Übersetzen live am Hieronymustag

Jürgen Reuß

Von Jürgen Reuß

Fr, 06. Oktober 2017

Literatur & Vorträge

Zum Abschied vom Literaturbüro gaben zwei "Gläserne Übersetzer" Einblicke in ihre Arbeit.

Eine gute Idee allein ist nicht genug. Soll sie etwas bewirken, braucht es auch langen Atem und viel Engagement. Das beste Beispiel dafür ist der Internationale Übersetzertag. Kaum gegründet, nahm sich die Fédération internationale des traducteurs, der Weltverband aller Übersetzenden, vor, jedes Jahr am 30. September, dem Todestag des Kirchenvaters und Bibelübersetzers Hieronymus, die Bedeutung der internationalen Übersetzergemeinschaft öffentlich zu würdigen. Das war 1954. In diesem Jahr, 63 Jahre später, hat die UNO den Internationalen Übersetzertag offiziell, einstimmig und weltweit in Kraft gesetzt.

Eine glückliche Fügung also, dass gerade das Weltfest der Übersetzenden am Tag der Deutschen Einheit als letzte Veranstaltung im alten Freiburger Literaturbüro stattfand, bevor das neue Literaturhaus bezogen wird. Die beste Art, sich ein Bild davon zu machen, warum inzwischen auch die UNO den laut eigener Begründung friedensfördernden Beitrag von Übersetzern zur Vernetzung und dem gegenseitigen Verständnis von Nationen anerkennt, ist, ihnen bei der Arbeit einmal über die Schulter zu schauen. Also saßen zwei sogenannte "Gläserne Übersetzer" vor ihren Laptops, beamten sowohl den Originaltext als auch ihre Übersetzung an die Wand und luden das Publikum ein, an ihren Gedanken teilzuhaben und sich mit Ideen, Kommentaren und Verbesserungsvorschlägen einzubringen.

Während Tobias Scheffel seine Übersetzung eines anspruchsvollen Krimis aus dem Französischen vorstellte, konnte man die rund zwei Dutzend mitdenkenden Gästeköpfe mitrauchen sehen.

Sind alle Anspielungen bedacht? Wie lassen sich Kürze, Eleganz und Genauigkeit ins Deutsche überführen? Ein paar Absätze Text und anderthalb Stunden konzentrierter Arbeit später, ein Kaffee, dann nahm Christoph Trunk das Publikum mit in die nächste Runde. Wie redigiert man sich selbst, nachdem die Rohübersetzung steht? Was dabei rauskommt? Sehen Sie selbst am 10. Oktober.

In Freiburg übersetzt. Übersetzer aus Freiburg und der Region lesen aus ihren Werken. Dienstag,10. Oktober, 20 Uhr, Stadtbibliothek, Münsterplatz 17.