Geplanter Stadtteil Dietenbach

"Liebe Stadträte, bitte aufwachen und nochmals genau und ehrlich die Berechnungen durchgehen"

Monika Falkner, Franz Kiefer, Fabian Falkner, Jürgen Basler, Herbert Müller, Hans Knörlein, Klaus Schitterer (alle St. Georgen); Martin Linser, Erwin Wagner (beide Opfingen); Eugen Lorenz, Georg Vonderstrass (beide Freiburg); Bernhard Sauter , Walter Risch

Von Monika Falkner, Franz Kiefer, Fabian Falkner, Jürgen Basler, Herbert Müller, Hans Knörlein, Klaus Schitterer (alle St. Georgen); Martin Linser, Erwin Wagner (beide Opfingen); Eugen Lorenz, Georg Vonderstrass (beide Freiburg); Bernhard Sauter & Walter Risch

Mo, 10. Oktober 2016

Leserbriefe Freiburg

Zum geplanten Stadtteil Dietenbach ("Dietenbach ist machbar, aber teuer" und "Ein großes Stück Zukunft", BZ vom 14. September, melden sich sich mehrere Leserinnen und Leser, darunter auch einige betroffene Landwirte.

Baugebiet ohne Baugrund? Die Stadt plant groß, und zwar auf Grundstücken vieler privater Eigentümer. Darunter sind Landwirte, die mit den Äckern ihr Einkommen erwirtschaften müssen. Als Kaufpreis bietet die Stadt 15 Euro (die auch noch zu versteuern wären), andernfalls droht Enteignung? Man erinnere sich – wir haben in Freiburg die Grünen an der Macht. Und das Umweltbundesamt und das Land Baden-Württemberg sprechen von der dringlichen Aufgabe, Böden und Landschaft zu erhalten.

Wenn man sich die Gemeinderats-Drucksache von 2012 (eine Grundlage des Beschlusses für Dietenbach) genau anschaut, wird man stutzig, ja sogar wütend. Denn: Der darin behauptete zusätzliche Baubedarf von 16 000 Wohnungen bis zum Jahr 2030 beruht zu fast 60 Prozent (also 9000 Wohnungen) nur auf der unnötigen Ursache "Zunahme der Pro-Kopf-Wohnfläche" der Freiburger Bevölkerung. Die angenommene Zunahme von 0,2 Quadratmeter pro Jahr und Person bedeutet innerhalb von 15 Jahren einen Zuwachs von drei Quadratmetern für alle Einwohner Freiburgs. Dieser Phantasiebedarf an Wohnungen ist ein Taschenspielertrick der Stadt, um den Bedarf für einen Neubaustadtteil Dietenbach mit 5000 Wohnungen herbeizuzaubern. Die für die wachsende Bevölkerung nötigen neuen Wohnungen können mehr als genug mit dem laufenden Flächennutzungsplan und den sowieso bestehenden Baurechten errichtet werden.

Unglaublich ist die Ignoranz der Stadtoberen in puncto Flächen- und Ackerverbrauch, Verdrängung von Landschaft und Naherholungsgebiet, Inkaufnahme von Existenzgefährdung einiger Landwirte und deren Familien. Finden sich da keine Alternativen? Doch, die gibt es: Aufstockungen, Genehmigung für höhere Bauten, mehr Wohnungen statt teilweise leerstehender Büros, Überbauung großer Parkplatzflächen. Aber die Alternativen machen halt Arbeit. Am großen freien Reißbrett der Landwirtschaftsvernichtung plant sich’s klar leichter.

Bauen auf der grünen Wiese vor der Stadt – das kann doch so nicht weitergehen, bitte liebe Stadträte – aufwachen und nochmals genau und ehrlich die Berechnungen durchgehen! Auch unsere Kinder, Enkel und Urenkel wollen noch ein Stückchen Land um sich haben und ihr Fahrrad im Grünen nutzen, ohne ins Auto steigen zu müssen.

Und wo sollen denn die Ausgleichsflächen herkommen? Auch wieder von den Landwirten? Na klar! Möglichst günstiger Wohnraum? Eine Farce – auch diese Wohnungen werden nach einigen Jahren aus der Mietpreisbindung herausfallen und zu höchstmöglichen Preisen vermietet oder verkauft. Und mit Quadratmeter-Bauland-Preisen um 600 bis 830 Euro ist sowieso kein "günstiger" Wohnraum zu verwirklichen. Abgesehen von der Riesenfinanzlücke bei der Stadt, die auf Kosten von Qualität im Stadtteil noch geschlossen werden soll – na toll!

Weiß das alles jeder, der vom "Muss" für Dietenbach spricht? Ein Umwelt- und Sozialskandal? Gewinner: einzig die Bauunternehmen.



Monika Falkner, Franz Kiefer, Fabian Falkner, Jürgen Basler, Herbert Müller, Hans Knörlein, Klaus Schitterer (alle St. Georgen); Martin Linser, Erwin Wagner (beide Opfingen); Eugen Lorenz, Georg Vonderstrass (beide Freiburg); Bernhard Sauter (Au), Walter Risch (Umkirch)