Mit Wasserkraft Energie erzeugen

Ralf Morys

Von Ralf Morys

Do, 06. November 2014

Lenzkirch

Kleines Wasserrad misst die Strömungsgeschwindigkeit in der Haslach / Bürgerenergie Lenzkirch sammelt Werte über ein Jahr.

LENZKIRCH. Einst klapperte die Schleifenmühle an der rauschenden Haslach. Seit Dienstag ist dort ein kleines Wasserrad fest verankert, das sich ein Jahr lang drehen soll und für die Bürgerenergiegenossenschaft Lenzkirch die Strömungsgeschwindigkeit messen wird. Diese von einem Fahrradtacho ermittelten und gespeicherten Werte sollen Aufschlüsse bringen, ob sich dort die Wasserkraft der Haslach wieder nutzen lässt. Statt einer Mühle würde die Bürgerenergie gerne ein Wasserrad zur Energiegewinnung installieren.

Unternehmer und Bürgermeisterstellvertreter Johannes Metzger hat der Bürgerenergie Lenzkirch das Dach seiner Maschinenhalle in Raitenbuch für die Installation einer Photovoltaikanlage zur Verfügung gestellt. Sein Einverständnis hat Metzger aber mit der Bedingung verknüpft, dass die Energiegenossen auch was in Sachen Nutzung der Wasserkraft unternehmen. Dies geschieht nun.

Beteiligt an der Erkundung der Wasserkraft ist auch das Ausbildungszentrum von Mesa Parts. Dort haben die Auszubildenden aus dem ersten und zweiten Lehrjahr das Wasserrad gebaut und mit einem Fahrradtacho ausgestattet, der die Fließgeschwindigkeit der Haslach misst und speichert. Das metallene Wasserrad ist auf Holz gestellt, so dass es sich den unterschiedlichen Wasserständen anpassen kann. Außerdem legten die Auszubildenden eine Tabelle an, mit der die Wasserkraft aus den Faktoren Strömungsgeschwindigkeit und Pegelstand der Haslach errechnet werden kann.

Am Dienstagnachmittag holten Johannes Metzger und Uwe Krebs das Wasserrad im Ausbildungszentrum bei Mesa Parts ab und Metzger verankerte es an Ort und Stelle in der Haslach. Grob geschätzt, so Johannes Metzger, fließen aktuell bis zu 600 Sekundenlitern vorbei, ab 400 Sekundenlitern wäre die Energiegewinnung mittels eines Wasserrades interessant, sagen Fachleute. Metzger erwartet, dass die Haslach hier im Jahresschnitt rund 800 Sekundenliter vorbeiführt.

Bei solch einem Wert kann es sich Metzger vorstellen, dass mit einem Wasserrad dann Energie erzeugt werden könnte. Technisch ist dies einfach zu lösen. Das Wasserrad würde eine Triebwelle antreiben, die direkt ins Generatorenhaus führt und aus der Kraft des Wassers dann Energie erzeugt, welche ins Netz eingespeist wird. Das Wasserrad könnte so viel Energie erzeugen wie eine große PV-Anlage an sonnigen Tagen, zwischen 25 und 50 Kilowatt. Und dies an allen und nicht nur an sonnigen Tagen.

Das sich drehende Wasserrad führt dem Wasser auch mehr Sauerstoff zu, was die Artenvielfalt fördern könnte, so Metzger. Deshalb erwartet er auch keine unüberwindlichen Hürden seitens des Naturschutzes, sollte das Vorhaben umgesetzt werden wollen.

Zuvor allerdings müssen die Werte stimmen. Dazu müssen zweimal die Woche die im Fahrradtacho gespeicherten Werte ausgelesen werden. Nach dem Aufstellen des Wasserrads, floss das Wasser der Haslach mit 6,8 Stundenkilometern ungenutzt der Wutach entgegen.