Reisen und Begegnungen

Wir müssen die Partnerschaft mit anderen Städten und Ländern fördern

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mo, 10. September 2018

Leserbriefe Freiburg

Die Moskauer Studentin und Praktikantin bei der BZ, Marina Bakhareva, hat ihre Heimatstadt mit Freiburg verglichen ("Freiburg contra Moskau", BZ vom 30. August):
Von einer privaten Reise nach Polen und der Ukraine zurückgekehrt, fand ich diesen Artikel vor. Wie richtig: Das Beste bei einer Reise ist das Heimkommen. In meinem Fall das befreiende Gefühl, wieder zu Hause zu sein in einem demokratischen Rechtsstaat – trotz dessen vieler Mängel, an denen ich jedoch als freie Bürgerin arbeiten kann.

Warum in Kiew so viele Soldaten und Sicherheitsleute, warum so abweisende, meist unfreundliche, mürrische Gesichter in dieser wunderschönen Stadt mit grausamer Geschichte? Zwang die jahrhundertelange Unterdrückungsgeschichte dazu, sich nach außen in Mimik und Haltung abzuschotten und Herzlichkeit nur im allervertrautesten Kreise zu zeigen? In Polen fiel mir bei Besuchen keine ablehnende Haltung auf, obwohl doch auch die Polen eine wahre Leidensgeschichte hinter sich haben. Reine Mentalitätssache? Im Jahrhunderte währenden Überlebenskampf gegen Spitzel und Unterdrückung entwickelte innere Schutzhaltung, die selbst die junge Generation beibehalten hat, die doch bereits weniger rigide Politik erfahren hat?

Unsere Reisefreudigkeit bleibt osteuropäischen Jugendlichen, die nicht in der EU leben, verwehrt, da selbst engsten Verwandten ein Visum für die Bundesrepublik verweigert wird. Bewirkt das Reisen tatsächlich das Überwinden von Grenzen? Bewirkt das Begegnen mit Menschen anderer Länder und Mentalitäten auch ein Überwinden von geistigen Grenzen, also eine gewisse Lockerheit im Umgang mit anderen Menschen?

Dann müssen wir noch mehr als bisher die Partnerschaft mit anderen Städten und Ländern fördern, besonders mit – nach unserem demokratischen Verständnis – gefährdeten Ländern im Umbruch wie Iran, Mittelamerika und Osteuropa.