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28. August 2015

Als Hobby macht Schreiben zu viel Arbeit

Vier Schriftstellerinnen zeigen sich und ihr Tun – und drehen ab nächster Woche einen Film.

  1. Mechthild Zimmermann, Gina Greifenstein, Anne Grießer und Barbara Saladin (von links) drehen gemeinsam einen Roadmovie. Foto: privat

"Aus einer Laune heraus" sei die Idee entstanden – aber nur nach launig sieht sie nicht aus: Drei Schriftstellerinnen und eine Verlegerin stellen nichts weniger als die Existenzfrage: Alle Welt liebt Krimis, aber ist die Welt auch bereit, ihre Krimiautorinnen zu ernähren? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, reisen Anne Grießer, Gina Greifenstein, Barbara Saladin und Mechthild Zimmermann ab kommender Woche durch die Republik und drehen einen Film.

Anne Grießer, in Freiburg lebende Krimiautorin des Jahrgangs 1967, ist bekannt für ihr rühriges Wesen. Sie hat beispielsweise den Freiburger Krimipreis initiiert, veranstaltet showbetonte Lesungen und Krimi-Menüs, schreibt Theaterstücke, die im Dunklen aufgeführt werden. Nun wird sie erstmals Protagonistin in einem Film. Dieser, gedreht vom Wiener Dokumentarfilmer und Autor Günther Zäuner, soll ein realistisches Bild von der Arbeit der Schriftstellerinnen zeigen. Immer wieder nämlich werden Grießer und ihre Kolleginnen mit Fragen ahnungsloser Leserinnen und Leser konfrontiert.

Da herrsche entweder die Meinung vor, nach dem zweiten veröffentlichten Buch habe man sich ein sorgenfreies Leben inklusive Haus in Italien erschrieben. Oder die Arbeit werde als Zeitvertreib einer "Hausfrau" angesehen. "Ich kenne kaum jemanden, der alleine vom Schreiben leben kann – aber es als Hobby zu betreiben, dafür macht es zu viel Arbeit", ist Grießers Überzeugung. "Aber wenn man die Leidenschaft zum Schreiben hat, dann ist sie es auch wert, dafür zu zappeln."

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Um ein Buch zu schreiben, müsse die Autorin, der Autor eben nicht nur schreiben können. Viel lesen, recherchieren, einen Verlag finden und überzeugen, sich vermarkten gehöre genau so dazu. Bei dieser Arbeit wird die Dokumentation die Schriftstellerinnen begleiten.

Im ersten Teil des Films werden die einzelnen Autorinnen porträtiert. Dabei soll es vor allem um ihre Markenzeichen gehen. Der zweite Teil widmet sich der Lesereise, die am 1. September in Würzburg startet, dann zunächst nach Rothenburg ob der Tauber, Walldürn und Oberotterbach (Pfalz) führt. "Gezeigt werden soll eine typische Arbeitswoche", erläutert Grießer, mit allen Höhe- und Tiefpunkten, die einen im Schriftstellerinnenleben so erwarten. Diskutiert werden im Film sicher auch Themen wie das Urheberrecht, der Wert geistiger Arbeit oder der angemessene Preis für ein Taschenbuch. Regelt nicht auch der Markt die Frage, ob eine Autorin oder ein Autor von der Schriftstellerei leben kann? "Die Qualitätsfrage stellen wir uns selber ununterbrochen", betont Grießer. Ziel sei es, gute Unterhaltungsliteratur abzuliefern, handwerklich korrekt und sprachlich ambitioniert.

Die vier Frauen hoffen, dass ihr "Roadmovie" ab Herbst 2016 in Programmkinos und auf Buchmessen laufen wird. "Es ist ein No-Budget-Projekt, aber auch eine Herzensangelegenheit", sagt Anne Grießer. Wer mag, kann die Reise der Schriftstellerinnen im Internet verfolgen. Neben der Homepage wird es auch einen Blog geben.

Mehr Infos:      http://www.krimiaufraedern.de

Autor: hoss