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30. Juni 2012

Lesestoff rund um die Uhr und weltweit

Am Sonntag beginnt die "Onleihe" bei der Emmendinger Stadtbibliothek.

  1. Neu: Online-Ausleihe oder Onleihe in der Stadtbibliothek Foto: Sylvia-Karina Jahn

EMMENDINGEN. Bücher ganz bequem von zu Hause aus ausleihen, ohne sich um Büchereiöffnungszeiten oder Leihfristen kümmern zu müssen – das funktioniert mit der neuen Onleihe, die die Stadtbibliothek ab Sonntag im Verbund mit neun weiteren Büchereien anbietet. Wer einen Büchereiausweis besitzt, kann über das Download-Portal der Bibliothek von jedem Internetzugang aus kostenlos rund 3200 Medien ausleihen; überwiegend sind es Bücher, aber auch 500 Hörbücher, zudem Zeitungen und Sachfilme.

Bibliotheksleiterin Rosemarie Weber ist hellauf begeistert von dem neuen Angebot: "Das hat mich richtig froh durch den Arbeitsalltag getragen", strahlt sie. Denn sie findet Ausleihe per Internet ungemein praktisch, braucht man sich doch auf Reisen nicht mehr mit Bücherstapeln zu belasten. Weber erhofft sich zudem neue Leserkreise: neugierige Technikfreaks ebenso wie jene, denen die Öffnungszeiten nie zum Büchereibesuch reichen, leseferne Schichten, Menschen mit Handicap. Vorerst nicht im Angebot sind Kinderbücher; das Angebot beginnt für der Altersgruppe ab zehn Jahren.

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Warum Onleihe erst jetzt?
Großstadtbibliotheken bieten die Ausleihe online schon seit gut fünf Jahren, für die Kleinen ist es ein finanzieller Kraftakt, erklärt Weber. So kam es zum Verbund mit Waldkirch, Achern, Ettenheim, Haslach, Kehl, Lahr, Oberkirch, Offenburg, Rheinau und Waldkirch. Selbst gemeinsam scheiterte das Projekt zunächst am Geld. Doch nun gibt es einen Anfangsbestand von rund 2500 Büchern, 500 Audios, Videos (nur Sachfilme), fünf Zeitungen, aber keine Musik: Lizenzen sind teuer. Rund 75000 Euro haben die zehn Bibliotheken insgesamt investiert, für die technischen Voraussetzungen, aber auch 33 500 Euro für die Medien. Emmendingen hat 3500 Euro dafür ausgegeben und sich wie seine Verbundpartner dazu verpflichtet, künftig jährlich fünf Prozent seines Etats für elektronische Medien auszugeben. Das 2500 Euro, im laufenden Jahr immer noch 1250 Euro.



Was sind die Vorteile?
Im Gegensatz zum Buch auf Papier gibt es keine Mahngebühren: Ist die Leihfrist abgelaufen, lässt sich die Datei nicht mehr öffnen, der Leser braucht sich um nichts zu kümmern. Ansonsten kann rund um die Uhr ausgeliehen werden, auch unterwegs, im Urlaub, wenn noch der passende Reiseführer fehlt oder der Lesestoff ausgegangen ist. Man kann sich Medien vormerken lassen und erfährt auch gleich, welche Titel am häufigsten ausgeliehen wurden.

Wie wird gelesen?
Lesen kann man die Bücher auf E-Book-Readern, Tablets, Smartphone und natürlich am PC, Hörbücher auf dem MP 3-Player; Zeitungen sind nur via PC abrufbar, was mit den Lizenzen zusammenhängt. Lizenzen sind auch der Grund dafür, dass jedes Medium nur einmal ausgeliehen werden kann – ist es gerade unterwegs, muss der Interessent warten. Das ist nicht anders als beim gedruckten Buch. Allerdings wollen die Büchereien sehr gefragte Medien mehrfach ordern.

Gibt es Nachteile?
Verlängern lassen sich die elektronischen Medien nicht. Das Bibliotheksangebot ist nicht auf jedem Medium nutzbar, beispielsweise nicht via Kindle. Das aktuelle Angebot ist aber gut sortiert. Etwa im Bereich Krimis: Neuheiten wie Alpendöner, Bewährtes wie Milchgeld und Laienspiel aus der beliebten Kluftinger-Serie oder das Alphabethaus von Adler Olsen. Aber auch Autoren wie Tom Clancy oder Hildegard von Bingen sind via Netz verfügbar.

Doch manche Bücher gibt es noch gar nicht online: Weil etwa der Diogenes Verlag noch keine E-Books anbietet, gibt’s den neuesten Donna Leon-Krimi um Kommissar Brunetti weiterhin nur gedruckt in der Bücherei, erklärt Weber. Nicht nur deswegen ist sich die Leiterin der Stadtbücherei sicher:"Das Schlosserhaus wird wegen der Onleihe auf absehbare Zeit bestimmt nicht leer!" Es hat übrigens noch einen Vorteil, der am Freitag überdeutlich wurde: Dort kann man auch bei Stromausfall stöbern...

Digitales Lesen heißt der Vortrag von Karl Dietz am Mittwoch, 4. Juli, 19 Uhr in der Stadtbibliothek über Geräte, Technik und Möglichkeiten der digitalen Ausleihe.


Autor: Sylvia-Karina Jahn