Die Römer haben den Anfang gemacht

Richard Kaiser

Von Richard Kaiser

Fr, 24. November 2017

Laufenburg

HISTORISCHE LANDKARTEN (I): Die Peutinger-Karte stellt die bedeutendsten Verkehrswege dar.

LAUFENBURG/HOCHRHEIN. "Die Hochrheinregion in historischen Landkarten" ist die neue Jahresausstellung im Museum Schiff in Laufenburg/Schweiz überschrieben. In loser Folge stellen wir eine Reihe von Karten vor, beginnend mit der Peutinger-Karte.

Zu den frühen Bewohnern am Hochrhein gehörten die Römer. An ihre Herrschaft erinnern in der Region zahlreiche Bodenfunde, so der Gutshof in Laufenburg. Die Römer waren aber auch für den Bau von Straßen bekannt, und über die bedeutendsten Verkehrswege fertigten sie Landkarten an. Ein Zeugnis davon ist die sogenannte Peutinger-Karte.

Das älteste noch erhaltene Kartenwerk des Raums

Diese Karte ist die mittelalterliche Kopie einer römischen Straßenkarte und gilt als ältestes noch erhaltenes kartenmäßiges Werk unseres Raums. Sie enthält die damals wichtigen Straßen mit ihren Entfernungsangaben; ferner Ortschaften, Raststätten, Herbergen, Gewässer, Gebirge sowie Fluss- und Passübergänge. So ist darauf den Verlauf der von den Römern im ersten Jahrhundert n. Chr. für Soldaten und Kaufleute angelegten Straße von der Provinzialstadt Augusta Raurica (Augst) über das Legionslager Vindonissa (Windisch) sowie via Tenedo (Zurzach) und Iuliomago (Schleitheim) zum frührömischen Truppenlager nach Brigobanne (Hüfingen) zu ersehen, versehen mit dem Eintrag: "Augusta Rvracum – XXII – Vindonissa – VIII – Tenedone – XIIII – Iulio mago – XI – Brigobanne".

Die römischen Zahlen bedeuten Abstände in Leugen. Vom heute schweizerischen Augst nach Windisch waren es demnach 22, nach Zurzach acht und von dort nach Schleitheim 14 Leugen. Eine römische Leuge (2,222 Kilometer) entsprach eineinhalb Meilen. Eine römische Meile (1,482 Kilometer) umfasste 1000 Doppelschritte, was einer Schrittlänge von 74 Zentimeter gleichkommt. An den römischen Landstraßen befanden sich in unregelmäßigem Abstand Meilensteine mit Entfernungsangaben und einem Loblied auf Cäsar als Inschrift. Am Hochrhein sind davon aber keine mehr vorhanden.

Die einzelnen Stationen, wo auch Rasthäuser standen, markierte der Kartograf durch Brechung der Wegelinie, durch sogenannte Haken. Der Haken hatte den Namen des Orts aufzunehmen, rechts des Namens stand die Entfernungszahl, die zugleich die Verbindung zur nächsten Station herstellte.

Es wird vermutet, dass die historische Landkarte um 365 unter einem gewissen Castorius zu ihrem vorläufigen Abschluss kam. Das Werk wurde immer wieder überarbeitet, im zwölften Jahrhundert gab es eine Abschrift, die der Augsburger Ratschreiber Konrad Peutinger 1508 vererbt bekam. Da er sie lange in seinem Besitz hatte, wurde sie nach ihm benannt. Das Juwel befindet sich in der Österreichischen Nationalbibliothek Wien.

Die Darstellungen in der Karte sind verzerrt und keineswegs maßstabsgetreu. So wird der Rhein von seinem Ursprung über den unförmigen Bodensee bis nach Straßburg als eine Gerade abgebildet. Der Schwarzwald (Silva Marciana) wird zwar als bewaldetes Gebirge dargestellt, doch ist darin ein subtropisches Vegetationsidyll mit Ölbäumen, Pinien, Fächer- und Dattelpalmen wiedergegeben, was darauf hindeutet, dass der Kartenautor "Alamannia" nie bereiste. Die Peutinger-Karte konnte nicht die ganze Wirklichkeit abbilden. Ihr Hauptwert liegt in der Bedeutung der Orte, ihrer Schreibweise und in den Entfernungsangaben. Die physische und die politische Geografie kommen erst in zweiter Linie.