Leserbriefe

Prof. Manfred Mutter, Grenzach-Wyhlen

Von Prof. Manfred Mutter & Grenzach-Wyhlen

Mi, 13. März 2013

Grenzach-Wyhlen

ZIMMERMANN-ANSIEDLUNG
Appell an die BASF
Zur allgemeinen Berichterstattung erreichte dieser Leserbrief von Manfred Mutter die Redaktion:
Geht es bei der Abstimmung der Entscheidungsträger am 19. März um die Ansiedlung eines Sondermüll-Entsorgers oder um die Zukunft des Industrie-Standortes Grenzach-Wyhlen? Zur Entflechtung dieser Frage hilft ein Blick auf die Entstehungsgeschichte des Problems: BASF und die Firma Zimmermann haben im Vorfeld der öffentlichen Diskussion einen Vertrag abgeschlossen, den beide Parteien auf Grund vorhandener Synergien als "Glücksfall" bezeichneten. Als dann die bei der Ansiedlung eines Sondermüll-Entsorgers weltweit üblichen Proteste aus der Bevölkerung hinsichtlich Imageverlust und Risikofaktoren in Gang kamen, trat aus Sicht der Vertragspartner ein weiterer "Glücksfall" ein: Durch die Drohung, bei Ablehnung der Ansiedlung den Standort BASF "neu zu überdenken", rückten bei vielen Bürgern die zentralen Fragen nach Bedarf, Nutzen und langfristigen Konsequenzen einer Sondermüllentsorgung vor Ort in den Hintergrund und wurden abgelöst durch eine fehlgeleitete Diskussion über die "Zukunft des Industriestandorts". Für die betroffene Belegschaft wurde somit der Erhalt des Arbeitsplatzes zentrales Anliegen, wobei der Arbeitgeber sich auch bei Ansiedlung eines Sondermüllentsorgers das Recht vorbehielt, in der Standortfrage bei Verlust der "Profitabilität" in Zukunft flexibel zu reagieren.

Im Lichte des sich abzeichnenden Rückzugs der produzierenden Industrie bedeutet die Zimmermann-Ansiedlung ein erster unumkehrbarer Schritt weg vom Industriestandort hin zu einem Sondermüll-Entsorgungszentrum mit erheblichem Expansionspotenzial. Um auch der Gemeinde eine flexible Gestaltung der Zukunft nicht zu verbauen, erscheint die Verhängung einer Veränderungssperre der einzige Ausweg zu sein. Dieser von den ansässigen Firmen als "Industrie-feindliches Signal" gedeutete Schritt sollte für die BASF als Urheber des Problems Anlass und Verpflichtung sein, den Weg zu einem dritten "Glücksfall" frei zu machen: Dem Rücktritt vom Vorhaben der Ansiedlung eines Sondermüll-Entsorgers! Damit kann der Weltkonzern eine Veränderungssperre vermeiden, den Industriestandort Grenzach-Wyhlen stärken, ein Beispiel für bürgernahes, sozialbewusstes Verhalten geben und nicht zuletzt der Gemeinde den Weg zu einer von allen Seiten getragenen, dem Strukturwandel gerecht werdenden Zukunftsgestaltung ebnen.
Prof. Manfred Mutter, Grenzach-WyhlenVom hohen Ross
Leserbrief zu "Viel Glück, Grenzach!" von Thomas Hornberger vom 12. März:
Den Gegnern der Ansiedlung eines Sondemüllentsorgers in Grenzach-Wyhlen wird oft ein emotionales Argumentieren vorgeworfen. Dabei haben sich manche Bürger mit dem Thema ernsthaft auseinandergesetzt und darüber fundierte Kenntnisse, die gegen eine Ansiedlung sprechen, auch in Leserbriefen veröffentlicht. Darum wundere ich mich über so einen Leserbrief, der für eine ernsthafte Diskussion von einem Für und Wider der Firma Zimmermann nicht tauglich ist. Was soll er bezwecken? Herr Hornberger bringt keine erwiesenen oder neuen Fakten in die Diskussion, sondern nur allzu oft gehörte Allgemeinplätze an und höhnt von der Nachbargemeinde aus "Viel Glück, Grenzach" Ich nehme an, er meint: Wenn ihr jetzt diesen Sondermüllentsorger NICHT wollt und deshalb für eine Veränderungssperre seid, wird es mit eurer Gemeinde den Bach runter gehen und dann seid ihr selber schuld, so blöd wie ihr seid! So einfach ist das wohl leider nicht. Deshalb ist sein Leserbrief für mich eher eine negative Stimmungsmache vom hohen Ross herunter.
Jeannette Frei, Grenzach-Wyhlen

Gemeinde ist attraktiv
Noch eine Reaktion auf den Leserbrief "Viel Glück, Grenzach!":
Nicht die Gemeinde hat sich dafür entschieden, der chemischen Industrie den Rücken zu kehren, es ist umgekehrt. Herr Hornberger schreibt "Auf die richtige Firma zum richtigen Zeitpunkt zu warten ist schöner Luxus" – einen Sondermüll-Entsorger mitten im Wohngebiet werde ich immer für die falsche Firma am falschen Ort halten. Wir wollen die chemische Industrie, aber Zimmermann bringt uns keine Chemie, sondern teils hochgiftige Sonderabfälle. BASF hat uns mit Zimmermann überrascht. Als einzige Möglichkeit, die Ansiedlung zu verhindern, bleibt der Gemeinde eine Veränderungssperre.

Ich bin mir sicher, dass sich unsere Gemeinderäte nicht von einem Entsorger blenden lassen, der sich außer dem geplanten Betrieb schon die Optionsflächen für ein zweites Werk direkt nebenan gesichert hat. Diese Firma hat bisher an allen Standorten expandiert. Sie fängt klein an mit 15 Arbeitsplätzen, und steigert sich. Dasselbe gilt für die Gewerbesteuereinnahmen: Zu Beginn könnten es – wenn überhaupt – 100 000 Euro sein, hat sich der Entsorger einmal vergrößert, bis zu 300 000 Euro.

Hier wird offensichtlich, dass der Kosten-Nutzen Faktor nicht stimmt. Wir brauchen 9 Millionen Euro, um unsere Infrastruktur aufrecht zu erhalten. Unsere Gemeinde ist zur Zeit dabei, Weichen für Gewerbeansiedlungen zu stellen. Die Attraktivität unserer Gemeinde ist nicht zu unterschätzen mit ihrer Lage vor den Toren Basels, der Nähe zum Rhein und zum Wald. Yvonne Weber, Grenzach-Wyhlen