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24. September 2011
Aus für Horror & Fantasy
Junge Kunden kaufen online: Die Freiburger Buchhandlung am Schwarzen Kloster gibt auf.
Eine Ära geht zu Ende. Wenn die Buchhandlung am Schwarzen Kloster heute mit dem Verkauf der letzten Bücher für einen Euro schließt, macht nicht nur ein weiterer unabhängiger Einzelhändler in der Freiburger Innenstadt dicht, sondern auch ein selbst bundesweit ziemlich einmaliger Laden verschwindet aus der Stadt: ein Geschäft für phantastische Literatur (Horror und Fantasy), Science Fiction und Kriminalliteratur. 1996 hatte die UFO-Buchhandlung in der Rathausgasse eröffnet, nach einem Schnitt und mit einem neuen Konzept – die Beschränkung auf Bücher und Mangas – übernahm Matthias "Matse" Maier 2005 das Geschäft, das er nun wegen Unrentabilität aufgibt.
Dass Städte in der Größenordnung von Freiburg für so ein Spezialsortiment eigentlich zu klein sind, kann man als Grund gelten lassen (eine ähnliche Buchhandlung in Mannheim hat schon aufgegeben), und dass die Kaufkraft schwindet, merkt wohl fast jeder selber. Doch so einfach ist es nicht. "Wer einmal hier war, der kam wieder", sagt Robert Schekulin, der die Krimi-Abteilung betreute, "aber die Neukunden blieben aus." "Das Konzept war vielleicht zu traditionell – ein spezialisierter Laden, in dem man auch mal ein Schwätzchen hält", beschreibt Matse Maier seine Vorstellung von einer Buchhandlung, und: "Von Anfang an hätten wir im Internet mehr machen sollen, zumindest einen Online-Shop – an Facebook hat vor fünf Jahren noch keiner gedacht."
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Schekulin schlägt in die gleiche Kerbe: "Ohne Social Media ist es fast unmöglich ein jüngeres Publikum zu erreichen. Heutzutage sind Buchhandel und Verlags-Promotion ohne Facebook nicht mehr denkbar." Das Soziale spielt sich nicht mehr zwischen Buchhändler und Kunde ab, die Internet-User verständigen sich lieber untereinander, auch über Bücher. Dabei verwischen auch des öfteren die Rollen von Verkäufer und Kunde. Und: Der Bestellknopf ist nicht weit. 20 Prozent des Buchhandels laufen mittlerweile übers Internet, Händler wie Amazon gleichen die Portokosten mit Rabatten der Verlage aus – von der wegfallenden Ladenmiete gar nicht zu reden. Es reicht halt nicht mehr, wenn sehr kompetente Leute in einem Laden stehen, Lesungen organisieren, Büchertische präsentieren, Anzeigen schalten oder ein riesengroßes Sortiment zum Anfassen anbieten.
Auf immerhin zwei Stockwerke verteilten sich die Bücher in der Buchhandlung am Schwarzen Kloster, wobei die Krimi-Abteilung im ersten Obergeschoss fast schon repräsentative Ausmaße annahm. Nur scheint in Freiburg das Interesse an hochwertiger Kriminalliteratur jenseits der Kaufhausstapel nicht so groß zu sein, der Umsatz gemessen an den Regalmetern war sehr bescheiden. "Die Krimileser in Freiburg sind durch die anderen Buchhandlungen versorgt", sagt Robert Schekulin, Mitglied der Jury für den Deutschen Krimipreis. Er wird in Berlin bei der Buchhandlung Hammett weiterhin Kriminalliteratur verkaufen.
Schlecht sieht es dagegen bei der Phantastik aus, dem Steckenpferd von Matse Maier. Hier hinterlässt die Buchhandlung am Schwarzen Kloster eine große Lücke in Freiburg. "Da gibt es soviel großartige Literatur und nicht nur Trash", schwärmt der Inhaber, fängt an zu erzählen von großartigen Horror-Autoren und wundert sich, wie das Genre hierzulande so verkannt werden könne. Aber das gehört schon wieder zum Schwätzchen. "Furt is furt", grinst Matse Maier ohne Groll, als Lektor oder bei einer Literaturagentur will er sich weiter mit Phantastik beschäftigen.
Bleibt nur noch zu sagen, mit den Worten eines Stammkunden der Buchhandlung: "Tschüss und danke für die ganzen Jahre".
Autor: Joachim Schneider
