Siegesdenkmal

Die Politik hat in voller Breite versagt

Bettina Eichin, Vogtsburg/Oberrotweil

Von Bettina Eichin, Vogtsburg & Oberrotweil

Mo, 12. Februar 2018

Leserbriefe Freiburg

Das Siegesdenkmal und sein neuer Platz in der Blickachse der Kaiser-Joseph-Straße beschäftigt weiter die Leser.
Als wir 1969 nach Freiburg kamen, war gerade das Siegesdenkmal vom Zentrum der Stadtachse aus verkehrstechnischen Gründen in die Allee seitlich versetzt worden. Einige störten sich damals sehr an der Verlegung, was uns junge Leute sehr wunderte. Da schlief das Denkmal, das 1876 errichtet wurde, unauffällig vor sich hin. Bis wieder die Verkehrsplaner das Sagen hatten. Mir kann doch niemandem sagen, dass es nicht möglich war, das Denkmal mit Schienen zu umfahren, Platz ist doch da genug, der Verkehr soll in dieser Zone sowieso weniger und beruhigt werden. Es gibt ja auch andere Hindernisse in der Stadt, die einige Kurven bedingen. Die Erweckung des Siegesdenkmals am ursprünglichen Standort mag aus denkmalpflegerischer Sicht erklärbar sein, aber es ist nicht Aufgabe des Gemeinderates und der Stadtregierung, der Einfachheit halber nur diesem Aspekt und dem der Verkehrsplaner zu folgen.

Es gibt auch Grundsätzliches, Ethisches, Gestalterisches bei einem historischen Denkmal, eigentlich bei allem, was in der Stadt geändert wird, zu bedenken. Beim Synagogenplatz, als die Fundamentsteine auftauchten, lief die begonnene Diskussion sehr schnell durch Abtragen der Fundamentsteine ins Leere. Beschlossen ist beschlossen, die Planung läuft, nur keine Verzögerungen, das kostet Geld. Da und dort kann dann etwas inhaltlich und optisch mit Infotafeln nachgebessert werden. Genauso beim Siegesdenkmal, die Diskussion wurde durch voreilige Sockelarbeiten erstickt, es wurden sehr schnell Tatsachen geschaffen wie beim Synagogenplatz. Auch hier sollen es Namensgebung des Platzes und Infotafeln richten.

Bei den Bäumen am Bahnhof ging es noch krasser und schneller zu, die Bäume waren einfach weg. Nur da können weder Namensgebung eines Platzes noch Infotafeln verpasste Ankündigungen und Diskussionen in der grünen Stadt Freiburg ersetzen.

Das sind die drei großen Ereignisse, die sehr viele Menschen über Freiburg hinaus bewegt und eine grundsätzliche Vertrauenskrise ausgelöst haben. Geschichte, Erinnerung, Gedenken, Bäume: Die Politik hat in voller Breite versagt – nicht Planung und Verwaltung, diese vollenden nur. Für den Platz schlage ich den Namen Bertha-von-Suttner-Platz vor. Sie arbeitete für Alfred Nobel und von ihr kam die Anregung für den Friedensnobelpreis, den sie dann selber 1905 als erste Frau bekommen hat. Sie starb am 21. Juni 1914. Am 28. Juli begann der Erste Weltkrieg. Am 31. Juli 1914 wurde der französische Historiker, Politiker und Pazifist Jean Jaurès in Paris von einem Nationalisten ermordet.

Die Waffen nieder, dieses Thema ist so aktuell wie seit dem letzten Krieg nicht mehr und verlangt Taten.

Bettina Eichin, Vogtsburg/Oberrotweil