Lahr

Wie oft und warum brennen Windräder?

Bastian Henning

Von Bastian Henning

Fr, 27. September 2013 um 11:21 Uhr

Lahr

Der Brand eines Windrads in Lahr wirft zahlreiche Fragen auf: Wie oft kommen Windradbrände vor? Weshalb geraten sie meist in Brand? Und was kann die Feuerwehr tun?

WIE OFT BRENNEN WINDRÄDER?
Windradbetreiber und Stadt versichern, Windradbrände seien höchst selten. Nur zwei bis drei solcher Fälle seien in Deutschland überhaupt bekannt. Wie BZ-Recherchen ergeben, könnten diese geringen Zahlen aber schlicht auf eine fehlende Statistik zurückgehen. "Es gibt keine Meldepflicht für den Brand einer Windkraftanlage", erklärt Silvia Darmstädter, Sprecherin des Deutschen Feuerwehrverbands (DFV). Holger Bauer ist Sprecher beim schleswig-holsteinischen Landesverband im DFV. In Schleswig-Holstein stehen sehr viele der bis Juni 2013 deutschlandweit errichteten 23 300 Windräder an Land. Bauer nennt mindestens sechs bis sieben Windradbrände in den vergangenen Jahren in Schleswig-Holstein. Eine Internetrecherche fördert eine Vielzahl von Medienberichten und Videos verschiedener Windradbrände in den vergangenen drei Jahren zutage, alle in Deutschland.

WAS KANN ÜBERHAUPT BRENNEN?
Der Windradturm besteht üblicherweise aus Stahlbetonsegmenten und ist damit nicht brennbar. Dagegen kann die Elektrik im Maschinenhaus hinterm Rotor Feuer fangen, ebenso die äußere Hülle des Maschinenhauses. Auch die Rotoren sind brennbar. Sie bestehen aus einem mit Glasfasermatten verstärkten Kunststoff. Das Trafohäuschen am Boden kann ebenfalls in Brand geraten.

WIESO GERATEN WINDRÄDER IN BRAND?
Häufige Brandursache sind Getriebeschäden im Maschinenhaus des Windrads, also hinter dem Rotor. Laufen Zahnräder heiß, kann große Hitze entstehen. Hitze kann sich auch rund um die Elektrik in der Gondel anstauen. Blitzschlag ist eine weitere mögliche Brandursache.

WAS KANN DIE FEUERWEHR TUN?
Verletzte gibt es bei Windradbränden in der Regel nicht, zumeist beschränken sich die Feuerwehren darauf, den Brandort abzusperren bis die Anlagen abgebrannt sind oder keine Gefahr mehr besteht. Dieses Vorgehen entspricht auch einer Fachempfehlung des DFV. Allerdings fordert der Verband die lokalen Feuerwehren auf, sich auf diesen Notfall vorzubereiten.

WIE WERDEN DIE WINDRÄDER ÜBERWACHT?
"Läuft ein Getriebe heiß, sollte sich das Windrad normalerweise abschalten, noch bevor ein Feuer ausbricht", erklärt Petra Zentgraf vom Betreiber der Lahrer Anlage regiowind plus Lahr/Seelbach. Das hat in Lahr offenbar nicht funktioniert. Andere Windräder, etwa des Herstellers Enercon, verfügen dagegen nicht über ein Getriebe mit drehenden Teilen, deshalb ist bei ihnen das Brandrisiko geringer. Laut Wolfram Axthelm vom Bundesverband Windenergie sind Windräder in Deutschland in jedem Fall mit einer Fernüberwachung ausgestattet. Sie können also von einer Leitstelle aus heruntergeregelt und die Rotoren auf Durchzug geschaltet werden. Außerdem werden an den Windrädern laufend Umweltmesswerte analysiert – auch die Temperatur. Steigt sie plötzlich im Maschinenhaus an, etwa wegen eines Defekts, kann der Leitstand eingreifen, wenn das Windrad sich nicht selbst herunterfährt.

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