Wo die Mähmaschine schwimmt

Manfred Dürbeck

Von Manfred Dürbeck

Do, 30. November 2017

Lahr

Voraussichtlich in der kommenden Woche sind die Arbeiten im Hohbergsee abgeschlossen – danach heißt’s erst mal warten.

Die Entschlammung des Hohbergsees macht gute Fortschritte. Vermutlich in der kommenden Woche können die Arbeiten abgeschlossen werden, sagt Sven Klein vom niederländischen Spezialunternehmen Royal Smals. Er tuckert an diesem nasskalten Tag auf seinem schwimmenden Mähgerät über den See und säbelt mit dem Schermesser Wasserpflanzen ab.

LAHR. Mit den zur Verfügung stehenden 200 000 Euro kann der rund 1,5 Hektar großen See (das entspricht zwei Fußballfeldern) nahezu durchgängig von Wasserpflanzen und Faulschlamm befreit werden. Nur ein kleiner Teil bleibt unberührt – als Rückzugsbereich für Fische und zum Ablagern von Muscheln aus anderen Seebereichen. Rund einen halben Meter hoch hat sich der Schlamm in den vergangenen 100 Jahren auf dem Seegrund angesammelt. Hätte man jetzt nicht dagegen gehalten, wäre der See ökologisch umgekippt, Laichmöglichkeiten für Erdkröten und Grasfrösche wären zerstört worden.

Klein ist Polier bei Smals und wie die anderen Familienmitglieder ausgewiesener Fachmann für die Sanierung maroder Gewässer. Seit rund drei Wochen ist die dreiköpfige Smals-Crew auf dem See zugange. Der Pflanzenschnitt ist nur der erste Schritt zur Wiederherstellung einer intakten Wasserqualität. Ist er aus dem Wasser entfernt, wird mit einem Cutter der Schlamm vom Boden gelöst und über eine Kreiselpumpe und Schläuche in spezielle Säcke gepumpt, wo sich das Material absetzen kann. Beschleunigt wird der Vorgang durch die Beigabe von Mais- oder Kartoffelstärke, die das Wasser von den festen Bestandteilen sofort trennt.

Rund 2700 Kubikmeter Schlamm und Wasser werden aus dem See gepumpt, steht auf der To-do-Liste von Klein. Rund 1600 Kubikmeter können in den Säcken gelagert werden. Die Differenz erklärt sich aus der Verdunstung des Wassers in den Geotextilsäcken. Zum Teil kann Wasser nach dem Absetzen der festen Stoffe auch schon vorher in den See zurückgeleitet werden. Vermutlich bis ins Frühjahr verbleibt der Schlamm in den großen Säcken, um dort abzutrocknen. Dann kommt er in die Erdaushubdeponie nach Seelbach-Schönberg.

Zwei von vier Säcken sind bereits prall gefüllt. Die anderen folgen in den nächsten Tagen, wenn Sven Klein die Mäharbeiten abgeschlossen hat. Danach, so schätzt er, dürfte mindestens ein halbes Jahrhundert vergehen, bis die nächste Grundsanierung fällig wird.

Die ursprüngliche Idee, den Schlamm auf landwirtschaftlichen Flächen auszubringen, musste wegen des hohen Bleigehalts aufgegeben werden – obwohl die Werte im grünen Bereich lagen. Das Blei geht auf den Erzabbau im Schuttertal zurück. Bei Hochwasser hatte die Schutter die Bleifracht aus dem Abraum regelmäßig im Hohbergsee abgelagert. Ausgeschieden war auch die Idee, den Schlamm einfach abzusaugen. Gegen diese billigste Variante sprach, dass die Tötungsrate unverhältnismäßig hoch gewesen wäre.

Die Geldgeber: 133 000 Euro kommen aus dem Topf des Naturschutzfonds Baden-Württemberg, darin enthalten sind 25 000 Euro aus den Ausgleichszahlungen für das Windrad auf dem Langenhard. Weitere Geldgeber waren das E-Werk Mittelbaden (50 000 Euro aus dem Ökofonds), die Regionalstiftung der Sparkasse (15 000 Euro) und die Volksbank Lahr (7500 Euro).