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28. September 2011

BZ-Interview

Partnervermittlerin: „Der schöne Zufall ist allzu selten“

Schlafen Sie bei offenem Fenster? Das ist eine von 74 Fragen, die es im Persönlichkeitstest der Online-Partneragentur Parship auszufüllen gibt. Sie sucht mithilfe von ausgeklügelten Algorithmen danach potentielle Partner aus.

  1. „Lieber Unbekannte, heute Nacht habe ich von Dir geträumt“: Laut singlebörsen-vergleich.de suchen sieben der zehn Millionen deutschen Singles mittlerweile die Liebe im Internet. Foto: Lorelyn Medina - Fotolia

  2. Offenbar kommt bereits jede dritte Beziehung online zustande. Foto: Lorelyn Medina - Fotolia

  3. Christiane Schnabel Foto: privat

Je mehr sogenannter Matchingpunkte man mit jemanden hat, desto besser. Ist die Liebe also berechenbar? Martina Philipp sprach darüber mit Christiane Schnabel. Die 37-Jährige leitet die wissenschaftliche Abteilung von Parship – das einzige Partnersuche-Portal, das Stiftung Warentest als "gut" befand.

BZ: Frau Schnabel, am Samstagabend in ausgeleierter Jogginghose vorm Laptop sitzen und sich durch Profile von potenziellen Partnern zu klicken, schreckt romantisch veranlagte Singles ab. Können Sie das nachvollziehen?

Schnabel: Mit dem Blick von außen ja, allerdings wissen wir aus unseren Erfahrungsberichten, dass es oft schnell romantisch wird, wenn man jemandem eine Mail schreibt und merkt, es kribbelt. Von daher ist der Vorwurf, den wir ab und zu hören, ,Liebe wird berechenbar’, nicht gerechtfertigt. Klar zäumen wir das Pferd von hinten auf, aber Romantik passiert immer dann, wenn sich zwei Menschen finden und miteinander kommunizieren.

BZ: Was unterscheidet eine erfolgreiche Onlinesuche vom Volltreffer an der Tiefkühltheke?

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Schnabel: Der schöne Zufall an der Theke ist leider allzu selten. Wenn wir ganz normal durchs Leben gehen und uns immer mal wieder verlieben, lassen wir uns von unseren Suchmustern leiten. Diese führen leider nicht immer zum richtigen Partner; auch, weil wir uns von visuellen Reizen leiten lassen, die uns noch recht wenig über die Person dahinter verraten und ob wir mit dieser etwas anfangen können. Wir bei Parship lassen diese Reize erstmal außen vor und geben der jeweiligen Persönlichkeit Raum und den Faktoren, die in einer Beziehung wichtig sind.

BZ: Kommt dabei die berühmte Chemie nicht zu kurz, beziehungsweise zu spät? Sie ist doch oft entscheidend.

Schnabel: Definitiv. Es ist auch nicht so, dass diese Faktoren unwichtig sind, aber sie sollten nicht handlungsleitend sein. Wir können jemanden sehr attraktiv finden und ihn auch gut riechen, aber über ein sexuelles Abenteuer geht es dann vielleicht nicht hinaus. Unsere Mitglieder suchen aber eine langfristige und glückliche Partnerschaft, da liegen die Ansprüche dann deutlich höher.

BZ: 1,85 Meter groß, humorvoll, sportlich, erfolgreich, verständnisvoll, Elefantenfreund: Entwickelt sich die Partnersuche zur Rasterfahndung? Früher gab’s solche genauen Vorstellungen kaum.

Schnabel: Es stimmt, in der Vergangenheit entschied sogar oft die Familie, wen wir heiraten. Aus anderen Kulturen, die das noch so handhaben, wissen wir, dass solche Ehen nicht unbedingt unglücklich sind, beziehungsweise durchaus lange halten können. Angesichts so einer fremdgetroffenen Entscheidung lernt und hilft sich die Psyche dann irgendwann zu sagen: Ich arrangiere mich mit dieser Entscheidung. In unserer heutigen Gesellschaft haben wir gelernt: Die Entscheidung für den richtigen Partner treffe ich alleine, und zwar aus emotionalen Gründen, aus Liebe. Natürlich ist der Druck, der entsteht, weil das auch der Richtige sein soll, besonders hoch – genauso wie die Verantwortung, die ich für meine Wahl habe.

BZ: Im Café wartet man lang auf die Prinzessin, im Internet gibt’s Hunderte Profile: Besteht die Gefahr, sich dadurch nur schwer festlegen zu können, weil die nächste Frau noch hübscher und humorvoller sein könnte?

Schnabel: Das ist tatsächlich ein Thema, mit dem wir uns beschäftigen. Wir raten unseren Mitgliedern: ,Sie haben zwar eine große Auswahl, aber bitte schauen Sie auch genau hin.’ Um einen Menschen kennenzulernen, bedarf es Mails, Telefonate und Treffen.

BZ: 180 Euro Beitrag in drei Monaten kann sich eine Altenpflegerin mit Kind kaum leisten. Richtet sich Ihr Angebot an gut ausgebildete Besserverdiener?

Schnabel: Jein. Die Mehrheit unserer Mitglieder ist studiert und lebt in gut situierten Verhältnissen. Das schließt aber die Altenpflegerin nicht aus. Wenn man den Partner fürs Leben sucht, sind einem das die 180 Euro möglicherweise wert. Bei einer seriösen Vermittlung wie Parship mit einer Erfolgsquote von 38 Prozent hat man immerhin die Gewissheit, dass die Mitglieder ernsthafte Absichten haben, sonst würden sie zum Beispiel nicht so viel Geld bezahlen.

BZ: Parship gibt es seit zehn Jahren, angesichts mehr als zehn Millionen Singles boomte Ihr Unternehmen. Der Umsatz sank 2010 allerdings im Vergleich zum Vorjahr um eine Million auf 55 Millionen Euro: Wird die Konkurrenz stärker?

Schnabel: Ja, der Markt ist heute umkämpft, das merken wir wie alle anderen.

BZ: Sie haben Ihren Partner im Internet gefunden. Wissen Sie noch, warum Sie an seinem Profil hängengeblieben sind?

Schnabel: Es war der Humor, den ich zwischen den Zeilen herausgelesen habe und der sich auch bewahrheitet hat.

BZ: Egal, ob man sich im Internet oder an der Tankstelle kennenlernt: Gibt es Ihrer Ansicht nach eine Liebesglückformel?

Schnabel: Die Formel, die wir bei Parship berücksichtigen, lautet im Bezug auf Partner: So viel Ähnlichkeit wie möglich, so viel Unterschiedlichkeit wie nötig. Jeder sollte sich fragen: Wer bin ich und wen suche ich? Wichtig ist, authentisch zu bleiben und sich nicht vom ersten Feuer einfangen zu lassen. Es ist viel mehr wichtig, als nur der äußerliche Reiz.

Autor: phi