Der Neubau des Stadtteils dient nicht dem Allgemeinwohl

Walter Oberkirch

Von Walter Oberkirch (Glottertal)

Do, 08. November 2018

Leserbriefe Freiburg

Zu: "Ein weites Feld", BZ vom 25. Oktober:
Bei der Diskussion zum geplanten Stadtteil Dietenbach wird immer wieder betont, vor allem von der Lokalredaktion der Badischen Zeitung, dass der Gemeinderat sich mehrheitlich für die Bebauung des Geländes entschieden habe. Und jetzt werden Unterschriften gesammelt für ein Bürgerbegehren, das diese Entscheidung rückgängig machen will.

Vor langer Zeit, etwa um 1900, gab es den Willen der damaligen Stadtverordneten, das Schwabentor und das Martinstor abzureißen, um die Straßenbahn zweispurig in die Stadt führen zu können. Damals gab es kein Bürgerbegehren, aber Oberbürgermeister Winterer, der von 1888 bis 1913 die Geschicke der Stadt lenkte, hat das verhindert. Man sieht daran, dass auch die Weisheit einer Stadtratsmehrheit begrenzt sein kann.

Der Stadtteil Dietenbach soll 15 000 Menschen aufnehmen. Die Geburtenrate der einheimischen Bevölkerung wird in den nächsten Jahren wohl kaum um diese Zahl zunehmen. Woher kommen dann die vielen Menschen? Auch da hilft der Blick in die Geschichte.

Unter besagtem Bürgermeister Winterer wurden die Stadtteile Wiehre und Herdern gebaut. Es kamen Menschen aus dem ganzen Deutschen Reich, in der Mehrzahl wohlhabende Pensionäre. Die Stadt bekam den Beinamen Pensionopolis.

Die Situation heute ist vergleichbar. Die Leute, die nach Freiburg wollen, haben alle eine Wohnung, sie sind nicht in Not. Auch kommen sie nicht, weil sie in Freiburg günstigere Mieten erwarten. Sie kommen, weil Freiburg eine Wohlfühlstadt ist.

Das Klima ist besser, die Natur bietet alles, von den Reben am Kaiserstuhl bis zum Skisport auf dem Feldberg. Und Arbeitsplätze gibt es auch.

Die städtische Kommunalpolitik ist dem Allgemeinwohl verpflichtet. Sie ist nicht dem Wohlfühlgedanken derer, die zu uns kommen wollen, verantwortet. Die Landwirte im Dietenbachgelände sollen dem Luxusbedürfnis der Zuzügler weichen. Die Idee einen neuen Stadtteil zu bauen dient allein der Vergrößerung der Stadt. Wollen wir Freiburger das? Die Dietenbach-Niederung ist Überschwemmungsgebiet. Um dort bauen zu können müssen aufwendigste Maßnahmen durchgeführt werden. Im Bohrertal, oberhalb von Günterstal muss ein Staudamm für ein Regenrückhaltebecken gebaut werden. Auch dort verliert ein Landwirt möglicherweise die Existenz.

Der Baugrund selbst muss um 3m aufgeschüttet werden, ebenfalls wegen möglichem Hochwasser Das sind aberwitzige Maßnahmen, die jeden vernünftigen Rahmen sprengen. Der Grundstückspreis, den die privaten Besitzer bekommen sollten, wurde zunächst auf 15 Euro pro Quadratmeter festgesetzt. Das war nicht erfolgversprechend. Dann wurde er auf 65 Euro erhöht. Und die Eigentümer, die nicht verkaufen wollen, sollen enteignet werden.

Die Menschen, die hiesige Bevölkerung, hat keinen Nutzen von dem Projekt. Der Neubau des Stadtteils dient nicht dem Allgemeinwohl und ist deshalb abzulehnen. Walter Oberkirch, Glottertal