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29. Juli 2010 10:48 Uhr
Protest
"Z"-Besetzung: Jugendliche ziehen ab
Kurzes Intermezzo: Nur wenige Stunden dauerte die Besetzung des ehemaligen Jugendzentrums "Z" in Freiburg durch einige Aktivisten aus der linken Szene. Zuvor hatte die Stadt den überwiegend Jugendlichen ein Ultimatum gestellt.
Am Mittwochabend stiegen etwa 15 Jugendliche ins "Z" ein, erklärte der 15-jährige Anton. Kaputt ging dabei nichts, sagte die Polizei nach einem ersten Blick. Die Jugendlichen gaben an, sie wollten mit ihrer Aktion darauf aufmerksam machen, dass "hier schon lange nichts geht".
Hinter der Aktion im "Z" steht offenbar die neu gegründete Jugendinitiative "epsilon". Ob sie eigenmächtig gehandelt hat, oder noch jemand dahinter steckt, ist unklar. In der Gartenstraße wurde zuletzt ein "Schulschwänzercafé" angeboten. Publik machte die Aktion gestern die "Autonome Antifa". Die Jugendlichen seien auf sie zugekommen, erklärt ein Antifa-Vertreter, sie hätten sie nur unterstützt.
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Dann das Ultimatum: Bis 12.30 Uhr hatten die jungen Besetzer Zeit, das "Z" zu verlassen. "Dann verzichten wir auf eine Anzeige", sagte von Kirchbach. Er stellte klar, dass sich die Jugendlichen rechtswidrig Zutritt verschafft haben. Die Besetzer hielten ein Plenum ab, um die weitere Vorgehensweise zu beraten. Zunächst blockierten sie dann noch den Vordereingang mit einer Couch und stimmten Rio Reiser an. Polizei, Haardt und von Kirchbach kamen dann über den Hintergang gegen 12.45 Uhr ins "Z" – und die Jugendlichen hatten das Nachsehen. Langsam und entspannt löste sich die Besetzung auf.
Einst war im "Z" am Siegesdenkmal ein selbstverwaltetes Jugendzentrum untergebracht – das nach sieben Jahren komplett von den Betreibern an die Wand gefahren worden war. Der Trägerverein war im Juni 2009 pleite, das "Z" vor allem für Alkohol und Liquid-Ecstasy-Partys bekannt.
Seitdem wird heftig darüber diskutiert, was aus dem Zentrum werden soll. Bis Herbst will die Stadtverwaltung drei Konzepte prüfen und im Oktober dem Jugendhilfeausschuss einen Vorschlag zur Abstimmung vorlegen.
Den Autonomen geht das offenbar nicht schnell genug. Außerdem fordern sie, dass die Betroffenen – also die Jugendlichen selbst – an der Entscheidungsfindung beteiligt werden sollen. In einer ersten Stellungnahme heißt es: "Freiburg braucht ein selbstverwaltetes Jugendzentrum in der Innenstadt und die Jugendlichen haben es sich genommen."
Ulrich von Kirchbach und Marianne Haardt waren über diese Aktion einigermaßen verblüfft. Erst am Mittwoch habe ein Gespräch mit "Artik" stattgefunden, so der Jugendbürgermeister. Dabei handelt es sich um einem Zusammenschluss von Vereinen, Jugendorganisationen und Einzelpersonen, denen mit der Idee einer offenen, von einem zu gründenden Verein begleiteten Jugendarbeit, im "Z" zum Zuge zu kommen. "Das Gespräch war gut", bewertete von Kirchbach.
"Wir sehen überwiegend gute Ideen im Konzept der Initiative Artik", schreiben die Aktivisten in ihrer Erklärung. Sie "sind allerdings der Überzeugung, dass ein Jugendzentrum selbstverwaltet sein muss".
Zuletzt favorisierte die Stadtverwaltung auch die Idee, im früheren "Z" Proberäume für Bands einzurichten. Der Verein Multicore, eine Initiative zur Förderung Freiburger Bands, könnte die Räume mieten und an Bands weitervermieten. Ein Vorschlag, der bei den Jugendlichen auf Zustimmung stößt. Zumindest prinzipiell: "Damit sich für Multicore alleine die Räume rentieren würden, müsste man allerdings teure Umbauten innerhalb der Unterführung vornehmen."
Laut von Kirchbach gibt es zur Zeit Verhandlungen mit allen potenziellen Betreibern der städtischen Räumlichkeiten, darunter die kommerzielle Bewerbung der Media Konzept GmbH, der Initiative "Artik"und der christlichen Freikirche International Christian Fellowship (ICF). Ihre Konzepte würden geprüft – auch auf Kosten und etwaige Zuschüsse.
Autor: Simone Höhl, Alexandra Sillgitt


