Kita-Plätze

Eltern fühlen sich hin- und hergerissen wie nie zuvor

Stefanie Etzold, Freiburg

Von Stefanie Etzold & Freiburg

Mo, 12. Februar 2018

Leserbriefe Freiburg

Zu den fehlenden Plätzen in der Betreuung von Kleinkindern schreibt eine BZ-Leserin ("Freiburg fehlen 560 Kita-Plätze", BZ vom 23. Januar).
Mit ungläubigem Erstaunen habe ich den Artikel vom 23. Januar gelesen, dass Freiburg 560 Kita-Plätze fehlen und jeder Platz mit 500 Euro subventioniert werden muss. Wie wäre es denn, wenn die Gesellschaft und Wirtschaft mal umdenken und die Familienerziehung von Kleinkindern fördert, so dass Familien ohne großen finanziellen Druck eine echte Wahlmöglichkeit zwischen Fremd- und Eigenbetreuung hätten? Durch mehrere Studien ist bestätigt, dass fremdbetreute Kinder vermehrt zu Verhaltensproblemen neigen, der Cortisolspiegel (Cortisol = Stresshormon) ansteigt und sie zu stresssensitiven Erkrankungen neigen.

Damit es zu keinem Fachkräftemangel kommt, fordert die Wirtschaft, dass beide Elternteile sofort wieder beruflich einsteigen sollen. Dadurch fühlen sich Eltern hin- und hergerissen wie nie zuvor. In der Realität sind auch Beruf und Familie meist schwer miteinander zu vereinbaren. Ständig ist ein Kind krank, das steckt wiederum die Eltern an, die wiederum wollen schnellstmöglichst zurück zur Arbeit, bringen das halbgesunde Kind in die Kita, das wiederum andere Kinder und Erzieherinnen oder Erzieher ansteckt.

Mein Mann und ich haben uns bewusst entschieden, auf etwas mehr Geld zu verzichten, und die Kinder bleiben die ersten drei Jahre daheim. Ich als Mutter bin voll ausgelastet mit Haushalt, Hausaufgabenbetreuung, Arztterminen, Freizeitaktivitäten und so weiter. Ist ein Kind krank, kann es sich daheim auskurieren, bis es wieder richtig gesund ist. Meine Tochter ist bei allem dabei und so lernt sie sehr viel vom alltäglichen Leben. Außerdem nehme ich mir bewusst Zeit, mit ihr Bücher anzuschauen, zu puzzeln oder durch Pfützen zu springen. Die Zeit mit kleinen Kindern ist für Mutter und Kind so wichtig und intensiv und leider viel zu schnell vorbei, als dass es den ganzen Tag in einer Kita verbringen sollte.

Wir Eltern haben uns doch für unsere Kinder entschieden, denn sie sind unsere Zukunft und brauchen unsere persönliche Zuneigung, Zuwendung und Liebe. Sollten wir dann nicht alles für sie tun und ihnen den Start ins (später eh stressige) Leben so angenehm und kindgerecht wie möglich zu machen? Daher meine Anregung, auch für Mütter, die ihre Kinder in den ersten Lebensjahren zu Hause betreuen, mehr Unterstützung und Hilfe.

Stefanie Etzold, Freiburg