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21. Dezember 2012

Auf dem Weg zur Gemeinschaftsschule weichen Klassenstufen auf

Sommerberg-Werkrealschule beseitigt allmählich Barrieren und beginnt mit altersübergreifender Zusammenarbeit / Werkrealschüler als Paten der Grundschüler.

  1. Groß und klein gemeinsam im Schulalltag: Schülersprecher Jeanette Djoma und Dennis Wipf von der Sommerberg-Schule in Lenzkirch mit ihren Grundschulpatenkindern beim Weihnachtsliedersingen. Foto: Marion Pfordt

LENZKIRCH. Die Sommerberg-Werkrealschule will Gemeinschaftsschule werden. Eine Schule für alle Kinder des Einzugsgebiets. Sie will eine Schule sein, die alle Kinder ganz nach ihren individuellen Fähigkeiten zum erreichbaren Schulabschluss führt. Dieser Weg steht fest und so weicht sie die Barrieren zwischen den einzelnen Klassenstufen und auch zwischen Grund- und Werkrealschülern auf. Erste Schritte werden bereits während des Schulalltags gemacht.

Werkrealschüler holen die Grundschüler ab

Zu sehen war das unterhaltsame Ergebnis altersübergreifender Zusammenarbeit auf der Bühne der Festhalle in Lenzkirch bei einer Weihnachtsfeier, die zum ersten Mal in dieser Form stattfand. Ohne Eltern und Verwandten, nur im Verband der Schulgemeinschaft von Grund- und Werkrealschülern. Es sollte ein Fest von Schülern nur für sie alleine sein.

Vor dem gemeinsamen Fest holten alle "Großen" die "Kleinen" aus ihren Grundschulklassen ab und gingen zusammen Hand in Hand zur Festhalle. Die Erstklässler hatten Paten aus der fünften Klasse, und so weiter – die Viertklässler wurden von den neunten und zehnten Klassen betreut. Das wurde auch in den Reihen der Zuschauerplätze beibehalten, die Großen saßen zwischen den Kleinen, was zu einer relativen großen Ruhe in einem Saal voller Schulkinder führte. Das Programm war von allen Schülern, nicht von ihren Lehrern, selbst gestaltet und – auch von den Großen– auf den Geschmack der Kleinen abgestimmt worden, sodass alle die Vorstellungen genießen konnten.

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Maria Leufke begrüßte Schüler und Kollegium zur Feier im Namen der Schulleitung, denn Rektor Roland Willmann weilte bei der Bildungskonferenz in Stuttgart, noch lieber wäre er bei seinen Schülern gewesen. "Noten sind nicht alles", meint Beratungslehrerin Leufke, ein großer Schwerpunkt der Sommerberg-Schule liege auf der Sozialkompetenz, die bei der Festveranstaltung ein wichtiger Aspekt zum Gelingen bildete.

Durch das einstündige Programm führten die Schülersprecher Dennis Wipf und Jeanette Djoma. Auch die beiden Schülersprecher sind jeweils für zwei Grundschüler verantwortlich und nahmen ihre Patenkinder während des Programms mit auf die Bühne. Das kleine Theaterstück unter der Leitung von Lehrerin Anja Pforte, die auch ausgebildete Schauspielerin ist, war komplett selbst von den Schülerinnen und Schülern der Grund- und der Werkrealschule ausgedacht. Texte zum Auswendiglernen gab es nicht. Die Kinder überlegten sich eine Figur, die sie darstellen wollten und fügten diese in einen Zusammenhang mit den anderen kleinen Schauspielern und der gemeinsam erdachten Geschichte. Feen, Räuber, Weihnachtsmann, Rentiere und Hunde, jeder wurde im kurzweiligen fantastischen Stück gebraucht. Wer ein Instrument spielt und wollte, gab ein kleines Weihnachtslied zum Besten. Gesang, Klavier, Klarinette, Horn und Querflöte bereicherten das Programm.

Das Kollegium bildete spontan eine Band

Auch die Lehrer machten ganz nach ihren Talenten mit, spontan bildete sich eine Lehrerband. Viele der Lehrer sind erst seit diesem Schuljahr im Kollegium, so war lange gar nicht klar, wie viele aktive Musiker sich darunter befinden. Die Großen verfassten ein witziges Weihnachtsgedicht, ganz nach dem Geschmack der Grundschüler, die Anleitung zum Frechsein im Schulalltag und zur Gestaltung der Feiertage im Familienkreis kam auch schon bei den Erstklässlern gut an. Dass der Programmablauf ganz ohne Druck und ohne "erwachsenem" Ehrgeiz auf die Kinder entstand, war zu spüren. Alle Beteiligten machten aus vollem Herzen mit und freuten sich über den kleinen Bühnenerfolg. Beim Bewegungslied machten alle mit, auch die ganz "coolen" aus den oberen Klassen, die sich rührend um ihre kleinen Paten kümmerten und sie auch danach wieder an der Hand in ihre Klassen brachten.

Mit diesem Klassen übergreifenden Miteinander sollen Altersschranken abgebaut werden, die das soziale Gefüge stören könnten, "die Kleinen sollen keine Angst vor den Großen haben", erklärt Maria Leufke.

Autor: Marion Pfordt