Jede Fläche, auf der gebaut wird, ist immer ein Kompromiss

Sebastian Müller

Von Sebastian Müller (Freiburg)

Fr, 12. Oktober 2018

Leserbriefe Freiburg

Zu: "Erste Unterschriften gegen Dietenbach", BZ vom 27. September:
Die Bürgerinitiative "Rettet Dietenbach" hat 1000 Unterschriften für einen Bürgerentscheid über die Bebauung der Dietenbachniederung übergeben. Ihr Ziel ist es, einen Bürgerentscheid zu erzwingen. In diesem sollen die Bürger*innen Freiburgs sich gegen den Neubau eines neuen Stadtteils Dietenbach entscheiden.

Weniger Bauen und dazu noch auf der "Grünen Wiese" oder in diesem Fall auf Ackerland, Wiese, Wald und Aue klingt erstmal ökologisch, oder?

Auch nicht. Nach wie vor werden Menschen in die Region Freiburg ziehen, weil es hier viele (offene) Arbeitsplätze gibt. Das sorgt für steigende Mieten. Aber auch dafür, dass Menschen längere Pendlerwege in Kauf nehmen. Pendeln mit dem Auto ist erstmal schlecht für die Umwelt, die eigene Gesundheit und den Geldbeutel. Sie wohnen dann außerhalb "im Grünen", in Einfamilienhaussiedlungen, die mehr Platz und Ressourcen verbrauchen als urbaner Geschosswohnungsbau.

Gleichzeitig wird der Druck auf andere Flächen, wie St. Georgen West oder den Flugplatz zunehmen. Wer Unterschriften gegen eine Bebauung des Dietenbach sammelt, der läuft Gefahr, dass sich ganz neue Allianzen für die Bebauung dieser Flächen bilden werden.

Auch in der Nachverdichtung werden dann sicher Abstriche bei der Wohnqualität, zugunsten einer hohen Dichte, erfolgen. Dies und weiter steigende Mieten sind für den sozialen Zusammenhalt abträglich.

Jede Fläche, auf der gebaut wird, ist immer ein Kompromiss mit Vorteilen und Nachteilen. Bevor man aus dem Bauch heraus unterschreibt, sollte man abwägen. Die Befürworter und Stadtverwaltung müssen ihre Argumente offensiv darlegen.

Ich werde beim Bürgerbegehren nicht unterschreiben und auch nicht gegen einen neuen Stadtteil stimmen.

Sebastian Müller, Freiburg