Lesermeinung

Hildegard Morath (Münstertal)

Von Hildegard Morath (Münstertal)

So, 19. August 2018

Leserbriefe Lörrach

WINDKRAFTRÄDER

ZUM ARTIKEL "WIR MÜSSEN NOCH ORDENTLICH ZULEGEN" VOM 22. JULI:

Eher verschlanken als weiter zulegen

Trotz der fast 30 000 Windräder in Deutschland ist der CO2-Ausstoß nicht zurückgegangen. Mit dem Ausbau der Windenergie sind wir jetzt an einem Punkt angelangt, wo bei starkem Wind der Überschuss aus den Windanlagen kostenpflichtig in die Alpenländer entsorgt werden muss, die damit ihre Pumpspeicherseen füllen. Bei der nächsten Flaute löhnt Deutschland abermals – beim Rückkauf. Strom muss nämlich im Augenblick der Entstehung verbraucht werden. Unsere Speichertechnologien stecken noch nicht einmal in den Kinderschuhen – die Umwandlungsverluste von Power-to-Gas betragen zwischen 60 und 70 Prozent. Deshalb ist momentan jede neu gebaute Windkraftanlage kontraproduktiv – die vielen Milliarden aus unserer Zwangsabgabe "EEG-Umlage" (wir haben inzwischen den höchsten Strompreis Europas!) sollten lieber in die Erforschung effektiver Speichertechnologien investiert werden. Darüber hinaus ist unser Baden-Württemberg das windschwächste Bundesland überhaupt – hier noch Windräder in den Wald zu stellen, die sogar noch kostbarstes Quelltrinkwasser gefährden (und keines der Gutachten schließt dies aus!) wie auf der Münstertäler Breitnau, dient nur noch den Subventionsrittern. Ralf Zähringer von der Umweltordnungsbehörde Freiburg sei herzlich gedankt, dass er endlich einmal neue Wege zur C02-Vermeidung anspricht: Regional kaufen und den Fleischkonsum verringern. Man könnte noch vieles hinzufügen: Keine Billig- und Vielfliegerei, SUVs für die Fälle, wo sie wirklich gebraucht werden, Wäscheleine vor Wäschetrockner . . . Nicht nur Strom ist Energie! Weitere Windräder führen, außer für Investoren, nur in die Sackgasse!
Hildegard Morath, Münstertal

LINKE

ZUM ARTIKEL "EIN RISKANTES SPIEL" IN DER AUSGABE VOM 12. AUGUST:

Es geht jetzt um Aufstehen oder um Untergehen

Dass die Funktionäre und Mandatsträger von SPD, Linkspartei und Grünen ganz überwiegend ablehnend auf die von Sarah Wagenknecht und anderen initiierte Sammlungsbewegung "Aufstehen" reagieren, war zu erwarten und ist insofern nicht überraschend. Sie verweigern einfach den Blick darauf, dass der Sozialstaat, an dessen Aufbau und Ausbau die demokratische Linke entscheidenden Anteil hat, durch die unkontrollierte Zuwanderung in die Sozialleistungssysteme gefährdet ist. Das mag die Grünen wegen der Sozialstruktur ihrer Wählerschaft weniger schrecken. Verblüfft und entsetzt schaue ich aber als alter Sozialdemokrat auf die SPD und die Linkspartei. Wenn da nicht endlich selbstkritische Nachdenklichkeit einzieht, wird die Abwanderung der Wähler in die Wahlenthaltung oder zur AfD sich fortsetzen und beschleunigen. Aus der "breiten Ablehnung" der Sammlungsbewegung "Aufstehen" durch die Funktionäre kann dann leicht eine breite Ablehnung von SPD und Linkspartei durch ihre angestammten Wähler werden. Allein die SPD hat bei der letzten Bundestagswahl 500 000 Stimmen (vor allem in Wahlbezirken mit hohem Arbeiteranteil in westdeutschen Großstädten – früher Hochburgen der SPD) an die AfD verloren. In Ostdeutschland ist die AfD schon heute (leider) die Partei der Arbeiter geworden. Mir scheint, es geht da jetzt um "Aufstehen" oder "Untergehen". Ein Blick auf die Wahlergebnisse der Sozialistischen Partei in Frankreich oder der sozialdemokratischen Parteien in den Niederlanden oder neuerdings auch in Italien zeigt, dass es inzwischen um die Existenz der demokratischen Linken in Europa geht. Peter Fleiner, Waldkirch
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