Nabu sieht noch viel zu tun

Bettina Schaller

Von Bettina Schaller

Sa, 14. April 2018

Lahr

Einiges ist erreicht worden, es gibt aber auch Vieles, wofür noch gekämpft werden muss.

LAHR. Die Arbeiten für das Kulturerbe Langenhard sowie die Entschlammung des Hohbergsees mit 220 000 Euro an Kosten haben vergangenes Jahr die Arbeit des Nabus (Naturschutzbund) Lahr beherrscht. In der Vorschau aber forderte Walter Caroli in der Hauptversammlung trotzdem: "Wir müssen noch politischer werden angesichts des Raubaus an der Natur, der in erschreckendem Ausmaß Fahrt aufnimmt."

Der Langenhard-Beauftragte Caroli forderte zudem: "Wir müssen eine ökologische Kampftruppe werden." Als Hintergrund nannte er die Tatsache des drastischen Rückganges von Insekten "um rund 70 Prozent – eine Katastrophe für die Natur", so Caroli. Auch beklagte er den "radikalen Rückschnitt" für Verkehrssicherheit: "Da wird auf Teufel komm raus abgeholzt", sagte Caroli und nannte die Strecke vom Burgbühl nach Heiligenzell auf Lahrer Gemarkung: "Das war Rückzugsgebiet für Vögel."

Zur Neuverpachtung der Flächen des Zuckerhofs forderte er einen Passus im Pachtvertrag, der die Anwendung von Pestiziden und Insektiziden regle. Hier ergänzte der Vorsitzende Udo Baum, es sei dringend geboten, dass auch der Gewässerrandstreifen von zehn Metern eingehalten werde. Ferner betonte Baum: "Die Aufgaben für die Zukunft sind wichtiger als die der Vergangenheit." Hier kam der Bericht des zweiten Vorsitzenden Wolfgang Bahr ins Spiel, der von Stellungnahmen des Nabus zu Vorhaben der Stadt Lahr berichtete.

Dabei ging es nicht nur um naturschutzfachliche Einschätzungen wie die der Erweiterung auf dem Akad-Gelände, wo der Nabu den Schutz der Leiteinrichtungen forderte, die für eine "Menge Geld" eingerichtet wurden. Auch nicht nur um die Umsiedelung von Zauneidechsen bei den Bebauungsplänen für das Industriegebiet West.

Walter Caroli hebt Erhalt von Natur und Artenvielfalt hervor

Bahr nannte Größen wie die Ausgleichsmaßnahmen bei der Erweiterung des Mosolf-Geländes und dem geplanten Rückhaltebecken in Sulz oberhalb der Dammenmühle, das in einem Feuchtgebiet geplant lag: "Die Planung war 20 Jahre alt, da wurden Tatsachen geschaffen, ohne den Ortschaftsrat, geschweige denn den Nabu zu informieren", so Bahr. Hier sei gerodet worden. Das wäre bereits der zweite Vorfall, wo einfach Tatsachen geschaffen worden seien, so Bahr. Hier schlage der Nabu den ehemaligen Hockeyplatz als Alternative vor, "ohne dass ein Angriff auf die Natur fällig ist".

Walter Caroli hob indessen auch die Arbeit für den Erhalt von Natur und Artenvielfalt und deren Erfolge des Nabus hervor: Von 115 Brutröhren für den Steinkauz, der Verringerung der Verluste bei den Krötenwanderungen, der Erfolg der Veggie-Party, die Biotoppflege im Ehrental, wo der Pflanzenbestand, insbesondere der Orchideen gedeihe.

Die Entschlammung des Hohbergsees sei im Moment abgeschlossen, nur die getrocknete Erde müsse noch auf die Erdaushubdeponie gebracht werden. Auf dem Langenhard müssten 60 Hektar Land zur Offenhaltung bewirtschaftet werden. Hier solle von der Schafhaltung zur Haltung von Hinterwälder Rindern umgeschwenkt werden, befand Caroli; die Umstellung solle bis Anfang 2019 oder 2020 erfolgen unter dem Aspekt der Biodiversität. Auch müssten jedes Jahr über 40 Tümpel von Pflanzen und Erlen befreit werden, um Laichplatz für die Gelbbauchunke zu schaffen. Zudem wurden 115 Bäume gepflanzt; auch hier gehe es nicht um Ertrag, sondern um Biodiversität. "Ob Langenhard oder Hohbergsee, Udo Baum war als Praktiker ständig vor Ort" und habe sich auch für die Fledermausnacht eingesetzt, die auf große Resonanz stieß, so Caroli.

Wahlen: Vorsitzender: Udo Baum, Rechnerin: Astrid Eckenfels (neu für Klaus Obert)

Mitglieder: 1450

Weitere Informationen unter http://www.nabu-lahr.de