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09. Dezember 2009 20:45 Uhr
Leitartikel
Leitartikel: Rummel oder Naturschutz – der Konflikt am Feldberg
Das geplante Parkhaus auf dem Feldberg ist ökologisch und ökonomisch fragwürdig, findet BZ-Redakteur Niklas Arnegger. Doch es zeigt auch das Dilemma, in dem Tourismus-Regionen stecken.
Wer alpin skifahren will, verlangt Schnee, gepflegte Pisten, genügend Lifte, abwechslungsreiche Abfahrten, Sonne, Glühwein an der Schneebar und eine Schnellstraße bis zum Parkplatz an der Talstation. Eine halbwegs intakte Landschaft dazu ist schön, muss aber nicht sein. Der Blick auf manches Skigebiet zeigt, dass naturbelassene Landschaft den Skitouristen relativ egal ist. Für andere Formen des Tourismus dagegen ist die Landschaft Basis des ökonomischen Erfolgs. Die Fotos in vielen Prospekten werben denn auch mit Idylle pur.
Natürlich gibt es ein Spannungsverhältnis zwischen den Ansprüchen des Naturschutzes und der Tourismusbranche, die dazu neigt zu zerstören, was sie verkaufen will. Das gilt für alle touristisch attraktiven Landschaften, ob es die großen Korallenriffe Australiens oder die weiten ostafrikanischen Steppen sind. Es gilt auch für vergleichsweise kleine, doch regional bedeutende Regionen. Zum Beispiel für das Feldberggebiet, das ein Exempel für diese Konflikte abgibt.
PARKDECK ODER KOLOSS?
Auch die Gemeinde Feldberg verweist in ihren Prospekten auf ihre schöne Landschaft und nicht auf Autos im Stau, und ein paar fröhliche Menschen im Schnee machen darauf aufmerksam, dass der Feldberg auch ein attraktives Skigebiet aufweist. Nun soll für die Skifahrer dort das schon lang geplante Parkhaus gebaut werden. Die Gemeinde nennt es Parkdeck, die Gegner sprechen von einem Parkhaus-Koloss. Allein an dieser Wortwahl ist abzulesen, wie unterschiedlich die Interessen bei solchen Projekten sind. Entsprechend wird vor und hinter den Kulissen gemauschelt und mit mehr oder weniger feinen Kunstgriffen um das Projekt selbst und seine Finanzierung gerungen.
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Die Natur in Touristengebieten muss viel aushalten; zu jeder Jahreszeit bekommt sie Besuch. Unterwegs sind dort Wanderer, Kletterer, Mountainbiker, Langläufer und alpine Skifahrer. Es kommen Extremsportler und Spaziergänger. Auf dem Feldberg finden außerdem noch sogenannte Events statt; am Samstag zum Beispiel eine Party namens Feldberg-Alarm mit Pistenbully-Parade und der Band Los Chrachos. Diese Verrummelung kollidiert mit dem Naturschutz.
Denn eigentlich ist der Feldberg ein Naturschutzgebiet mit seltenen Pflanzen und Tieren. Übrigens ziehen auch Flora und Fauna Touristen an. Die großen Massen allerdings, für die das Parkhaus gebaut werden soll, kommen im Winter, die meisten an den Wochenenden, und wollen skifahren. Nun verläuft nicht jede Wintersaison so erfreulich für die Liftbetreiber wie die vergangene, als die Lifte sechs Monate am Stück in Betrieb waren. In einem Durchschnittsjahr sind es weit weniger – ein Ergebnis auch des Klimawandels. Das Parkhaus aber steht immer herum – meist leer –, beleidigt das Auge und kostet Unterhalt. Es bringt anderen touristischen Nutzern nichts, und es ist nicht einmal gesagt, dass die Garage den Zweck erfüllt, für den sie gebaut werden soll. Denn für Hochbetrieb ist sie vermutlich zu klein. Wie alle derartigen Projekte dürfte sie überdies, was den Betreibern durchaus recht ist, zusätzliche Besucher anlocken. Wer aber nicht mit dem Auto zum Skifahren kommt und sich aus Partys und Remmidemmi nichts macht, braucht das Parkhaus nicht und fährt vielleicht sogar lieber anderswohin.
WAS HILFT GEGEN DAS VERKEHRSCHAOS?
Natürlich ist der Verkehr an schönen Wintertagen am Feldberg chaotisch; Abhilfe muss also sein. Nicht nur das baden-württembergische Umweltministerium hätte lieber eine andere Lösung gehabt. Dort dachte man an Shuttlebusse und an einen besseren öffentlichen Nahverkehr. Klar, dadurch würde das Problem teilweise nur verlagert. Doch müssten gerade die Schwarzwälder wissen, dass so etwas auch funktionieren kann: So weit sie Kurtaxe bezahlen, fahren Schwarzwaldtouristen kostenlos mit Bus und Bahn. Seither lassen drei Viertel der Dauergäste ihre Autos stehen.
Die Feldberggarage ist ökologisch und ökonomisch fragwürdig. Im Idealfall gelingt es Tourismusplanern dagegen, die berechtigten Interessen Erholungssuchender mit den ebenso berechtigten ökonomischen der einheimischen Bevölkerung zu vereinbaren und trotzdem die Natur nicht zu zerstören. Am Feldberg ist dieser Ausgleich nicht gelungen. Bevor eine Großgarage gebaut wird, braucht es ein Konzept und nicht nur die Idee, einen Notstand mit einem Griff in öffentliche Fördertöpfe bekämpfen zu wollen.
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Autor: Niklas Arnegger
