Bauen

Es ist unmöglich, "günstigen" Wohnraum zu schaffen

Patrick Hangs, Diplom-Ingenieur

Von Patrick Hangs, Diplom-Ingenieur (Lahr)

Mo, 02. Juli 2018

Leserbriefe

Zu: "Streit ums Bauen", Agenturbeitrag (Politik, 21. Juni)

Ja, wie lässt sich günstiger Wohnraum schaffen? Diese Frage wird uns häufig gestellt. Die Antwort lautet: Was wir als "günstig" verstehen, lässt sich aktuell aufgrund einer Vielzahl von (zum größten Teil überzogenen) Vorschriften nicht erreichen. Da ist nicht allein die Fassaden- und Dachbegrünung und die Verpflichtung, Fahrradstellplätze zu schaffen, daran schuld, aber eben auch.

Zu den Ursachen erhöhter Baukosten durch öffentlich-rechtliche Vorschriften gehören im Bereich der Mehrfamilienhäuser noch die Vorschriften zum barrierefreien Bauen, neue Schallschutzvorschriften und ganz besondere die aktuelle Energieeinsparverordnung in Verbindung mit dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz, erhöhte Brandschutzvorschriften und die im Bericht zitierte Landesbauordnung. So sind in Mehrfamilienhäusern mit mehr als zwei Wohneinheiten in einem Geschoss die Wohnungen barrierefrei zu errichten. Auch die Pflicht zur Schaffung von Kinderspielplätzen gehört zu diesen teuren Vorschriften.

Vielerorts kommen dann noch Bebauungspläne mit Vorgaben zur Grünflächenzahl, zur Begrünung, zur Versickerung, zur Regenwassernutzung, zu Einfriedungen und so weiter hinzu. Alle diese Punkte zählen zu den Kostentreibern bei der Schaffung von Wohnraum. Ausnahmen zu diesen Vorschriften gibt es auch nicht für den sozialen Wohnungsbau. Wenn wir Planer sämtliche Vorschriften einhalten, wozu wir verpflichtet sind, ist es unmöglich geworden, "günstigen" Wohnraum zu schaffen. Daher ist es an der Zeit, all diese Kostentreiber zu untersuchen und zu überarbeiten. Nur so können wir den Weg steigender Baukosten aufhalten.

Patrick Hangs, Diplom-Ingenieur, Lahr