Brennender Flügel in der Nacht

Wieder brennt auf dem Langenhard in Lahr ein Windrad lichterloh

Bastian Bernhardt

Von Bastian Bernhardt

Fr, 08. Februar 2019 um 12:58 Uhr

Lahr

Am Freitag brannte eines der drei Windräder auf dem Lahrer Langenhard ab – nachdem schon 2013 eines gebrannt hatte. Der Schaden beträgt eine halbe Million Euro.

Freitagfrüh ist eine Windkraftanlage auf dem Lahrer Langenhard in Flammen aufgegangen. Die Gondel brannte aus, ein Flügel fiel brennend zu Boden. Verletzt wurde niemand, der Schaden beträgt rund eine halbe Million Euro zuzüglich des Ausfalls bei der Stromproduktion. Das Windrad war just am Vortag gewartet worden. Bereits 2013 hatte eine benachbarte Anlage Feuer gefangen, die zwischenzeitlich durch eine höhere und leistungsfähigere ersetzt worden ist. Der Wanderweg über Langenhard und Kempfenbühl wird umgeleitet.



Um 2.40 Uhr wurde die Feuerwehr Seelbach von der Leitstelle Ortenau auf den Brand an der gut 110 Meter hohen Windkraftanlage auf dem Lahrer Langenhard, Gemarkung Seelbach aufmerksam gemacht. "Schon auf der Anfahrt zum Gerätehaus habe ich gesehen, dass die Anlage lichterloh brennt", sagte Seelbachs Feuerwehrkommandant und Einsatzleiter Bernd Wagner. Das Bild habe sogleich Erinnerungen an den Brand einer benachbarten Windkraftanlage auf Lahrer Gemarkung vor viereinhalb Jahren wach gerufen. Aus den damaligen Erfahrungen habe man entschieden, auch dieses Mal keine Löscharbeiten durchzuführen, sondern in erster Linie eine Sperrzone von 250 bis 300 Metern rund um das brennende Windrad einzurichten. "Die Gefahr für die Kameraden, beim Einsatz verletzt zu werden, ist einfach zu groß", so Wagner.

Damit folgen die Wehrleute auch den Empfehlungen des Deutschen Feuerwehrverbands (DFV). Darin heißt es, wenn es im oberen Teil einer Windkraftanlage brennt, "sollte von der Option des kontrollierten Abrennens Gebrauch gemacht werden". Bei der Sperrzone plädiert der DFV sogar zu einem Gürtel von 500 Metern Radius um die Anlage.Der beliebte Wanderweg über Langenhard und Kempfenbühl wurde kurzfristig umgeleitet. Wo brennende Trümmer von Gondel und Flügel herabstürzten, seien vereinzelt Bäume in Brand geraten, die am Freitagmorgen gelöscht wurden, sagte Bernd Wagner.

Einen Tag zuvor war das Windrad noch gewartet worden

Die nun betroffene Windkraftanlage ist vom selben Typ Nordex S-77 wie jene, die 2013 brannte. Nachdem ein Gutachten als Grund für den damaligen Brand eine zu lockere Kabelführung an einer Stelle im Maschinenhaus ergeben hatte, wurde diese potenzielle Schwachstelle bei den beiden benachbarten Windrädern beseitigt, sagte Andreas Markowsky, Geschäftsführer der Ökostromgruppe der Badischen Zeitung. Deren Tochter regiowind plus Lahr/Seelbach GmbH betreibt das Windrad. 120 Bürger halten Anteile an der Anlage. Die Ökostromgruppe warte ihre Windkraftanlagen regelmäßig und sorgfältig, erklärte Markowsky. Die betroffene Anlage war sogar just am Vortag noch von zwei Fachleuten inspiziert und gewartet worden.

Markowsky zeigte sich ratlos angesichts des zweiten Feuers innerhalb weniger Jahre zweier benachbarter Anlagen in der Hand desselben Betreibers. "Das ist wirklich schleierhaft und wir fragen uns auch, warum es uns nun doppelt trifft. Natürlich passieren solche Brände, aber sie sind eigentlich selten." Tatsächlich zählt eine Statistik des Bundesverbands Windenergie, die der BZ vorliegt, knapp zwei Dutzend Brände an Windkraftanlagen, die seit 2013 registriert wurden. Zwei davon waren auf dem Lahrer Langenhard. Insgesamt gibt es in Deutschland an Land 29 213 Windkraftanlagen.

Auch die Polizei hält deshalb den zweiten Brand einer solchen Anlage auf dem Langenhard binnen weniger Jahre für bemerkenswert. Zeichen für Brandstiftung sehe man derzeit aber noch nicht, sagte Felix Neulinger, Leiter des Lahrer Polizeireviers, der BZ. "Natürlich laufen nun aber Ermittlungen zur Brandursache", so Neulinger.

Bei der nun abgebrannten Anlage auf dem Langenhard geht Markowsky von einem Totalschaden aus. "Wir werden sie daher wohl abbrechen müssen." Immerhin greift offenbar die Versicherung, die allerdings nur den Zeitwert der 2005 für knapp zwei Millionen Euro errichteten Anlage umfasst. Nach Einschätzung von Andreas Markowsky liegt der Zeitwert noch bei knapp einer halben Million Euro. Noch sieben Jahre lang hätte sie laut Erneuerbare Energien Gesetz besonders vergüteten Strom erzeugen können. "Die künftigen Erträge aus der Stromproduktion wären also sicher höher gewesen als nun die Versicherungssumme", so Markowsky.

Wie es an dem Standort nun weitergeht, sei noch offen. Möglich sei auch dort wie damals beim Nachbarwindrad ein Wiederaufbau mit einer stärkeren und höheren Anlage. "Das würde aber auch hier wieder ein aufwändiges Genehmigungsverfahren bedeuten."

Für den Freitag waren weitere Flüge mit Drohnen über das angebrannte Windrad geplant, um eventuell verbliebene Glutnester an der Anlage und am Boden erkennen zu können. Inwiefern die Wanderwege über Langenhard und Kempfenbühl dann noch aufrecht erhalten werden müssen, war am Freitag noch nicht klar.