Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

13. Juli 2010 12:09 Uhr

Grosseinsatz

Gewitter wütet über Lenzkirch

Ein starker Gewitterregen mit Niederschlagsmengen, wie sie in Lenzkirch wohl noch keiner erlebt hat, setzte am späten Montagnachmittag das Haslachstädtchen unter Wasser.

"Land unter" hieß es von 16.30 Uhr an und bis gegen Mitternacht war die Gesamtfeuerwehr Lenzkirch mit 74 Mann an mehr als einem Dutzend Stellen im Einsatz, um voll gelaufene Keller auszupumpen, von Geröll verstopfte Dolen zu öffnen und die Zentimeter dick mit Sand, Kies und Schlamm bedeckten Fahrbahnen wieder frei zu bekommen. Den Rekordstand mit 67 Zentimetern Wasser im Keller gab es in einem Gebäude an der Kolumban-Kayer-Straße.

Trotz aller leidigen Wetterkapriolen gibt es auch eine gute Nachricht zu vermelden: Alle Feuerwehrmänner, so Kommandant Martin Metzger, haben ihren Einsatz zwar nass aber ansonsten unversehrt überstanden. Gerade bei voll gelaufenen Kellern ist das Gefahrenpotenzial, das vom Strom ausgeht, nicht zu vernachlässigen. Die Zusammenarbeit mit dem Energiedienst habe aber gut geklappt. Mehrere Häuser in der Kolumban-Kayser-Straße sind vorübergehend vom Netz genommen worden. Dies war auch nötig, denn in einem Haus sprudelte dass Wasser aus dem Panzersicherungskasten in den Keller.

Werbung


Als Martin Metzger am Montag nach 16 Uhr die riesigen weiß-grauen Wolkentürme über dem Pflumberg sah, schwante ihm schon Böses. Der Feuerwehrkommandant nahm sich für diesen Abend dann nichts mehr vor. Das schwere Unwetter sorgte dafür, dass alle südlichen Bachläufe wie das Herrgottsbächle am Trenschel, Schächelebach und der Schliechtbach plötzlich reichlich Wasser führten und diese Wassermassen das Städtle überfluteten. Mit Hacke und Schaufel öffneten die Feuerwehrmänner die Dolen wieder und beseitigten das verstopfende Geröll.

Um 16.30 Uhr ging die erste Alarmierung ein und um 22.30 Uhr die letzte aus der Feriensiedlung am Ruhbühl. Ein Schwerpunkt der Einsätze war die Kolumban-Kayser-Straße, wo die Anwesen 14 bis 17 von den Wassermassen überflutet worden sind. Bei der angrenzende Testo AG auf der anderen Straßenseite war die Produktion vom Unwetter nicht betroffen.

"Land unter" hieß es auch im Kurhaus. Nicht die Wassermenge, sondern, dass man das Wasser nicht weggebracht habe, sei das Problem gewesen, so Metzger. Die Terrasse überflutete und über die Treppe stürzte das Wasser in die Kurmittelabteilung hinab. Erst ein im Kurpark gezogener Graben hielt das vom Urseebach kommende Wasser auf. Auch der Weiher beim Kurhaus ist teils auf die Terrasse übergeschwappt.

Einzelne Einsätze waren auch in den Ortsteilen Kappel und in Saig nötig. In Saig galt es in Mühlingen, wo die Saiger Steig in die B 315 einmündet, die Bundesstraße von Geröll und Schlamm, der Zentimeter hoch auf der Fahrbahn lag, wieder zu säubern.

Feuerwehrkommandant Metzger, der schon das Hagelunwetter 2003 und die Regen- und Schneekatastrophe 1990/91 erlebte, kann sich nicht erinnern, schon einmal ein Gewitter von diesem Ausmaß erlebt zu haben. Dementsprechend waren alle in der Feuerwehrausrüstung zur Verfügung stehenden Pumpen und Wassersauger im Einsatz. Selbst aus der Kläranlage konnten zwei Pumpen andernorts eingesetzt, für Entlastung sorgen. Die sieben Tauchpumpen schaffen rund einen Kubikmeter Wasser pro Minute weg und die fünf Wassersauger waren dort im Einsatz, wo das Wasser nur wenige Zentimeter hoch in den Kellern stand. Auf den in Neustadt bereitstehenden Rollcontainer, auf den die Feuerwehren im Hochschwarzwald Zugriff haben, wenn das eigene eingesetzte technische Gerät nicht mehr ausreicht, brauchten die Feuerwehren in Lenzkirch aber nicht zurückgreifen, so Metzger.

Für Bürgermeister Reinhard Feser, nahm der informelle Besuch auf der Großbaustelle des Badeparadieses in Titisee-Neustadt, zu dem Investor Wund am Montagnachmittag die Bürgermeister und die Gemeinderäte aus dem Hochschwarzwald eingeladen hatte, ein vorzeitiges Ende, als ihn die Nachricht von den Überschwemmungen erreichte. Die Gemeinde habe Schäden im Kurhaus sowie an Straßen und Wegen erlitten, die ausgeflösst worden sind. Im Kurhaus sei das Wasser etwa 20 Zentimeter hoch in der Kurmittelabteilung gestanden. Die Pächterin dort musste am Dienstag zumindest alle Termine absagen. Das Wasser stelle dabei nicht das größte Problem dar, sondern der vom Wasser mitgeführte Sand und Matsch verunreinige alles. Es bedürfe sicher einer sorgfältigen Grundreinigung, bis in der Kurmittelabteilung der Betrieb wieder aufgenommen werden kann. Inwieweit davon auch Möbel oder anderes in Mitleidenschaft gezogen worden ist, das konnte am Tag danach noch niemand mit Sicherheit sagen.

Auch die Schadenshöhe lässt sich nur schwer schätzen. Nach Angaben des Bauhofleiters Hartwig Frank, rechnet er allein an der Schloß-Urach-Straße, die unterspült worden ist mit Reparaturkosten in Höhe von bis zu 15 000 Euro. Dazu addieren sich der Aufwand für das Auffüllen der Bankette an den ausgeschwemmten Straßenrändern. Ausgeschwemmt worden ist auch der Fußweg von der Schloß-Urach-Straße zur Sommerberg-Schule. Wie hoch der vom Unwetter angerichtete Schaden für die Gemeindekasse ist, lasse sich noch nicht sagen, erklärte Bürgermeister Feser gestern morgen, der Schaden sei der Versicherung gemeldt worden und begab sich dann mit Bauhofleiter Hartwig Frank auf ein "Städtle-Tour", um die Schäden in Augenschein zu nehmen.

Mehr zum Thema:

Autor: Ralf Morys