Seltene Gäste flattern ins späte Scheinwerferlicht

Bernhard Kleine

Von Bernhard Kleine

Sa, 18. August 2018

Lenzkirch

Vom Insektensterben sind auch die Nachtfalter betroffen / Im Urseetal sind noch einige Exemplare von Nachtschmetterlingen zu sehen, die auf der Roten Liste stehen.

LENZKIRCH. Vielleicht haben sich schon viele Autofahrer gewundert, warum ihr Wagen nach einer Nachtfahrt so sauber geblieben ist. Der Blutzoll, den früher die Insekten und vor allem die Nachtfalter gezollt haben, weil sie von den Scheinwerfern angelockt wurden, wird kleiner. Nicht nur Bienen und Schmetterlinge, die wir tagsüber sehen, sondern auch die viel häufigeren Nachtfalter leiden unter der Verringerung von Wiesen und Weiden.

Eine verlässliche Antwort auf das Schwinden der Nachtfalter können nur intensive Studien geben, die gerade zur Aktualisierung der Roten Listen ausgeführt werden. Dazu müssen Hobbyschmetterlingsforscher ihre Funde beispielsweise dem Landesamt Schmetterlinge Baden-Württemberg beim Naturkundemuseum in Karlsruhe melden.

Baden-Württemberg war das erste Bundesland, in dem solche Meldungen systematisch erfolgten. Das wurde zuerst von Rheinland-Pfalz, dann von Nordrhein-Westfalen übernommen und ist jetzt auf ganz Deutschland ausgedehnt.

Wenn man abends bei Beginn der Dunkelheit eine Terrassenlampe anschaltet, fliegen viele Nachtfalter ans Licht. Am häufigsten sieht man Kleinschmetterlinge aus den Familien der Zünsler und Wickler. Manche von diesen Tieren sind gerade mal fünf bis zehn Millimeter lang, andere wie der Nesselzünsler sehen schon aus wie gewohnte Schmetterlinge. Man darf die Zünsler nicht generell für schädlich halten, weil der Buchsbaumzünsler die Buchsbaumhecken befällt, der Brennnesselzünsler, die Catopria- oder Crambus-Arten sind einfach nur schön anzusehen, wenn man sie denn überhaupt beachtet. Selbst wer schon länger Nachtfalter am Licht beobachtet, findet immer wieder neue Arten. Im Juli war das Grüne Blatt zum ersten Mal zu Besuch im Urseetal. Auch die Olivbraune Zünslereule flog vorbei. Von letzterer gibt es noch keine Fundmeldungen in Lenzkirch. Bereits im Juni suchten den nächtlichen Lichtschein die Heidelbeer-Schnabeleule (ein Erstfund für Lenzkirch), ein Möndchenflecken-Bindenspanner (ein Erstfund fürs Urseetal), der Nachtschwalbenschwanz und die Messingeule den Lichtschein auf. Auch der Schönbär wird sonst eher am Tag gefunden.

Die größte Überraschung gab es im Mai, als sich ein Kleiner Weinschwärmer, größer als alle Eulen oder Spanner, zeigte oder ein extrem großes Weibchen vom Brombeerspinner ihre Eier an die Wand heftete. Die Reste kann man jetzt noch finden. Dies sind alles Zufallsfunde, denn die Falter müssen ans Licht fliegen. Bei einem Versuch mit einer Lampe im Wald am 29. Juli stellten sich 35 verschiedene Großschmetterlinge ein, unter anderem ein Brauer Bär. Viele der im Urseetal aufgetauchten Nachtfalter stehen bereits auf der Roten Liste der bedrohten Arten.

Falterbeobachtungen kann jeder auf http://www.schmetterlinge-d.de melden.