats genutzt. Aber Anfang der 80er Jahre hatten wir ja auch nur rund 90 Schülerinnen.

BZ: Und wie viele lebten davon im Internat?

Ringwald: Mehr als 50. Die meisten unserer Schülerinnen waren im Internat.

Anstett: Das hatte manchmal auch kuriose Auswirkungen. Es konnte passieren, dass einem morgens Mädchen in Bademantel und Pantoffeln begegneten auf ihrem Weg in den Keller. Dort befanden sich nämlich damals noch die Duschen.

BZ: Wann kam der erste Junge an die Schule?

Ringwald: Ich glaube das war 1984. Der hat sich hier ganz gut behauptet.

Anstett: Wir hatten schon ein, zwei Jahre vorher einen Jungen. Der hielt es aber nur eine oder zwei Wochen in der weiblich dominierten Schule aus.

BZ: Hat die Umstellung auf eine koedukative Schule Probleme bereitet?

Anstett: Eigentlich nicht. Das Alltagsleben wurde einfach natürlicher und entspannter. Nur Mädchen, das ist ja doch eine unnatürliche Situation. Vor unserer Zeit gab es Kooperationen mit dem Aufbaugymnasium Meersburg, in dem nur Jungen wohnten – zum Beispiel gemeinsame Konzerte oder Feiern.

BZ: Was hat sich in den mehr als 30 Jahren, die sie beide hier sind, in Internat und Schule sonst geändert?

Anstett: Die Ausgangsregelung im Internat zum Beispiel war noch viel strenger als heute. Früher kamen die Schüler hier vom Gelände ja kaum weg. Wenn ich da mit einigen Schülern zum Baggersee gefahren bin, war das schon eine richtige Attraktion. Mit dem Internatsbus des Freundeskreises sind heute viel mehr Freizeitaktivitäten möglich.

Ringwald: Unser Bildungsangebot ist im Laufe der Jahrzehnte immer vielseitiger geworden. So haben wir inzwischen neben dem Musikprofil auch das naturwissenschaftliche Profil im Aufbauzug. Darüber hinaus haben wir seit 1987 den Realschulaufbauzug ab Klasse 11 sowie ab 1996 einen G8-Zug ab Klasse 5 an unserer Schule.

Anstett: Im Laufe der 80er Jahre gab es schon mal turbulente Zeiten, denn das Land hatte Schließungspläne für unsere Schule. Rektor Kasper und der damalige Landtagsabgeordnete, Herr Uhrig, haben viel dafür getan, dass die Schule neue Perspektiven bekam. Dabei wurden sie vom Freundeskreis unterstützt, der damals neu gegründet wurde. Rektor Bernd Klug sorgte 1996 mit dem G 8-Zug wiederum dafür, dass das CSG Pilotschule für G 8 wurde. Das alles hat uns stetig steigende Schülerzahlen beschert, auch ganz andere Schülerschichten, und natürlich eine viel bessere Ausstattung.

BZ: Und der Name Clara Schumann?

Ringwald: Der kam erst 1994. Da gab es einen Ideenwettbewerb. Vorgeschlagen wurde unter anderem auch "Parkgymnasium", wegen unseres großen Geländes.

Anstett: Aufgrund der musikalischen Tradition der Schule und der Vergangenheit als Mädcheninternat sollte die Namensgeberin eine Künstlerin sein, möglichst mit Regionalbezug. Clara Schumann, die zeitweilig in Baden-Baden gelebt hat, wurde dann mit überwältigender Mehrheit von Lehrern und Schülern gewählt.