Eine Marktlücke ist geschlossen

Elmar Vogt

Von Elmar Vogt

Fr, 08. Dezember 2017

Literatur & Vorträge

Johann Peter Hebels "Biblische Geschichten" sind dank einer Neuausgabe wieder erhältlich.

Für viele Leser von Johann Peter Hebels Werk sind die "Biblischen Geschichten" unentdecktes Land. Zurecht schreibt Otto Frommel: "Wer Hebel wirklich kennen will, der kann an seinen "Biblischen Geschichten" nicht vorübergehen." Diese Geschichten sind 1823 erstmals in einer Gesamtausgabe erschienen, blieben zehn Jahre lang amtliches Schulbuch und verschwanden spätestens 1855 – "auf Betreiben einer pietistisch-frommen Elternschaft, die Hebels Nacherzählungen als zu liberal empfand, wieder aus den Schulen", wie Pfarrer Thomas Weiß in seinem Nachwort zu der neuen Ausgabe schreibt, die kürzlich im Tübinger Verlag Klöpfer & Meyer erschienen ist.

Im Vorwort dazu stellt der Theologe Karl-Josef Kuschel heraus: "Hebel ist eine einzigartige Mischung aus volksnahen und zugleich aufklärerischen Geschichten gelungen, abwechslungsreich zu lesen und kritisch in ihren Pointen." Für Goethe trat in den "Biblischen Geschichten" das zutage, was er als "aufklärerische Vernunftreligion" bei Hebel erkannte. Die "Biblischen Geschichten" sollten die als nicht mehr zeitgemäß angesehenen Biblischen Historien von Johann Hübner ersetzen, die im Jahre 1714 verfasst und Mitte des 18. Jahrhunderts in Baden als Schulbuch eingeführt worden waren. Es ging dabei um eine Kinderbibel, die Episoden aus dem Alten und Neuen Testament enthielt. Hebel verwendete 59 Geschichten aus dem Alten Testament und 64 aus dem Neuen Testament. Ihm war vor allem daran gelegen, das Alter der angesprochenen Kinder – es sind die Zehn- bis Vierzehnjährigen – gebührend zu berücksichtigen. Hebel wählte aus und ließ besonders im Alten Testament alles Grausame weg und vieles, was nicht zum Erfahrungsbereich der Kinder gehörte.

Wohl kaum ein Schulbuch hat damals und später so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie die "Biblischen Geschichten". Offenbar erfreute sich Hebel als Autor nicht nur in Dänemark (1826) und England (1962) einer bemerkenswerten Beliebtheit. Als Kuriosum sei erwähnt, dass im Schweizer Kanton Graubünden zwei rätoromanische Fassungen für das Engadin und das Oberland sowie eine freie italienische für das Puschlav und das Bergell länger in Gebrauch blieben als ihre Vorlage in Baden.

Die zuvor erschienenen Ausgaben, zuletzt 1992 im Manesse Verlag in Zürich, sind vergriffen. Dem Verleger Hubert Klöpfer und den Autoren gilt daher der Dank, dass sie diese Marktlücke erkannt und geschlossen haben, denn Jean Paul bekannte bereits: "Hebel sei zu lesen, wenn nicht einmal, so doch zehnmal, wie alles Einfache!"

Buch: "Biblische Geschichten" von Johann Peter Hebel, herausgegeben mit Einführung und Nachwort von Karl-Josef Kuschel und Thomas Weiß, Tübingen, Klöpfer & Meyer, 2017, 328 Seiten, Hardcover und Lesebändchen, ISBN 978-3-86351-458-7, 24 Euro