Auf Kurs zur Gemeinschaftsschule

Marion Pfordt

Von Marion Pfordt

Sa, 01. Dezember 2012

Lenzkirch

Sommerberg-Schule Lenzkirch geht das Konzept der individuellen Schülerbetreuung an / Projekt erfährt breite Zustimmung.

LENZKIRCH. Die Sommerberg-Schule will Gemeinschaftsschule werden. Die moderne Schülerschaft an deutschen Schulen ist zunehmend heterogener. Das bedeutet, dass die Kinder derselben Klasse mit unterschiedlichsten Voraussetzungen, Vorbildungen und Fähigkeiten im Unterricht sitzen. Der Rektor der Sommerberg-Schule will mit dem sorgfältig ausgearbeiteten Konzept einer geplanten Gemeinschaftsschule, den individuellen Besonderheiten eines jeden Kindes Rechnung tragen.

Schulleiter Roland Willmann verfolgt das Ziel einer individuellen Schülerbetreuung im Rahmen einer Gemeinschaftsschule und neuen pädagogischen Lernformen mit seinem jungen Kollegium. Mit seiner Meinung, dass individuelles Lernen nötig sei, um gezielt die Fähigkeiten eines Kindes zu stärken und sinnvoll zu fördern, steht er nicht alleine. Weg vom altmodischen einheitlichen Frontalunterricht, hin zur kompetenzorientierten Wissenvermittlung in Lerngruppen und Lernateliers, die von "Lerncoaches" geleitet werden, nicht von Lehrern diktiert.

Neueste Erkenntnisse der Hirnforschung und die Ergebnisse verschiedener pädagogischer Studien belegen das, was Schüler und Eltern immer schon ahnten: Erfolgreiches Lernen funktioniert am besten in einer Umgebung ohne Druck und Angst. "Menschen sind keine Maschinen, sondern Individuen, denen auch das Lernen entgegenkommen muss", erläutert Willmann.

In einer funktionierenden Gemeinschaftsschule lernen Kinder fach- und altersübergreifend im eigenen Tempo und nach eigenem Schwierigkeitsgrad. In einer solchen Schule lernen Kinder länger gemeinsam als bislang in Baden-Württemberg üblich. Kompetenzorientiertes Lernen dürfe nicht mit einer uneffektiven Kuschelpädagogik verwechselt werden, erklärt Schulleiter Willmann. Es sei klares Ziel der Schule, die Kinder fit für ein Leben in unserer Leistungsgesellschaft zu machen. Die Schule wolle keine Einzelkämpfer erziehen. Teamplayern gehört die Zukunft.

In der Gemeinschaftsschule können je nach Fähigkeit, die Mädchen und Jungen den Hauptschul- oder der Realschulabschluss erzielen. Danach kann auf die umliegenden Gymnasien gewechselt werden, wo dann das Abitur gemacht werden kann. Der Druck soll aus den oft nicht konstruktiv aussagefähigen Notengebungen herausgenommen werden.

Zur besseren Differenzierung der Schülerleistung müssen Kleingruppen gebildet werden, in denen konzentriert gearbeitet wird. Um das effektiv umzusetzen, ist eine Gemeinschaftsschule mit besseren Ressourcen ausgestattet: Durch zusätzliche Wochenstunden ist differenziertes Arbeiten in Kleingruppen möglich.

"Wir wollen keine

Einzelkämpfer erziehen.

Teamplayern gehört

die Zukunft."

Roland Willmann
Die Lehrkräfte müssen dementsprechend vorbereitet sein. Roland Willmann bestätigt: "Wir erwarten Enormes von unseren Kollegen." Workshops, Fortbildungen und Zusatzausbildungen für die Lehrer braucht es, um die neuen Bildungswege einschlagen zu können. Die Schulleitung belegt ein Kontaktstudium "Lerncoaching und neue Lernkultur". Rund dreiviertel des Kollegiums habe sich, meist altersbedingt, in den vergangenen beiden Jahren gewandelt. Der Altersdurchschnitt im Lehrerzimmer liege deutlich unter 35 Jahren meint er, dennoch sei er überzeugt, dass ein Umdenken im Schulgebäude nicht nur mit jungen Kollegen möglich sei. Ein Junglehrer bringe aber das Wissen um die neuen Lernformen nach sogenannten Kompetenzrastern direkt aus dem Seminar mit.

Die Eltern der Schüler begrüßen die Veränderungen, die Roland Willmann bereits im laufenden Schulalltag eingeführt hat und zeigen ihm Unterstützung. Elternbeiratsvorsitzende Melanie Roski freut sich auf die Aussicht, bald eine Gemeinschaftsschule zu haben. Für die Familien ist es eine Vereinfachung, ihre Kinder nicht nach Bonndorf, Donaueschingen oder Neustadt in eine weiterführende Schule schicken zu müssen, bestätigt sie.

Seit November 2012 unterstützt eine Elterninitiative "Gemeinschaftsschule in Lenzkirch" die schulische Arbeit. Roland Willmannn geht wohlüberlegt und schrittweise den Weg der Schulumstellung an. Bereits seit Schuljahresbeginn wird an der Sommerberg-Schule die Grundschule mit der Werkrealschule stärker verzahnt. Im neu und modern gestalteten Lernatelier werden die Klassen 5 und 6 bereits in Mathe und Deutsch nach Kompetenzrastern nach Wochenplänen unterrichtet. Die Schülergruppen werden von zwei Lehrern (Lerncoaches) und einer pädagogischen Assistentin betreut.

Neue Lehrerarbeitsplätze wurden eingerichtet, die Teamarbeit unter den Pädagogen aufgebaut. Die Fachräume sind topmodern ausgestattet. Die heimischen Firmen unterstützen das Projekt. Die Firma Atmos spendete 20 hochmoderne Computer für das Lernatelier und die Fachräume. Durch die Vernetzung mit anderen Gemeinschaftsschulen und die Beratung und Begleitung einer Bildungsplankommission wird die Sommerberg-Schule gründlich auf das Projekt Gemeinschaftsschule vorbereitet. Die Schulleitung will keine Ablehnung riskieren. Den Antrag stellt Willmann erst zum Sommer 2013, die Gemeinschaftsschule soll dann ab dem Schuljahr 2014/2015 starten. Da das Ziel der Realschulabschluss ist, wird ab da nach dem Bildungsplan der Realschule unterrichtet, bis zum Schuljahr 2015/2016 dann ein einheitlicher Bildungsplan für alle Schularten geben wird. Die Gemeinschaftsschule wird auf das Einzugsgebiet Feldberg und Schluchsee angewiesen sein, um die Schülerzahl von 40 plus zu erreichen. Um diese zu gewinnen werden im Frühjahr 2013 Infoveranstaltungen zum Thema individuelles Lernen und Gemeinschaftsschule in Lenzkirch, Schluchsee und Feldberg stattfinden. Im März 2013 findet ein Tag der offenen Tür an der Sommerberg-Schule statt.