Schwabentorwehr

Ökopunkte sind viel wertvoller

Nikolaus Geiler

Von Nikolaus Geiler (Freiburg)

Mo, 21. Januar 2019

Leserbriefe Freiburg

Zum Artikel "Das Wehr muss weg" (BZ vom 28. Dezember), der sich mit dem Rückbau des Schwabentorwehrs befasste.

Alle, denen der aquatische Naturschutz an der Dreisam am Herzen liegt, freuen sich, dass endlich der Umbau des Schwabentorwehrs beginnen soll. Die Wehranlage ist das letzte Wanderungshindernis, das den Fischen den Weg in die Laich- und Jungfischrefugien in der oberen Dreisam und ihren Quellbächen versperrt. Dass es so lange mit dem Umbau gedauert hat, ist allerdings ein Ärgernis. Denn nach den Vorgaben der EG-Wasserrahmenrichtlinie hätte die Stadt den Wanderfischen bis zum Jahr 2012 den Weg frei machen müssen. Die Stadt hat den Umbau aber immer wieder verzögert. Obwohl die Stadt der Wasserrahmenrichtlinie nicht fristgerecht nachgekommen ist, will sie für den Umbau der Wehranlage rund eine Million Ökopunkte einheimsen. Die Ökopunkte kann die Stadt anschließend für das Plattmachen der Dietenbachniederung zwecks Errichtung eines neuen Stadtteils verrechnen. Wegen der Dietenbachbebauung verzichtet die Stadt auch "großzügig" auf staatliche Zuschüsse in der Größenordnung von 70 bis 80 Prozent der Umbaukosten. Denn Ökopunkte sind viel wertvoller, weil die Stadt gar nicht die Ausgleichsflächen hat, um die Naturverluste in der Dietenbachniederung kompensieren zu können. Da ist es praktisch, wenn man für die Kompensation Ökopunkte auf dem Naturvernichtungskonto gutgeschrieben bekommt.

Das Regierungspräsidium als zuständige "Flussgebietsbehörde" hat der Verzögerungspolitik der Stadt gutmütig zugesehen. Nachdem der Wehrumbau aber von Doppelhaushalt zu Doppelhaushalt verschleppt worden ist, wäre das RP in Kürze doch nicht mehr um den Erlass einer Anordnung herumgekommen. Da hat man gerade noch seine Schäfchen ins Trockene bringen können.Nikolaus Geiler, Freiburg