Sahnehäubchen zum Ausklang

Ulrike le Bras

Von Ulrike le Bras

Di, 22. Mai 2018

Lahr

Soul Family und die Zydeco Playboys beschließen den Pfingstsamstag auf dem Gelände der Landesgartenschau.

LAHR. Mit zwei beschwingten Konzerten ist der Pfingstsamstag auf der Landesgartenschau zu Ende gegangen. Auf der Seeparkbühne haben die Zydeco Playboys am späten Nachmittag für Stimmung gesorgt, auf der Bühne im Bürgerpark gestaltete die Freiburger Chor-Formation Soul Family dann einen runden Ausklang.

Beim Bandnamen Zydeco Playboys könnte man leicht auf die falsche Fährte geraten. Denn die fünf Jungs, alle schon in etwas gesetzterem Alter und durchaus auf ihre Art charmant und attraktiv, wollen zwar wirklich spielen, aber nicht mit zarten Mädchenherzen. Ihr Spielfeld ist die Musik aus dem Südwesten des US-Staates Louisiana, ihre liebsten Spielbälle sind das Akkordeon und das Waschbrett, das sich der Spieler einfach in voller Länge vor den Bauch spannt und so dem Begriff Waschbrettbauch einen ganz neuen Sinn verleiht. Die Musik selbst ist rasant und fährt sofort in die Beine: In den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts aus der französisch geprägten Cajun-Musik entstanden, klingt sie stellenweise wie ein Mix aus wild gewordener Musette, Country, Twist und Ska. Dass sich der Großteil des Publikums nicht unter dem riesigen Zeltdach der E-Werk Bühne brav auf die dafür vorgesehenen Stühle setzen wollte, sondern es vorgezogen hat, den herrlichen Sonnenschein dazu zu nutzen, um sich mit Kind und Kegel auf der Wiese oder dem Seesteg niederzulassen – wem wollte man das verdenken?

Der guten Laune hat das allemal keinen Abbruch getan: Frontmann Oliver Kraus und seine vier Bandkollegen an Bass, Drums, Gitarre und Percussion ließen es laufen, brachten das eine oder andere Paar gar zum flotten Abtanzen und sorgten mit ihren Ansagen in heimeligem Schwäbisch für Nähe zum Publikum. Einige der Songs, die sie auf Lager haben, kamen älteren Semestern durchaus bekannt vor, wie etwa "Jambalaya" von Hank Williams, aber auch die Stücke aus eigener Feder wie "Wanderlust" (hier englisch auszusprechen als Übersetzung des Wortes Fernweh) oder das Lied "Hey Papa Joe" gefielen durch unwiderstehliche Rhythmen.

Soul Family mischt Pop, Latin und Gospel

Für das letzte Konzert dieses Samstags flanierten die Zuhörer danach über die Ortenau-Brücke, um im Bürgerpark auch wieder heiße Rhythmen zu hören, die jedoch einen anderen Hintergrund hatten: Joel da Silvas Soul Family aus Freiburg erwies sich als Chor, der im munteren Wechsel die Genres Pop, Latin Music und Gospel vermischte und somit ganz der Atmosphäre des zu Ende gehenden Tages mit Sonnenuntergang und dem aufkommenden leichten Wind entsprach. Da Silvas furiose E-Piano-Passagen, unterstützt durch Conga-Percussion von Raphael Kofi, zeigten vom ersten Song "I’m on Fire" an, dass hier Spezialisten am Werk sind, die nicht nur über füllige Solo- und Chorstimmen verfügen, sondern auch die Kunst der Dramaturgie beherrschen. Gefühlvolle Stücke, die den Zuhörer in nachdenkliche, melancholische Stimmung versetzten, gingen nahtlos über in religiös geprägte Gospels, dann wieder in aktuelle Popsongs wie "What about us" von Pink oder Klassiker wie "Let it be" von den Beatles und "Hallelujah" von Leonard Cohen. Fazit: Beide Konzerte trafen den Geschmack des Publikums und setzten dem ohnehin gelungenen Gartenschau-Tag ein Sahnehäubchen auf.