Porträt eines der Welt abhanden gekommenen Komponisten

Susanne Ramm-Weber

Von Susanne Ramm-Weber

Do, 09. Februar 2017

Lahr

Olivia Sham interpretiert in der Reihe Weltklassik am Klavier Werke mit Bezug zu William Sterndale Bennett.

OFFENBURG. Die Reihe Weltklassik am Klavier hat in Lahr und Offenburg ihre Liebhaber längst gefunden. Gut 70 Zuhörer sind am Sonntag in den Offenburger Salmen gekommen, um das Konzert von Olivia Sham zu hören. Tags zuvor war sie damit in Lahr. Die in Australien geborene Pianistin lebt seit neun Jahren in London und ist in einem Forschungsprogramm an der Royal Academy of Music tätig.

Mit der Sonate Nr. 8 in a-Moll KV 310 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791) begann das Konzert, das außerdem die "Lieder ohne Worte" op. 19 von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 bis 1847), eine Fantaisie in A-Dur op. 16 des englischen Komponisten William Sterndale Bennett (1816 bis 1875) und abschließend die Fantasie op. 17 von Robert Schumann (1810 bis 1875) enthielt. Sterndale Bennett war das eigentliche Zentrum des Programms. Die anderen Komponisten standen in mehr oder enger Beziehung zu diesem dfer Welt abhanden gekommenen englischen Komponisten.

In der Mozart-Sonate fällt ein egalitäres Spiel auf. Der Anschlag ist präzise, aber sehr weich. Es scheint, als spiele Olivia Sham diesen Mozart mit der romantischen Brille, so dass die heiter verspielte und luzide Seite des mozartschen Genies zu wenig zum Ausdruck kommt. Gleichwohl ist das Spiel differenziert. Besonders im zweiten Satz, Andante cantabile con espressione, ist es ausdrucksvoll, innig versunken, während sich die Pianistin in den dritten Satz hineinschleicht, anstatt einen eindeutig klaren Beginn zu setzen, dann rennt es intensiv dahin.

Die "Lieder ohne Worte" spielt Olivia Sham fast nahtlos ineinander übergehend. Der Charakter ist gegenüber dem Mozart jedoch gleich ein anderer. Sacht, wolkig-zart, ineinanderfließend. Die Melodie wird herausgearbeitet und entfaltet sich. Mit Engagement und kräftiger geht es weiter, Entfesselung aber lassen diese Stücke nicht zu. Schließlich erklingt das Spiel bewusster, gut durchhörbar, was vielleicht auch an der kompositorischen Gestalt der Stücke liegt. Am Ende kommt mit dem sogenannten "Venezianischen Gondellied" eine neue Stimmung auf, ruhiger, gemessener, wandelnd. Ein markantes Intervall tritt hervor.

Die Fantaisie von Bennett, der 1866 Leiter der Royal Academy of Music wurde, gilt als schwieriges Stück, es ist Robert Schumann gewidmet und wurde 1837 uraufgeführt. Das Stück hat zunächst einen schon impressionistischen Charakter, im Bass fortwährende Rouladen, und in der rechten Hand die Melodie. Es schraubt sich unablässig empor mit wenig einzeln akzentuierten Noten. Der zweite Satz hat ein höllisches Tempo und erklingt wie eine Phantasiegeschichte. Der kurze dritte Satz birgt in sich Schwierigkeiten, und wirkt in seinem langsamen Tempo eminent erzählerisch, während der vierte Satz ein einziges Furioso ist, dann weich und gedämpfter und sehr viele Noten in sehr kurzer Zeit zu spielen vorsieht.

Nach der Pause folgt logisch anknüpfend die Fantasie von Schumann von 1839. Hier überzeugt die Interpretation, markante Leittöne werden herausgearbeitet, immer wieder verlangsamt die Pianistin das Tempo, geht in die Intensität, nimmt zurück fast bis zum Nichts, verwunschen, dann wieder im Kontrast voller Energie und Kraft, warme Akkorde am Ende des ersten Satzes. Der zweite Satz hat majestätischen Charakter, das Spiel ist leidenschaftlich, wie wenn man Purzelbäume schlägt, warm und intensiv gelingt auch der dritte Satz. Herzlicher Applaus und eine Zugabe.