Vor lauter Bäumen den Wald sehen

David Rutschmann

Von David Rutschmann

Sa, 06. Oktober 2018

Laufenburg

BZ-SERIE (TEIL 9): Wie wichtig Wegewarte sind, beweisen Gebhard Baumgartner und Manfred Martin in Laufenburg.

LAUFENBURG. Ein Ausflug in den Wald kann für unvorbereitete Wanderlustige gerne mal verwirrend werden: Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht und ist schnurstracks vom Weg abgekommen. Damit genau das nicht passiert, sind die Wanderwege im Landkreis deutlich gekennzeichnet – auch in und um Laufenburg. Der Schwarzwaldverein ist für den Erhalt der Wege und damit auch der Schilder zuständig. Jede Ortsgruppe beschäftigt daher einen eigenen Wegewart, der mit dieser Aufgabe betraut ist.

Ein grünes Hemd mit Aufnäher macht deutlich, dass Gebhard Baumgartner als Wegewart unterwegs ist und seine Aufgabe ernst nimmt. Sein Einsatzgebiet ist Laufenburg, da muss er die Wanderwege von störendem Gestrüpp und Geäst befreien und darauf achten, dass die Beschilderung in einem ordentlichen Zustand ist. Seine Ausrüstung dafür: Stichsäge, Axt, Zange, mehrere Ersatzschilder als Aufkleber oder auf Metallschildern – sowie Putzmittel, um die Wegweiser sauber und somit sichtbar zu halten.

Für größere Einsätze hat Baumgartner die Leiter im Auto bereitliegen. Sollte ein größerer Ast oder gar ein Baum im Weg liegen, muss der Wegewart eine klar erkennbare Umleitung einrichten und den Bauhof informieren, damit der das Hindernis entfernt. "Solche größeren Schwierigkeiten gibt es aber recht selten. Großflächig umleiten muss man nicht so oft", erklärt Baumgartner.

Ein Wegewart unterscheidet zwischen den Markierungen auf dem Weg und Wegweiserschildern. Die Wegweiserschilder zeigen in verschiedene Richtungen und so die verschiedenen Wanderrouten an. Eine Kilometeranzeige signalisiert, wie weit man von Orten auf der Route entfernt ist. Die Markierungen auf der Strecke bestätigen alle 200 bis 250 Meter dem Wanderer, dass er weiterhin auf dem richtigen Weg ist. Sie werden entweder mit Klammern an Laternen befestigt, an dickeren Laternen aufgeklebt oder auf Metallplatten an den Bäumen im Wald festgenagelt.

Die Markierungen sind einfache Pfeile oder meist Rauten in verschiedenen Farben: Die gelben Rauten binden örtliche Wanderziele in das großflächige Wegenetz ein und finden sich in den einzelnen Ortschaften. Bekannte Orte und Landschaften bilden das größere Netz anhand von blauen Rauten. Ergänzend haben die großen Fernwanderwege eigene, distinktive Markierungsrauten. Die Designs von Alb- und Schluchtensteig beispielsweise sind eher ausgefallen, Hochrheinhöhenweg und Hotzenwald-Querweg kommen mit weiß-blauen beziehungsweise weiß-schwarzen Rauten eher schlicht daher.

Für Gebhard Baumgartner beginnt die "Arbeitssaison" im Frühjahr. Der Wegewart macht sich dann erstmals auf den (Wander-)Weg und entfernt Dornen und Äste. Sollte der Forst Bäume mit Schildern gefällt haben, müssen die Schilder ersetzt werden. Besonders ärgerlich sei Vandalismus: In diesem Jahr seien sieben Schilder demoliert worden. Manche "Scherzbolde" verstellen die Schilder dabei in andere Richtungen. "Naturkatastrophen ärgern einen nicht so – da kann ja niemand was dafür, wenn man das etwas wegräumen muss. Aber wenn Leute mutwillig mit Werkzeug an den Wegweisern rumpfuschen, ärgert das extrem", findet auch Manfred Martin.

Martin ist Baumgartners Vorgänger im Amt des Laufenburger Wegewarts. 40 Jahre kümmerte er sich um die Wanderwege auf dem Stadtgebiet. In einem dicken Ordner kann er noch immer auf seine Tätigkeit zurückblicken – und eine beeindruckende Statistik an den Tag legen: In seinen letzten Jahren als Wegewart zwischen 2000 und 2014 war er ehrenamtlich 1602 Stunden im Einsatz. Unter anderem tauschte er in dieser Zeit 734 Wegweiser-Rauten aus und schlug 48 Pfosten für Wegweiserschilder neu.

2000 ist dabei ein Schlüsseljahr: Damals führte der Schwarzwaldverein das neue Markierungssystem ein. Seitdem sind die Markierungen vom Süd- bis in den Nordschwarzwald einheitlich. "Früher hatten alle Gemeinden eigene Symbole. Mit dem neuen System wurde ein komplettes Wanderwegenetz geschaffen. Wanderer haben es so einfacher", findet Martin. Insgesamt erfasst das Netz 23 000 Kilometer an Wanderwegen – und umspannt damit laut Schwarzwaldverein einmal die halbe Erdkugel.

Dem Laufenburger Wegewart Gebhard Baumgartner obliegt dabei nicht nur die Aufsicht über die 47 Kilometer Wanderstrecke in Laufenburg. Als Bezirkswegewart des Schwarzwaldvereins ist es seit April außerdem seine Aufgabe, die Arbeit der anderen Wegewarte im Landkreis stichprobenartig zu überprüfen und sie auf Schludrigkeiten und Verbesserungspotenzial hinzuweisen. Auch Manfred Martin war als stellvertretender Bezirkswegewart seinerzeit für die Überprüfung "fremder" Wegabschnitte zuständig.

"Was diese Arbeit bedeutet, merken die meisten Leute erst, wenn auf einem Wanderweg etwas nicht stimmt."
Gebhard Baumgartner
"Die Aufgabe als Wegewart muss man mit Freude machen – dann ist man ein guter Wegewart", sagt Martin und ist froh, in Baumgartner einen "guten Nachfolger" gefunden zu haben. Dieser findet, dass die Wegewarte einen der wichtigsten Posten in einer Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins innehaben: "Aber was diese Arbeit wirklich bedeutet, merken die meisten Leute erst, wenn auf einem Wanderweg etwas nicht stimmt."

Dass die Arbeit des Wegewarts sinnvoll ist, zeigt sich auch daran, wie stark die Wege genutzt werden. Beide, der heutige und der frühere Laufenburger Wegewart, bezeugen einen starken Zuwachs an Wanderern. "Mehr Deutsche machen in Deutschland Urlaub. Für die Wanderer wurde entsprechend des steigenden Interesses auch was gemacht in den letzten Jahren", findet Baumgartner und verweist auf den Albsteig, der im vorigen Jahr eröffnet wurde, und den Schluchtensteig, der seit zehn Jahren besteht.

Im vergangenen Jahr wurde außerdem eine weitere Erleichterung für Wanderer geschaffen, sollten sie nämlich tatsächlich mal die Orientierung verlieren und Hilfe brauchen. Jeder Wegweiserpfosten hat einen eigenen Standortnamen, der in Verbindung mit den Höhenmetern genannt wird. In der Wegenetz-Software des Schwarzwaldvereins sind die Standorte mit Geokoordinaten erfasst. Da das Rote Kreuz und die Bergwacht seit neuestem auf diese Daten zugreifen können, können Wanderer im Notfall ihren Standort weitergeben, indem sie den Helfern den Namen des Wegweisers nennen.