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13. Februar 2017

"Betrauern wir diesen Mann"

Zum Tod des Schweizer "Dichterpfarrers" Kurt Marti.

Kurt Marti zählte zu den bedeutendsten Lyrikern der Schweiz. Der reformierte Pfarrer galt seit den 50er Jahren zudem als analytischer Beobachter des politischen Klimas seiner Heimat. Bekannt wurde der gebürtige Berner durch seine in aggressiven Sprachwitz verpackte Gesellschaftskritik. Am Samstag ist Marti im Alter von 96 Jahren gestorben.

Der auf Bildern stets freundlich und hellwach blickende, hoch gewachsene Herr mit großer Brille verfasste seit seinem ersten Band "Boulevard Bikini" (1958) Hunderte Gedichte, viele in Berner Mundart. Sein Spektrum reichte von Naturlyrik zu konkreter "engagierter" Poesie. Hinzu kamen Essays, Kurzgeschichten und ein Roman. Leser würdigten seine schwebende und spielerische Leichtigkeit der Sprache.

Auf die Frage, ob er sich mehr als Theologe oder Schriftsteller fühle, sagte Marti einmal: "In mir ist beides eng beieinander." Zur Theologie kam der Sohn eines Notars nach eigenen Worten wie "die Jungfrau zum Kind". Unter seinen Vorfahren hatte es "Bauern, Gemeindeschreiber, Kaufleute, Ärzte, Handwerker, ab und zu auch Tunichtgute und Bankrotteure gegeben, nie jedoch einen Pfarrer".

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Für ein Christentum ohne falsche Tröstungen

Der Vater von vier Kindern wetterte früh gegen den Kalten Krieg sowie antiliberale Einstellungen seiner militärisch neutralen Heimat. Er engagierte sich bald gegen den Vietnamkrieg, agitierte gegen Atomwaffen und Atomenergie, warnte vor der Zerstörung der Alpen oder prangerte das Elend in Entwicklungsländern an. Das verhalf ihm zum Ruf, er sei Kommunist oder christlicher Marxist.

Als Seelsorger und Autor vertrat der Schüler des Theologen Karl Barth (1886–1968) ein aufgeklärtes Christentum ohne falsche Tröstungen. Die christliche Religion dürfe nicht in der Institution Kirche erstarren. Als Grundton durchzog sein Werk die Einsicht in die Ohnmacht des Menschen angesichts der zerstörerischen Tendenzen seiner Zeit. In seinen "Leichenreden" (1969) heißt es nüchtern: "betrauern wir diesen mann / nicht weil er gestorben ist / betrauern wir diesen mann / weil er niemals wagte / glücklich zu sein." In einem Kirchenlied, das seinen Weg ins Evangelische Gesangbuch fand, hofft Marti auf eine "Welt ohne Leid, / wo Gewalttat und Elend besiegt sind."

Autor: Stephan Cezanne (epd)