Neuer Stadtteil Dietenbach

Lieber CDU-Ortsverband, da haben Sie aber einen beträchtlichen Bock geschossen

Dorothee Preisendanz

Von Dorothee Preisendanz (Freiburg)

Fr, 12. Oktober 2018

Leserbriefe Freiburg

Zu "Erste Unterschriften gegen Dietenbach", BZ vom 27. September:
Die St. Georgener CDU empfiehlt den Bewohnerinnen und Bewohnern ihres Stadtteils, die Kampagne zu einem Bürgerentscheid Dietenbach nicht zu unterstützen. Der Ortsverband wirft denen, die sich gegen die Ausweisung des Neubaugebiets Dietenbach wehren, vor, zutiefst unsozial und egoistisch zu sein.

Als ich dies am Frühstückstisch lesen musste, ist mir fast das Brötchen im Halse stecken geblieben. Die Sorge der Weingartener Bürgerinnen und Bürger, dass sich das Klima in Weingarten und Haslach wegen mangelnder Durchlüftung erheblich erwärmen könnte, nachdem man Dietenbach um drei Meter aufgeschüttet hat und darauf eine, wie in Freiburg üblich, extrem dichte Bebauung setzt, ist zutiefst unsozial und egoistisch?

Die Sorge, dass der doch recht kleine Dietenbachpark, sollte er, wie offensichtlich geplant, auch von den tausenden Dietenbach-Neubürgern frequentiert werden, kaum noch Ruhe und Erholung bieten kann, ist also zutiefst egoistisch und unsozial?

Die Sorge, dass die Staus auf dem Zubringer Mitte, die ja auch auf die daran angrenzenden Weingartener und Haslacher Bürger Auswirkungen haben, die Luftqualität durch Auspuffgase verschlechtern wird, ist zutiefst unsozial und egoistisch?

Das Bedauern, dass eine große Naherholungszone mit der Bebauung unwiederbringlich verloren geht, ist ebenfalls unsozial?

Die Bedenken, dass es negative Auswirkungen auf den Mundenhof haben kann (zum Beispiel hohe Kosten für erhöhte Sicherheitsvorkehrungen), sind unsinnig? Ganz nebenbei: Wann werden sich wohl die ersten Anwohner über das morgendliche Gebrüll der Affen beschweren?

Lieber CDU-Ortsverband, da haben Sie aber einen beträchtlichen Bock geschossen und die Frage, wer tatsächlich zutiefst egoistisch und unsozial denkt und handelt, dürfte leicht zu beantworten sein.

Aber gute Ruh, lieber Ortsverband. Dietenbach wird nicht das letzte Großprojekt sein. Ihr Stadtteil wird auch noch drankommen. In 10 bis 15 Jahren wird die Stadt, die sich selbst als Wohlfühlstadt par excellence vermarktet, weitere Wohnmöglichkeiten anbieten wollen. Und die Suche nach innovativen Alternativen, wie in manchen anderen Städten üblich, steht ja eher nicht auf der Agenda.

Dorothee Preisendanz, Freiburg