Nabu fordert weniger Pestizide

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 05. Mai 2018

Lahr

Naturschutzbund äußert sich zur Sitzung des Gemeinderates.

LAHR (BZ). Am Mittwoch, 9. Mai, 17.30 Uhr im Rathaus II, entscheidet der Gemeinderat Lahrs über die Verwendung von Pestiziden auf städtischer Gemarkung. Der Naturschutzbund Lahr unterstützt in einer Stellungnahme den Antrag der Gemeinderatsfraktionen der Freien Wähler sowie der Grünen und fordert Beschlüsse.

Die beiden Fraktionen nehmen in ihrem Antrag Bezug auf einen erfolglosen Vorstoß der SPD im Januar, Glyphosat auf städtischen und städtisch verpachteten Flächen zu verbieten. Der erneute Antrag zielt darauf, die Verwendung von Pestiziden einzudämmen. Der Naturschutzbund bittet in seiner Stellungnahme "dringend darum, nicht nur darüber zu diskutieren, sondern endlich Beschlüsse zu fassen."

Gelegenheit dazu gebe es in der Sitzung, wenn es um die Verpachtung des in städtischem Besitz befindlichen Zuckerareals gehe. In den neuen Verträgen müsse ein reduzierter Pestizideinsatz und die Nichtanwendung der Insektizid-Gruppe der Neonikotinoide und einiger Herbizide (zum Beispiel von Glyphosat) verbindlich gemacht werden. Die Einfügung eines entsprechenden Passus in die Pachtverträge müsse von der Stadtverwaltung eingefordert werden.

Die riesigen Verluste an Insekten ließen sich, so der Vorsitzende Udo Baum, nicht mit Worten und Diskussionen aufhalten. Baum erinnert an das gewaltige Insektensterben im Jahre 2008, das durch die Anwendung von gebeiztem Saatgut ausgelöst worden sei. Die Mehrheit des Gemeinderats müsse zu einer Vorbildfunktion im Umwelt- und Naturschutz zurückfinden, nachdem sie kürzlich bei der Abweisung des von der SPD geforderten Glyphosatverbots und bei der gescheiterten Verabschiedung des städtischen Klimaschutzprogramms diesem Anspruch nicht gerecht geworden sei.

Nach Schätzungen des Naturschutzbundes landen jährlich 2300 Tonnen Pestizide auf den Äckern und Wiesen von Baden-Württemberg. Pestizide belasteten die Umwelt und trügen zum Rückgang der Artenvielfalt bei. Sie töteten nicht nur Wildkräuter, sondern auch Insekten, die Nahrungsgrundlage für viele Vogelarten seien. Rückstände von Pestiziden fänden sich im Grundwasser und in Nahrungsmitteln. "Es ist daher höchste Zeit, dass die Politik auf allen Ebenen Zahlen und Taten liefert, statt endlos Grundsatzdiskussionen zu führen", heißt es dazu.

Gemeinderat soll sich anderen Kommunen anschließen

Die Landwirtschaft könne man bei diesem Thema als Partner durchaus gewinnen, wenn Pestizidreduzierung in den Agrarprogrammen ohne große bürokratische Hürden ausreichend gefördert würde. Bahr verweist darauf, dass in der Bundesrepublik Deutschland bereits annähernd 200 Städte und Gemeinden beschlossen hätten, auf Glyphosat und andere Pestizide zu verzichten und reduzierte Pestizidanwendung für eigene Grundstücke verpflichtend zu machen. "Diesen Kommunen, die die Zeichen der Zeit erkannt haben, sollte sich der Gemeinderat der Stadt Lahr durch einen entsprechenden Beschluss anschließen."