Beantworteter Leserbrief

Leserfrage: Warum werden Flüchtlinge nicht als Erntehelfer eingesetzt?

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 09. August 2018 um 16:28 Uhr

Müllheim

Für Bauern wird es immer schwieriger, Arbeitskräfte für die Ernte zu finden. Eine Leserin fragt, warum Flüchtlinge ihnen bei dieser Tätigkeit nicht helfen können. Wir haben nachgefragt.

Warum werden nicht Flüchtlinge eingesetzt, die erstens froh über eine Tätigkeit wären und zweitens dazu noch keine hundertprozentige Sprachkenntnisse erforderlich sind?
Dorothea Bernhard, Müllheim
Der Leserbrief bezieht sich auf den BZ-Artikel "Landwirte bangen um Erntehelfer" vom 12. Juli.

Die Redaktion hat diesen Leserbrief zum Anlass genommen, einmal beim Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband nachzufragen. Von dort kam zusammengefasst folgende Antwort:

"Prinzipiell müssen vor der Einstellung von Geflüchteten hohe bürokratische Hürden (Arbeitsrecht, Arbeitserlaubnis) überwunden werden, und teilweise ist eine Einstellung schlichtweg nicht möglich. Der Maschinenring Breisgau vermittelt Saisonarbeitskräfte an Sonderkulturbetriebe in der Region, hier habe man die Vermittlung geprüft, aber aufgrund des hohen organisatorischen und bürokratischen Aufwandes von einer Umsetzung abgesehen.

Eine Art Praktikum wäre möglich, aber dies sollte ja berufsvorbereitend sein beziehungsweise auch der Integration dienen, dafür ist die Arbeit als Erntehelfer aber nicht geeignet. Denn dort können Deutschkenntnisse nicht erworben werden, da hauptsächlich Osteuropäer auf den Feldern arbeiten. Zudem sind die Betriebe nicht auf teilweise traumatisierte Personen eingestellt und können hier auch keine Integration leisten. Und schlussendlich bietet die Saisontätigkeit keine langfristigen Perspektiven.

Erfahrungen haben außerdem gezeigt, dass wenn solche Beschäftigungsverhältnisse zustande kommen, diese nicht selten vorzeitig aus Eigeninitiative der Arbeitnehmer beendet wurden. Ähnliche Erfahrungen wurden auch bei der Einstellung von (deutschen) Langzeitarbeitslosen gemacht. Hier sollte außerdem beachtet werden, dass viele Geflüchtete selbst aus urbanen Raum kommen und mit der Landwirtschaft kaum Berührungspunkte bestehen."

Mehr zum Thema: